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AWA: 62% finden Social-Media-Diskussionen “unsachlich und aggressiv”; TV, Print und Radio weiter glaubwürdiger als das Netz

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Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach

Neben den Reichweiten für Print-Produkte wie Zeitungen und Zeitschriften bietet die neueste Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) auch spannende Erkenntnisse über den Wandel der Mediennutzung und die Skepsis gegenüber den neueren Medien. So sieht die Bevölkerung der Bundesrepublik die Vor- und Nachteile sozialer Netzwerke sehr differenziert.

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Wie die AWA-Analyse der Leserzahlen von Zeitungen und Zeitschriften zeigte, verlor die große Mehrheit der Titel gegenüber dem Vorjahr – zum Teil deutlich. Ein wichtiger Grund dafür dürfte die weiterhin wachsende Popularität des Internets sein. So halten es laut AWA 60% der Bevölkerung ab 14 Jahren in der Bundesrepublik “heute für wesentlich leichter, sich zu informieren und einen guten Überblick zu bekommen”. Sogar zwei Drittel “sind überzeugt, dass die Gesellschaft heute besser informiert ist”, sagt Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach.

54% nutzen das Internet mittlerweile “ständig, fast die ganze Zeit, mehrmals täglich”. Vor zehn Jahren waren es 19%, die “einmal am Tag, mehrmals in der Woche”-Nutzer lagen da noch vorn. Verantwortlich für diese Always-on-Tendenz sind natürlich die Smartphones. 66% der Bevölkerung nutzen das Internet mittlerweile mit einem solchen Gerät, bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 92%. Doch auch in dieser jungen Zielgruppe liegen die “klassischen Newsmedien”, also TV, Print und Radio beim Thema Nachrichten noch vorn: 37% haben sie “gestern für Nachrichten genutzt”, 36% klassische Newsmedien und das Internet, 27% ausschließlich das Netz. In der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil der Nachrichten, der ausschließlich in den klassischen Medien nutzt mit 64% sogar weiterhin deutlich vorn, ein wichtiger Faktor sind hier die Über-60-Jährigen, sie konsumieren ihre Nachrichten zu 86% “ausschließlich in den klassischen Newsmedien”.

Soziale Netzwerke spielen beim Informationsverhalten insgesamt weiter eine untergeordnete Rolle: Nur 14% der Bevölkerung informieren sich “häufiger dort über das aktuelle Geschehen” in der Welt, weitere 16% zumindest “gelegentlich”. Selbst bei den Mitgliedern sozialer Netzwerke verzichten erstaunliche 32% darauf, sich dort zu informieren, nur 28% tun das häufig:

Ein Grund dafür, dass so viele die Social Networks nicht zur Informationsbeschaffung nutzen, liegt in der sehr differenzierten Meinung über die Plattformen. So sagen zwar 61% der Mitglieder von mindestens einem Netzwerk, man finde “dort verschiedene Perspektiven, verschiedene Meinungen zu einem Thema”, doch gleichzeitig sagen sogar 62%, die Diskussionen dort seien “oft unsachlich und aggressiv”. Zudem finden 54% “viele der Informationen, die man in sozialen Netzwerken findet, unglaubwürdig”. Und 50% sagen: “Dort werden gezielt falsche Informationen verbreitet”. So schlecht ist es um die Medienkompetenz der Deutschen also nicht bestellt.

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Dennoch sind viele der Nutzer auch überfordert bei der Einschätzung der Seriosität von Informationsquellen. Deutliche 75% sagen: “Heute gibt es zwar viele Möglichkeiten, sich über
bestimmte Themen und Produkte zu informieren, aber es fällt mir oft schwer einzuschätzen, welche Informationsquellen vertrauenswürdig und seriös sind.”

In Sachen Glaubwürdigkeit haben daher weiter die traditionellen Mediengattungen die Nase vorn: Dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen vertrauen 70%, den Lokalzeitungen 64%, den öffentlich-rechtlichen Radiosendern 64%, den überregionalen Tageszeitungen 61%. Onlineangebote von Zeitungen landen bei nur 26%, soziale Netzwerke abgeschlagen bei 7%.

Trotz der hohen Glaubwürdigkeit greifen immer weniger Menschen zu Printmedien. Zu sehen ist das auch in der Entwicklung der “Anzahl der gelesenen Titel”. Gaben vor zehn Jahren noch 32% der Bevölkerung an, mehr als 20 Print-Titel zu lesen, sind es nun nur noch 21%. Die Zahl derjenigen, die weniger als 3 Titel konsumieren, stieg hingegen von 8% auf 17% an. Insbesondere bei den Unter-30-Jährigen ist die Zahl der “weitgehend Printabstinenten” mit 41% inzwischen sehr hoch. In dieser Altersgruppe ist die Befürchtung, Print würde zum Eliten-Medium, zudem schon ein Stück weit Realität. So greifen vor allem “Early Adopters” und “Innovatoren und Trendsetter” zu Print:

Eine gute Nachricht für die Zeitschriftenmacher und deren Vermarkter: Diejenigen, die Magazine lesen, tun das offenbar immer intensiver. So stieg die Zahl der Menschen, die sagen: “Zeitschriften, die mich interessieren, lese ich meistens sehr gründlich, gerade auch die längeren Artikel” in den vergangenen vier Jahren von 35% auf 40% an, die Zahl, die sagt: “Wenn ich Zeitschriften lese, mache ich nichts nebenher” von 32% auf 37%.

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