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#trending: Özil-Reaktionen von Hoeneß, den Mannschaftskollegen und der Politik – und das Trump-Rouhani-Mem

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Guten Morgen! Den vielleicht ausgewogensten, unaufgeregtesten Beitrag zur Debatte um Mesut Özil lieferte am Montagabend Kabarettist Serdar Somuncu in den "Tagesthemen", der Özil und den DFB kritisierte und eine "aufgeschlossene Debatte darüber, was Integration bedeutet" forderte, ohne sie "an der Wut über den Misserfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft fest zu machen". Leider folgte direkt nach Somuncu ein Kommentar des ARD-Chefredakteurs Rainald Becker mit plumpen Stammtisch-Sätzen wie "Das Integrations-Maskottchen des DFB hat sich ins Abseits geschossen".

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#trending // News & Themen

Mesut Özil war natürlich auch am Montag noch das große Nachrichtenthema in den sozialen Netzwerken. Auf den ersten zehn Rängen der journalistischen Artikel mit den meisten Facebook- und Twitter-Interaktionen fanden sich acht zum Thema Özil. Dazwischen sprangen lediglich “Zwei schlafende Obdachlose vor S-Bahnhof Schöneweide angezündet” von der B.Z. und “Pulisic rettet Kind vor rüder Security-Attacke” von sport1 mit 15.700 und 10.100 Likes, Shares & Co.

Der größte Aufreger-Aspekt in der Debatte waren dabei am Montag die Aussagen von Uli Hoeneß zum Thema: Der Präsident des FC Bayern hatte sich am Münchner Flughafen kurz vor dem Start des Flugs Richtung USA, wo die Mannschaft ein paar PR-Termine und zwei Testspiele absolviert, komplett in Rage geredet. Und das auf sprachlich unterstem Niveau. Zunächst sagte er noch relativ ruhig, Özil habe der deutschen Mannschaft “seit vielen Jahren” “überhaupt nicht geholfen”, und es sei “Jahre her”, dass er “den letzten Zweikampf gewonnen habe”. Zudem verstecke er sich bei seinem Rücktritt hinter der “angeblichen schlechten Behandlung durch den DFB”. Je länger das Interview dauerte, desto emotionaler wurde Hoeneß: 2014 “hätten ihn die anderen durchs Endspiel gezogen”, er habe “seit vielen Jahren einen Dreck gespielt” und jetzt seien “der Grindel und der Löw Schuld. Und der Bierhoff”. Den gesamten Audio-Mitschnitt [Video-Material gibt es offenbar nicht] hat sport1 u.a. auf YouTube veröffentlicht.

Sport 1 war auch das Medium, das den größten Social-Media-Erfolg mit Hoeneß’ Aussagen hatte: Der Artikel “Hoeneß: ‘Özil ein Alibi-Kicker’” erreichte samt Audio-Mitschnitt bis Mitternacht 36.500 Likes, Reactions, Shares, Kommentare, Tweets und Retweets bei Facebook und Twitter, war damit die Nummer 1 der Social-Media-News-Charts. Bild sammelte mit “Hoeness-Attacke auf Özil: ‘Er hat seinen letzten Zweikampf 2014 gewonnen’” auf dem dritten Rang 17.700 Interaktionen ein und die Welt mit “Uli Hoeneß übt vernichtende Kritik an Mesut Özil” auf Platz 5 noch 15.900. Interessanterweise gehen die erfolgreichsten Kommentare auf der Facebook-Seite von sport1 vor allem in die Richtung: “Und seltsamerweise war Özil statistisch gesehen der beste Mittelfeldspieler der deutschen Mannschaft während seine Bayern-Jungs alle abgekackt haben. Nein, Hoeness steht da kein Urteil zu” – und auf der Facebook-Seite der Bild in die Richtung: “Halleluja endlich spricht mal einer die Wahrheit aus. Özil hat nie mehr drauf gehabt als Querpässe. Endlich vorbei der Mist und jetzt soll es dann auch mal wieder um Fußball gehen.”

Mitten zwischen die vielen Hoeneß-Artikel schob sich noch ein Kommentar vom Zeit-Online-Journalisten Christian Spiller. Mit Sätzen wie “Im Jahr 2018 tritt ein deutscher Nationalspieler wegen Rassismus zurück. Was ist nur los mit diesem Land?” und “Die Folgen des Rücktritts eines Spielers, der für so viele türkischstämmige Jugendliche, und nicht nur die, ein Vorbild war, sind noch gar nicht abzuschätzen. Nur eines steht fest: Mit Özils Abgang haben die Populisten gewonnen” und “Nein, man muss nicht mit allem übereinstimmen, was Mesut Özil sagt. Aber mit seinem letzten Satz umso mehr: ‘Rassismus sollte niemals akzeptiert werden.'” erreichte er 25.100 LIkes & Co. auf Facebook und Twitter – landete damit direkt hinter der sport1-Hoeneß-Story auf Platz 2 der journalistischen Artikel des Tages.

