Partner von:
buzzer-das-letzte-aus-dem-netz
Anzeige

#WirsindRadioHamburg: Mitarbeiter fordern Lokalsender in emotionalem Video zu besseren Arbeitsbedingungen auf

Wollen einen Tariflohn: Mitarbeiter von Radio Hamburg
Wollen einen Tariflohn: Mitarbeiter von Radio Hamburg

Dass Protestaktionen auch ohne Streiks effektiv sein können, beweist derzeit ein Lokalsender aus Hamburg. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Radio Hamburg waren kreativ und haben ein Video produziert, in dem sie an die Emotionen der Hörer appellieren und bessere Arbeitsbedingungen fordern. Der Arbeitgeber reagierte in einer langen, wohlwollenden Stellungnahme. Arbeitnehmervertreter aber halten das für eine Nebelkerze.

Anzeige

“Das was für euch Radio Hamburg ist, der Sender, der euch rund um die Uhr begleitet, ist das Ergebnis der harten Arbeit leidenschaftlicher und radioverrückter Menschen. (…) Ihr, unsere Hörer, seid der Antrieb, jeden Tag noch ein bisschen besser zu sein.” Mit diesen Worten beginnt der Spot, der ein Imagefilm der lokalen Radiowelle aus der Hansestadt sein könnte – zumindest in den ersten 40 Sekunden.

“Leider erleben wir hier im Sender das, was viele von euch da draußen auch bewegt und belastet. Immer mehr Stellen fallen weg, die Arbeit verdichtet sich. Schichthonorare wurden in den vergangene 20 Jahren kaum angepasst, Weihnachts- und Urlaubsgeld wurden in vielen Verträgen gestrichen…”. Fünfzig Sekunden lang zählt die Stimme aus dem Off, unterlegt von melancholischer Pianomusik, Missstände auf, um am Ende bessere Arbeitsbedingungen zu fordern.

Hinter der Aktion, die neben dem Video eine eigene Webpräsenz und einen Facebook-Auftritt hat, stehen nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Radio Hamburg, sondern auch die Gewerkschaften Verdi und der Deutsche Journalistenverband. Sie fordern vom Unternehmen, in das neben dem Hamburger Morgenpostverlag weitere Häuser wie Axel Springer, die Bauer Media Group oder auch die RTL Group investiert sind, einen Haustarifvertrag.

Anzeige

Das Video ist ein Beispiel dafür, dass für eine schnelle und zumindest versöhnlich klingende Reaktion von Arbeitgebern nicht immer gleich ein Streik, sondern auch eine kreative, an den Endkunden appellierende Aktion, erforderlich ist. Bereits einen Tag nach Launch der Webpräsenz reagierte Radio Hamburg in einer vergleichsweise ausführlichen Stellungnahme.

Man bezahle bereits besser als es im Wettbewerb üblich ist, so der Radiosender, und “politische” Tarifverträge seien angesichts der Digitalisierung und Marktveränderungen nicht zeitgemäß, weshalb man einen Haustarif ablehne. Aber, so der Arbeitgeber weiter, man werde das Brutto-Gehalt jedes festen Mitarbeiters um pauschal 200 Euro monatlich erhöhen, einen Mietkostenzuschuss für Auszubildende einführen und die Arbeitsstunden reduzieren. „Mit den zusätzlichen Leistungen wollen wir unsere Mitarbeiter an der soliden Geschäftsentwicklung teilhaben lassen und die Mega-Stärke des Teams würdigen“, so Co-Geschäftsführer und Programmdirektor Marzel Becker. Man wolle eine Betriebsvereinbarung aufsetzen und die Zahlung einer Erfolgsprämie in Höhe von 1.000 Euro brutto sofort veranlassen, sofern der Betriebsrat seine Zustimmung erteile. “Eine Ablehnung würde die Geschäftsführung außerordentlich bedauern.”

Doch damit ist wohl zu rechnen. Arbeitnehmervertreter halten die Zugeständnisse für eine Nebelkerze „Was die Leitung von Radio Hamburg wohl noch nicht wahrnehmen möchte, ist, dass mittlerweile der überwiegende Teil der Beschäftigten sich in den Gewerkschaften organisiert hat. Warum? Weil ein Betriebsrat Gehaltserhöhungen gar nicht vereinbaren darf und jede Gehaltserhöhung – außer in Verhandlungen mit den im Betrieb vertretenen Gewerkschaften – einseitig vom Arbeitgeber festgesetzt wird. Auch die 200,- Euro für alle hat die Geschäftsführung ja erst angeboten, nachdem die Tarifforderung auf dem Tisch lag”, wettert Martin Dieckmann von Verdi. “Geradezu absurd ist der Begriff ‚politische Tarifverträge‘. Die gibt es nicht und darf es nicht geben, aber was hier die Chefs von Radio Hamburg betreiben, ist rein ideologisch getriebene Politik.” Und weiter: “Davon sollte man dringend abrücken. Kommt die Geschäftsführung der im Betrieb gewählten Tarifkommission von ver.di und DJV nicht entgegen, wird es nicht bei Videos im Web bleiben.“

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia