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“Der Teufel steckt im Detail”: Ex-stern-Chef Thomas Osterkorn über seinen Start als Selfmade-Verleger

Vom stern-Chefredakteur zum Selfmade-Verleger: Thomas Osterkorn
Vom stern-Chefredakteur zum Selfmade-Verleger: Thomas Osterkorn

Als langjähriger stern-Chefredakteur zählte er zu den Top-Blattmachern der Republik. Mit Anfang 60 hat Thomas Osterkorn Gruner + Jahr den Rücken gekehrt und ein neues Leben als Selfmade-Verleger begonnen. Mit einem Reiseführer über seine Wahlheimat Hiddensee und einem Guide für die boomende Hamburger Hafencity sind zwei Titel im Handel. Über seinen Start als Unternehmer sagt er: "No risk, no fun."

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Vier Jahrzehnte im Beruf, davon 14 sehr anstrengende Jahre als Chefredakteur des stern: Das scheint für ein Journalistenleben mehr als genug. Dennoch haben Sie nach dem Ausscheiden bei Gruner + Jahr einen Verlag gegründet. Wie kam es dazu?
Ich habe Lust, noch etwas zu Journalistisches zu machen, aber ich möchte dabei selbstständig sein und selber entscheiden, was und wie. Das kann man nur, wenn selber Verleger wird. Ich musste ein paar Dinge lernen und aufbauen: Wo und wie drucke ich? Wie funktioniert der Vertrieb? Woher kriege ich einen Barcode für Presseprodukte und den Buchhandel? Der Teufel steckt im Detail.

Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht, was war nach der langen Zeit im Konzern für Sie als Selfmade-Verleger neu und überraschend?
Das journalistischer Handwerk beherrsche ich. Ich kann auf ein Netzwerk netter Kollegen zurückgreifen. Die Heftproduktion bis hin zum Druck lief wie geschmiert. Überraschend schwierig war danach zum Beispiel der Vertrieb, wenn man sowohl in den Zeitschriften- als auch in den Buchhandel will. Da gibt es so verschiedene Player, dass man fast verrückt wird. Am Ende habe ich mich entschieden, alles den Profis vom Deutschen Presse Vertrieb DPV zu überlassen. Ich bin jetzt ein Kunde bei meinem alten Verlag Gruner+Jahr.

Mit einem Magazin über Hiddensee sind Sie gestartet. Wie lief die Produktion und was unterscheidet den Inselguide von klassischen Reiseführern?
Ich habe auf Hiddensee ein Ferienhaus gebaut und mich schon immer gewundert, dass es kein eigenen Reiseführer über diese herrliche Insel gibt. Also habe ich selber einen gemacht und in der Redaktion von bp content, der Firma meines Schwagers Leo Prinz in Hamburg, produziert.

Hiddensee ist eine kleine Welt. Welche Reaktionen gab es von den Inselbewohnern nach der Veröffentlichung?
Die waren nicht durchweg begeistert, weil ich auch Kritik habe einfließen lassen: An der Qualität etlicher Quartiere und der mangelnden Freundlichkeit einiger Insulaner. Aber die Leser scheinen das Heft zu mögen: Die erste Auflage von 4.000 war innerhalb weniger Wochen weg, bevor die Saison richtig beginnen hatte. Ich musste nachdrucken.

Jetzt ist mit dem Hamburg-Reiseführer “Hafencity & Speicherstadt” ein zweites Heft auf dem Markt, das anders als Ihr Hiddensee schon einigen großen Magazinhäusern mit ihren Städteführern thematisch in die Quere kommt. Was ist der Hintergrund dieses Projekts?
Ich habe 14 Jahre lang aus meinem herrlichen Chefredakteurs-Büro auf die Elbe geguckt und gesehen, wie HafenCity und Elbphilharmonie gewachsen sind – und welche Menschenmassen sie anziehen. Allein die Elbphilharmonie hatte bisher rund 7,5 Millionen Besucher. Das Komische war nur:  Es gibt zwar viele Reiseführer über Hamburg, aber nichts, was sich auf Hafencity und Speicherstadt fokussiert hat. Diese Lücke wollte ich schließen.

Als Unternehmer tragen Sie das komplette wirtschaftliche Risiko. Wie groß ist das Interesse an den Reiseführern bisher?
Das kann ich noch nicht absehen, Ende der Woche gibt es vielleicht einen ersten Trend. Aber: no risk, no fun.

Gibt es weitere Ideen, die Sie aktuell verfolgen?
Wenn man das Konzept weiterdenkt, Reiseführer für besonders interessante Stadtteile oder Regionen zu machen, die für große Magazin zu klein sind, fällt einem noch eine Menge ein. Mal schauen. Jetzt habe ich erst einmal einen neuen Auftrag von einem bekannten Ostsee-Badeort.

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Verglichen mit einem Flaggschiff wie dem stern sind die Reiseführer Kleinboote. Gibt es Momente, in denen Sie den Job in der G+J-Chefetage vermissen?
Der Abschied von der stern-Chefredaktion mit 60 war lange geplant und nach 14 Jahren auch mehr als vernünftig, für beide Seiten. Ich vermisse nichts, sondern genieße meine Freiheit in dem Wissen: Ich habe, wenn nicht die goldenen, so doch die silbernen Jahre des Magazin-Journalismus erlebt. Die Reiseführer sind ein kleines Sahnehäubchen obendrauf. Und wer weiß, was die Zukunft noch bringt.

(ga)

Das Interview wurde per E-Mail geführt.

 

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