#trending // Social Media

Die Zahl von Özils Nationalmannschaftskollegen, die sich bisher zu seinen Posts und seinem Rücktritt via Social Media äußerten, ist erstaunlich klein. Nur Jerome Boateng, Antonio Rüdiger und Julian Draxler posteten Abschiedsgrüße. Die meisten Likes & Co. sammelte dabei Boateng mit den Worten “Es war mir eine Freude, Abi” ein – 254.000 auf Instagram, 32.500 auf Facebook und 23.000 auf Twitter. Auch Julian Draxler nutzte das Wort “Abi”, im Türkischen bedeutet es in diesem Zusammenhang so viel wie “großer Bruder”. “Mesut Abi, deine Technik am Ball hat Spielern wie mir die Tür zum DfB-Team geöffnet. Danke, für das was du für den deutschen Fußball getan hast. Du kannst Stolz auf deine Leistungen sein“, schrieb Draxler. Antonio Rüdigers Post lautete: “Thanks to one of the best footballers I’ve ever played with. The real ones will always remember the joy you brought us during your @DFB_Team career“.

#trending // Politik

Auch in der Politik war Mesut Özil am Montag das prägende Thema. Zu den Stimmen, die sich schon am Sonntag äußerten, gesellten sich u.a. noch Alice Weidel und Sahra Wagenknecht dazu. Weidel sammelte mit Sätzen wie “Mit seiner Abschiedstirade erweist sich Mesut Özil leider als typisches Beispiel für die gescheiterte Integration von viel zu vielen Einwanderern aus dem türkisch-muslimischen Kulturkreis” 15.500 Likes & Co. ein, Wagenknecht mit Sätzen wie “Es ist nicht ok, Özil zum Sündenbock für das schlechte Abschneiden bei der WM zu machen. Fußball und Sportvereine spielen in Deutschland eine wichtige Rolle bei der Integration. Da frage ich mich, wie passt so ein Präsident zum DFB, der lieber Rassismus schürt, statt die Integrationsarbeit des Sports zu fördern” 3.500.

Weitere Facebook-Reaktionen mit vielen Interaktionen: Cem Özdemirs Post “Mesut Özils Foto bleibt falsch und seine Erklärung überzeugt nicht. Mindestens so desaströs ist das Agieren der DFB-Spitze. #Grindel zerhackt unsere Integrationsgeschichte. Wollen die, dass bald junge Deutsch-Türken für #Erdogan spielen? Der DFB braucht einen Neubeginn“, der der NPD: “Tschüss Mesut! Dein Abgang ist ein Hoffnungszeichen für eine NATIONALmannschaft, in der Deutsche wieder für Deutschland spielen und auf dem Platz auch kämpfen” und Andrea Nahles mit “Özil hat mit seinem Auftritt mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan einen Fehler gemacht. Aber der Grundsatz ‚Wir gewinnen gemeinsam, wir verlieren gemeinsam‘ scheint für ihn nicht zu gelten. Das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, insbesondere wenn es einmal schlecht läuft, und dann schnell nach Sündenböcken gesucht wird, droht auf viele Migranten auf und neben dem Fußballplatz überzugehen. Wir müssen Haltung zeigen und für Respekt und Toleranz kämpfen!

Auch zu Hoeneß gab es einige Politiker, die meinten, kommentieren zu müssen, u.a. Renate Künast mit dem überflüssigen Tweet: “Um es mal vorsichtig auszudrücken: wer wie #hoeneß trotz einer Straftat selbst viel Solidarität erfahren hat, sollte mal nicht die Backen derart aufblasen. #Steuerhinterziehung ist nämlich kein Kavaliersdelikt, sondern schadet der Allgemeinheit.” Als ob eine solche Straftat dazu führt, dass man sich für den Rest des Lebens nicht mehr kritisch über Fußballer äußern darf. Künasts Tweet ist ähnlich dämlich wie die Hoeneß-Aussagen.

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#trending // Entertainment

Der wohl populärste Twitter-Hashtag des Tages war am Montag #8YearsOfOneDirection. Die Band, die sich in der siebten Staffel der britischen “The X Factor”-Ausgabe bildete und seitdem 50 Millionen Alben verkauft hat und mit allen Platten immer wieder die Charts rund um die Welt anführte, feierte ihren 8. Geburtstag u.a. in den sozialen Netzwerken. Allein 28 eigene Tweets der Sänger – wenn ich mich nicht verzählt habe – sammelten jeweils mehr als 100.000 Likes und Retweets ein. Ganz vorn: Louis Tomlinson mit “#8YearsOfOneDirection Where has the time gone!? Thank you so much to every single person who’s ever supported us. Big love!” und 550.000 Reaktionen. Die Zahl der Tweets, in denen der Hashtag am Montag auftauchte, lag bei wahnsinnigen 5,8 Millionen.

