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Radikaler Umbau bei Funke: Medienriese will gesamtes Vertriebsgeschäft seiner Tageszeitungen zentralisieren

Gehen neue Wege im Vertrieb: Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo (l.) und Ove Saffe
Gehen neue Wege im Vertrieb: Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo (l.) und Ove Saffe

Unruhe bei der Funke Mediengruppe: Das Essener Unternehmen will nach Informationen von MEEDIA sein gesamtes Vertriebsgeschäft konzernweit in eine GmbH ausgliedern. Der Betriebsrat befürchtet, dass durch die Maßnahme langfristig ein Stellenabbau bevorsteht. Ein Sprecher von Funke bestätigt entsprechende Pläne. Das Unternehmen habe "einen Prozess aufgesetzt, um Funktionen im Vertrieb, dort wo es sinnvoll ist, mediengruppenweit zu zentralisieren."

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Kaum hat der ehemalige Spiegel-Chef Ove Saffe als Geschäftsführer die Verantwortung für das gesamte Tageszeitungsgeschäft der Funke Mediengruppe übernommen, rumort es in der Sparte des Essener Konzerns gewaltig. Danach will das Unternehmen den gesamten Vertrieb seines vielverzweigten Zeitungsportfolios neu ausrichten. Geplant ist offenbar, das Vertriebsgeschäft in einer eigenen GmbH konzernweit auszugliedern. Dies geht aus einer Mail des Betriebsrats an die Mitarbeiter des Hamburger Abendblatt hervor, der MEEDIA vorliegt.

Durch die Neuausrichtung droht offenbar auch ein Personalabbau. Er solle aber sozialverträglich gestaltet werden, heißt es in der Mail. Über die Höhe eines Stellenabbaus ist nichts bekannt. Im Falle von Personalnahmen setzt die Geschäftsführung vor allem auf Fluktuation, heißt es. Der Betriebsrat betont, dass mit den Maßnahme das Hamburger Abendblatt „weiter zerlegt wird – obwohl uns beim Verkauf an Funke versichert wurde, man plane keineswegs die Ausgliederung vieler Abteilungen in neue Gesellschaften“, heißt es in dem Schreiben. „Nach der Anzeigenabteilung, der Herstellung und weiter Teile der Redaktion (Politik, Wissen, Vermischtes, Medien, überregionale Wirtschaft, Reise, Auto, Beruf, Immobilien) folgt nun der Vertrieb“, bemängeln die Arbeitnehmervertreter. Ein Sprecher von Funke bestätigt auf Anfrage entsprechende Pläne: “Wir haben einen Prozess aufgesetzt, um Funktionen im Vertrieb, dort wo es sinnvoll ist, mediengruppenweit zu zentralisieren. Die Gründung einer eigenen GmbH am Ende des Prozesses ist nicht ausgeschlossen”, erklärt ein Firmensprecher gegenüber MEEDIA. Zu Befürchtungen über Stellenstreichungen betont er: “Es gibt zurzeit keine Pläne für einen Personalabbau”.

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Fraglich ist, ob Funke-Geschäftsführer Saffe die Idee für die Ausgliederung allein ausgeheckt hat. Spekuliert wird in Branchenkreisen, dass der ehemalige Bauer-Manager Andreas Schoo bei dem bevorstehenden Umbau des Vertriebsgeschäfts Pate gestanden hat. Er galt beim Hamburger Bauer Verlag als ein Manager, der in Vertiebsfragen als besonders umtriebig galt. Fraglich ist, welche strategischen Absichten hinter der Neuausrichtung des Vertriebs stecken könnten. Möglich ist, dass Funke nach dem Betriebsübergang leichter mit anderen Verlagshäusern Allianzen schließen könnte. Denn immer wieder denken die Medienhäuser darüber nach, stärker untereinander zu kooperieren – zuletzt im hart umkämpften Zeitschriftenmarkt. So hatte Anfang des Jahres das Handelsblatt berichtet, dass Funke, die Bauer Media Group und Burda erwäge, in der Vermarktung und im Vertrieb gesellschaftsrechtlich zusammen zu rücken. Der Plan sei aber am Widerstand des Kartellamts gescheitert, hieß es.

Zur Zeitungssparte der Funke Mediengruppe gehören diverse Titel – darunter auch die Braunschweiger Zeitungen, die WAZ und Thüringer Allgemeine. Das Hamburger Abendblatt hatte der Essener Medienriese vor einigen Jahren von der Berliner Axel Springer SE erworben.

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