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Supermediathek: Wie realistisch ist eine gemeinsame Plattformlösung von Verlagen und TV?

Haben in den vergangenen Jahren genug über das Kartellrecht gelernt, um nun eine gemeinsame Mediathek durchzubringen: ARD, ZDF, ProSieben und RTL
Haben in den vergangenen Jahren genug über das Kartellrecht gelernt, um nun eine gemeinsame Mediathek durchzubringen: ARD, ZDF, ProSieben und RTL

Fünf Jahre ist der Versuch her, mit "Germany's Gold" eine kommerzielle Mediathek für öffentlich-rechtliche Angebote zu etablieren – die Idee scheiterte, wie bereits das privatwirtschaftliche Projekt Amazonas, am Kartellamt. 2018 ist die Idee eines Sender-übergreifenden Angebots wieder da. MEEDIA fasst zusammen, wie die Vorschläge für eine neue "Supermediathek" aussehen und wie Experten die Chancen für eine Umsetzung einschätzen.

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Es ist ein Idee, die alle erst einmal “interessant” finden, worüber es sich “nachzudenken” lohnt – die Supermediathek, in der öffentlich-rechtliche Anbieter, private Sender und Verlage ihre Inhalte bündeln. Auch um der Konkurrenz aus den USA entgegenzuwirken. Selten hört man von allen Seiten gleichermaßen so viele Interessensbekundungen wie aktuell zu diesem Thema. Umso erstaunlicher, dass es – wenn man den Aussagen glaubt – bislang nur lose Gespräche gegeben haben soll.

Von der Gesellschaftsmediathek bis hin zur europäischen Lösung

Vor allem BR-Intendant Ulrich Wilhelm, derzeit zudem Vorsitzender aller ARD-Anstalten, erweist sich als besonders aktiv wenn es ums Trommel für die “Supermediathek” geht. Gemeinsam mit WDR-Intendant Tom Buhrow und rbb-Chefin Patricia Schlesinger hat er bereits mehrfach die Gründung einer gesellschaftsrelevanten Plattform eingefordert, die nicht nur Streaming-Diensten wie Netflix, Amazon oder Video-Anbietern wie YouTube etwas entgegensetzen soll, sondern auch den sozialen Medien wie Facebook.

Eine freie Gesellschaft brauche einen “diskriminierungsfreien, ungeteilten öffentlichen Raum”, erklärte Wilhelm vor wenigen Wochen. Die Vorstellungen des ARD-Chefs gehen sogar über die Grenzen Deutschlands hinaus. Die Rede ist von einer europäischen Lösung, an der nicht nur Medienhäuser mitwirken sollen, sondern auch öffentliche Institutionen – Museen, Volkshochschulen, Universitäten. Es gehe um eine Informationsplattform für “gute und verlässliche Informationen”, ergänzte Schlesinger.

Ziele gibts viele – die Wege sind (noch) begrenzt

Ob national, international, beliefert von Medienunternehmen oder allen möglichen öffentlichen Institutionen: So ambitioniert die Ziele sein mögen und so gut es ist, dass darüber nachgedacht wird, so unklar sind derzeit aber auch die Details, um sie zu erreichen. So ist unklar, wie eine internationale Zusammenarbeit funktionieren könnte, wie Verantwortlichkeiten, wie beispielsweise Finanzen, Programm oder Qualitätskontrolle, verteilt werden könnten. Allerdings gibt es erste Vorstöße, die zumindest eine Gesprächsgrundlage bilden.

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So hat in dieser Woche Leonhard Dobusch, Mitglied im Fernsehrat des ZDF und Universitätsprofessor, noch einmal seine Idee der “Internetintendanz” präsentiert. Bereits im Mai hatte er die Idee geäußert, aus öffentlich-rechtlichen Mitteln eine eigene Einheit zu schaffen, die keine inhaltliche Arbeit im Sinne der Content-Produktion leistet, sondern sich ausschließlich um die Bereitstellung einer Plattform kümmert. So spielt Dobusch mit dem Gedanken an einen öffentlich-rechtlichen Algorithmus. Unklar an Dobuschs Theorien ist, ob und welche Rolle private Anbieter spielen können. Eine geordnete Zusammenarbeit hält er für unwahrscheinlich.