#trending // Worldwide

Ich würde mich nicht wundern, wenn einer von Donald Trumps Tweets in den kommenden Jahren einen Krieg auslöst. Am frühen Montagmorgen deutscher Zeit twitterte er in Großbuchstaben, was im Netz ungefähr einem Brüllen gleich kommt: “To Iranian President Rouhani: NEVER, EVER THREATEN THE UNITED STATES AGAIN OR YOU WILL SUFFER CONSEQUENCES THE LIKES OF WHICH FEW THROUGHOUT HISTORY HAVE EVER SUFFERED BEFORE. WE ARE NO LONGER A COUNTRY THAT WILL STAND FOR YOUR DEMENTED WORDS OF VIOLENCE & DEATH. BE CAUTIOUS!

Neben viel Kritik und Empörung gab es auch ganz andere Reaktionen: Aus dem Tweet wurde in kürzester Zeit ein Mem. So twitterten zahllose andere Nutzer ebenfalls “To Iranien President Rouhzani”. Nutzer “Tea Pain” beispielsweise schrieb: “To Iranian President Rouhani: NEVER, EVER THREATEN THE UNITED STATES AGAIN OR I WILL GIVE YOU A FUN NICK-NAME, INVITE YOU TO A SUMMIT WHERE I WILL PRAISE YOU, GIVE YOU EVERY CONCESSION YOU ASK FOR, THEN NEVER CALL YOU OUT WHEN YOU RENEGE ON THE ONE WEAK PROMISE YOU MADE! – DJT“. David Yankovich twitterte: “To Iranian President Rouhani: I AM UNDER INVESTIGATION FOR OBSTRUCTION & TREASON. I JUST MET WITH THE RUSSIAN PRESIDENT & ATTACKED MY OWN GOVERNMENT WHILE SUPPORTING HIS. THEN I INVITED HIM TO THE WHITE HOUSE. I NEED TO DIVERT ATTENTION FROM THAT SO I AM THREATENING YOU INSTEAD.” Sehr beliebt waren auch Songtexte: “To Iranian President Rouhani: TAKE ME DOWN TO THE PARADISE CITY WHERE THE GRASS IS GREEN AND THE GIRLS ARE PRETTY. OH WONT YOU PLEASE TAKE ME HOME. TAKE ME DOWN TO THE PARADISE CITY WHERE THE GRASS IS GREEN AND THE GIRLS ARE PRETTY. OH WONT YOU PLEASE TAKE ME HOME. YEAH YEAH!” und “To Iranian President Rouhani: YO I TELL YOU WHAT I WANT WHAT I REALLY REALLY WANT SO TELL ME WHAT YOU WANT WHAT YOU REALLY REALLY WANT I TELL YOU WHAT I WANT WHAT I REALLY REALLY WANT SO TELL ME WHAT YOU WANT WHAT YOU REALLY REALLY WANT I WANNA HUH I WANNA HUH I WANNA HUH I WANNA” und natürlich: “To Iranian President Rouhani: NEVER EVER GONNA GIVE YOU UP. NEVER GONNA LET YOU DOWN. NEVER GONNA RUN AROUND AROUND AND DESERT YOU. NEVER GONNA MAKE YOU CRY. NEVER GONNA SAY GOODBYE. NEVER GONNA TELL A LIE AND HURT YOU.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: sport1 – “Hoeneß: ‘Özil ein Alibi-Kicker’” (37.400 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Zeit Online – “Mesut Özil: So viel mehr als ein Rücktritt” (4.000 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Business Punk – “Mo’ Money, sonst nix

Google-SuchbegriffLudwig Sütterlin (2.000.000+ Suchen) [wegen eines Google-Doodles]

Wikipedia-SeiteOtto Waalkes (60.300 Abrufe am Sonntag) [feierte seinen 70. Geburtstag)

Youtube-Video: Tekashi 6ix9ine – “6ix9ine, Nicki Minaj, Murda Beatz – “FEFE” (Official Music Video)

Song (Spotify): Dynoro – “In My Mind” (519.700 Stream-Abrufe aus Deutschland am Sonntag)

Musik (Amazon):Die drei ??? – “194/und die Zeitreisende” (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): “Black Panther” (Blu-ray)

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Buch (Amazon): Bas Kast – “Der Ernährungskompass: Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung” (Gebundene Ausgabe)

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