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Facebook-Chef Zuckerberg widerspricht wankelmütigem Donald Trump: “Russen wollten die US-Wahl beeinflussen”

Im Recode-Interview spricht Zuckerberg über die Beeinflussung der US-Wahlen um Donald Trump
Im Recode-Interview spricht Zuckerberg über die Beeinflussung der US-Wahlen um Donald Trump

Hat Russland versucht, Einfluss auf die Wahl 2016 zu nehmen? Das Beweismaterial des FBI scheint erdrückend, doch Donald Trump zweifelte die Ermittlungen gegenüber Russland Präsident Wladimir Putin an – einen Tag später korrigierte er seine Aussage. Im Podcast-Interview mit Recode hat nun Facebook-Chef Mark Zuckerberg klar Stellung bezogen und widerspricht dem Präsidenten deutlich.

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“Well, the evidence that we’ve seen is quite clear, that the Russians did try to interfere with the election”, erwidert Mark Zuckerberg auf die Aussage von Recode-Gründerin und Tech-Reporterin Kara Swisher, die ihn auf Trumps Statement während des Gipfels mit Wladimir Putin in Helsinki anspricht. Es gebe keinen Grund, den Ergebnissen der US-Geheimdienste um russische Trolle zu misstrauen, so der Facebook-Chef. Der US-Präsident hingegen hatte am Montag vor der Weltpresse verkündet, aus seiner Sicht gebe es keine Beweise, dass Russland über soziale Netzwerke oder auf anderen Wegen Einfluss auf die Wahl genommen hätte. Damit widersprach er den aktuellen Erkenntnissen seines Inlandsgeheimdienstes FBI und erntete dafür innerhalb der nächsten 24 Stunden herbe Kritik von Demokraten und Republikanern in den USA, auch die Journalisten gingen nicht gerade glimpflich mit ihm um. Manche Beobachter sprachen gar von Landesverrat.

Trump hat sein Statement mittlerweile zurückgezogen. Er habe sich lediglich versprochen. Im Interview mit CBS News hat er zudem betont, dass er den russischen Staatschef im persönlichen Gespräch sogar davor gewarnt habe, sich nochmal in die Wahlen einzumischen. Die USA würden künftig keine Einmischung mehr tolerieren.

Zuckerberg erläutert im Interview mit Recode nun (hier in ungekürzter Fassung), wie sich das Problem aus seiner Sicht entwickelt hat. Facebook, sagt er, habe versucht, mit der Regierung zusammen zu arbeiten. “Was wir gesehen haben: Vor der Wahl hat sich die russische Hackergruppe, die teil des militärischen Nachrichtendienstes ist, auf traditionelle Methoden fokussiert.” Bekannt ist die Gruppe unter dem Kürzel APT28. Sie soll laut Zuckerberg über sogenanntes Phishing probiert haben, Zugang zu den Nutzer-Accounts zu erhalten. Dies habe der US-Konzern Mitte 2015 festgestellt und dem FBI mitgeteilt.

“Troll-Armee” im Zentrum der Ermittlungen
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Ähnliches habe Facebook im Zuge des Wahlkampfes festgestellt, was auch in der Anklageschrift von Ermittler Robert Mueller zu lesen ist. “Es gibt aber einen anderen Bereich der Wahlkampfbeeinflussung” so Zuckerberg gegenüber Swisher, der schwieriger zu erkennen gewesen sei. Hier nennt der Facebook-CEO die Internet Research Agency (IRA), die weit über klassische Phishing-Methoden Einfluss nehmen wollte. Die in St. Petersburg ansässige “Troll-Armee” hat im weltweit größten sozialen Netzwerk Fake-Accounts angelegt, um dann Falschinformationen zu verbreiten. “Yeah. Misinformation. Divisive information”, betont der 34-Jährige.

Nachdem das Team die Sicherheitsgefahr erkannt hatte, seien Methoden entwickelt worden, um diese einzudämmen. Alle Wahlen nach November 2016 seien davon betroffen gewesen: in Frankreich, Deutschland, kürzlich auch die in Mexiko. Zuckerberg erklärt die Strategie wie folgt: “Wir schaffen Künstliche Intelligenzen, die die Fake-Accounts und koordinierten Netzwerke mit auffälliger Aktivität aufspüren können. Danach werden sie offline genommen.” Außerdem mache man es jenen bestimmten Leuten nun viel schwerer für ihre Interessen auf eine Art zu werben, wie sie es nicht sollten. Das heißt: mehr Informationen rund um politische Werbekampagnen und mehr Transparenz.

Auf die Nachfrage von Swisher, warum es so lange gedauert hat, diese Maßnahmen zu ergreifen, antwortet der Facebook-Chef: “Wir haben nicht nach dieser Art von Vorgängen geguckt, sondern waren auf traditionelles Hacking fokussiert.” Es gebe keinen Zweifel, dass man zu langsam gewesen sei, um diese neue Form der Desinformationskampagnen zu ermitteln. Vor allem in Anbetracht wichtiger anstehender Wahlen wie den US-Zwischenwahlen im November, diversen Wahlen in der EU im kommenden Jahr und der Parlamentswahl in Indien wolle das Unternehmen Verantwortung übernehmen und alle nötigen Schritte einleiten. “We know that we need to get this right. We take that responsibility very seriously.”

BuzzFeed-Erkenntnisse um “mazedonische Teenager”

Die sich widersprechenden Aussagen vom US-Präsidenten und dem Facebook-Chef fallen zusammen mit neuen Erkenntnissen von BuzzFeed News: Das US-Team ist in einer aufwändigen Recherche dem Fake-News-Phänomen um die “mazedonischen Teenager” nachgegangen, die im US-Wahlkampf auf Facebook Stimmung pro Trump machten und damit Geld verdienten. Demnach handle es sich mitnichten um Teenager, sondern um Profis. Die mazedonischen Behörden ermittelten mithilfe westeuropäischer Behörden und dem FBI gegen mögliche Verbindungen von russischen und US-amerikanischen Staatsbürgern sowie Trump-freundlichen “Fake-News”-Websites. Es geht also nicht mehr um die Frage, ob es eine Beeinflussung der 2016er-Wahl gab, als viel mehr darum, wie professionell vorgegangen wurde und welche Verbindungen es im Detail gibt.

Das denkwürdige Interview von Mark Zuckerberg hat in den sozialen Netzwerken übrigens auch wegen anderer Aussagen hohe Wellen geschlagen. So wolle sich der Facebook-Chef weiter nicht anmaßen, die Richtigkeit von Nachrichten zu bewerten, sondern nur etwas gegen ihre Verbreitung auf Facebook tun, wenn sie von Nutzern als “Fake News” eingestuft würden. Selbst Holocaust-Leugnungen wolle Zuckerberg nicht löschen. Nur im Falle absichtlicher Fehlinformation, die das Ziel verfolge, Gewalt auszulösen, würde das Netzwerk entsprechende Beiträge entfernen.

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