Wie eine gemeinsame Plattform die grundlegend unterschiedlichen Interessen von Privatmedien und öffentlichen Medien vereinbaren kann, über dieser Frage hängt derzeit noch ein großes Fragezeichen. Unklar ist auch, was rechtlich überhaupt möglich ist. Als ARD und ZDF in Deutschland “Germany’s Gold”, eine kommerzielle Videoplattform, geplant hatten, machte ihnen 2014 das Bundeskartellamt einen Strich durch die Rechnung. Die Wettbewerbshüter hatten Bedenken, das Angebot könnte zu einem Monopol führen, woraufhin die Pläne wieder verworfen wurden. Zwei Jahre vorher wollten RTL und ProSiebenSat.1 ihre Angebote zusammenwerfen, um – frühzeitig – ein digital wettbewerbsfähiges Produkt zu schaffen. Auch sie scheiterten an den Wettbewerbshütern.

Hindernis Kartellrecht: Haben Unternehmen aus bisherigen Konzeptionierungsfehlern gelernt?

“Ein Selbstläufer wird eine solche Plattform in kartellrechtlicher Hinsicht auch dieses Mal nicht”, meint Rupprecht Podszun, Professor für Wettbewerbsrecht an der Universität in Düsseldorf, gegenüber MEEDIA. Für neue Pläne sei ein entscheidender Faktor, wie sehr die Anbieter ihr gemeinsames Produkt öffnen. “Das Kartellamt hat anlässlich der Prüfung des ARD/ZDF-Projekts Germany’s Gold geschrieben, der ‘Betrieb eines offenen Marktplatzes auf der Grundlage einer gemeinsamen technischen Plattform’ sei möglich gewesen.” In dieser Hinsicht hätten die Unternehmen aus den vergangenen Erfahrungen dazu gelernt, so der Kartell-Experte. Auch Dobuschs Vorschlag sieht Transparenz und Offenheit vor, indem beispielsweise der Quellcode der Mediathek offengelegt werden könnte.

Auch wenn der Druck in den vergangenen Jahren weiter gewachsen ist, haben alle Parteien noch viele Gespräche vor sich. Der Konflikt zwischen Verlagen und Öffentlich-Rechtlichen um die Ausgestaltung gebührenfinanzierter Programme im Web hat gezeigt, wie hitzig Diskussionen zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen werden können. Unterdessen arbeiten alle weiter an der Entwicklung ihrer eigenen Plattformen. In der Hoffnung, Streaming-Angeboten und Plattformen auch allein etwas entgegensetzen zu können. Zuletzt betonte RTL-Chefin Anke Schäferkordt, dass man trotz aller Bekenntnisse weiterhin mit vollem Engagement die eigenen Aktivitäten vorantreibe, um mögliche Wettbewerbsvorteile zu nutzen. Zumindest aber, so viel ist offensichtlich, haben die Unternehmen jetzt “so viel Klarheit durch die früheren Entscheidungen, dass sie es eigentlich schaffen müssten, die Plattform kartellrechtskonform zu bauen”, so Podszun.

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Alle Kommentare

  1. Der ÖR braucht eine komplett eigene, deutsche Infrastruktur/Plattform und ein Präsenzverbot z.B. auf Facebook, Twitter, Youtube, Whatsapp etc..Es kann doch nicht angehen, dass mit den persönlichen Daten der Zwangsbeitragszahler derart Schindluder getrieben wird wie das aktuell der Fall ist.
    Hier ist wirklich NULL Verantwortungsbewusstsein – weder in der Politik noch beim ÖR.

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