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Geplanter Verkauf von Arvato CRM: Ex-Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski steigt aus Rennen um Call-Center aus

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe (li.) und sein Vorgänger Hartmut Ostrowski
Bertelsmann-Chef Thomas Rabe (li.) und sein Vorgänger Hartmut Ostrowski

Beim Gütersloher Medienriesen Bertelsmann stößt das Call-Center-Geschäft der Dienstleistungstochter Arvato bei Investoren auf breites Interesse. Angeblich sollen rund zwei Dutzend Unternehmen aus dem In- und Ausland ein Auge auf die Sparte geworfen haben. Dazu gehörte jüngst der ehemalige Bertelsmann-Chef und einstige Arvato-Vorstand Hartmut Ostrowski. Doch nun hat der frühere Top-Manager abgewunken.

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Vor sieben Jahren schied Hartmut Ostrowski als Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann aus. Für die Öffentlichkeit völlig überraschend zog er sich aus dem stressigen Tagesgeschäft zurück. Seither besaß der 60-Jährige keine Berührungspunkte mehr mit dem Gütersloher Medienkonzern.

Jetzt brachte sich der frühere Top-Manager bei seinem alten Arbeitgeber wieder ins Gespräch – als Investor. Zeitweise liebäugelte der Geschäftsmann mit dem Erwerb der bei Bertelsmann zum Verkauf stehenden Callcenter-Sparte von Arvato. Konzernintern wird das Projekt unter dem Namen „Winston“ geführt. In dem Geschäft kennt sich Ostrowski bestens aus. Jahrelang leitete er als Vorstand die Dienstleistungstochter Arvato und baute den Bereich auf. Doch nun macht er bei dem geplanten Millionen-Deal einen Rückzieher. „Nach Prüfung kommt für mich eine Investition in Arvato-CRM nicht in Frage“, erklärt Ostrowski gegenüber MEEDIA.

Dass der Investor dem Geschäft die kalte Schulter zeigt, könnte viele Gründe haben. Denn Bertelsmann-Chef Thomas Rabe ruft für das Geschäft mit den Call-Centern einen stolzen Preis auf. Im Gespräch ist angeblich eine Summe von mehr als 800 Millionen Euro. Damit würde sich der angestrebte Kaufpreis knapp unter dem gegenwärtigen Gruppenumsatz von rund 1 Milliarde Euro bewegen. Ob Rabe seine Preisvorstellungen durchsetzen kann, ist allerdings fraglich. Denn die Branche ist sehr wettbewerbsintensiv. Zudem wandelt sich der Wirtschaftszweig durch neue technologische Errungenschaften wie Sprachassistenten.

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Trotz dieser Herausforderungen sollen an den Firmenteilen von Arvato mit seinen rund 36.000 Mitarbeitern viele Kaufwillige Interesse zeigen. Die Rede ist von rund zwei Dutzend – darunter vor allem Finanzinvestoren aus dem In- und Ausland, heißt es in Verhandlungskreisen. Sollte ein Finanzinvestor den Zuschlag erhalten, ist allerdings die Zukunft für die Belegschaft ungewiss. Denn um die Ertragslage von Arvato-CRM zu steigern, könnten die neuen Eigentümer langfristig diverse Arbeitsplätze zur Disposition stellen. Daher suchen die Gütersloher vor allem einen Erwerber, der der Belegschaft eine dauerhafte Perspektive bietet, heißt es in unternehmensinternen Kreisen. Das ist aber schwierig. Denn eine Beschäftigungsgarantie werde es dem Vernehmen nach wohl nicht geben, da dies den Preis erheblich drücken würde, heißt es.

Bis zum Herbst will Rabe das Geschäft mit Arvato CRM unter Dach und Fach bringen. Angestrebt werde ein „en bloc“-Verkauf. Sollte dies aber nicht gelingen, könnten auch Teile über den Verhandlungstisch gehen. Dass der Verkauf der Gesellschaft in wenigen Monaten über die Bühne gehen muss, belegt auch eine jüngst verkündete Top-Personalie. So scheidet Andreas Krohn, Chef von Arvato CRM Solutions, zum Jahresende aus dem Unternehmen aus. Die Trennung erfolge im „besten freundschaftlichen Einvernehmen.“

Ein Sprecher von Bertelsmann will sich zur Anzahl potenzieller Investoren auf Anfrage von MEEDIA nicht äußern: „Das Interesse am Markt für unsere CRM-Geschäfte ist von verschiedenen Investoren groß; bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu konkreten Zahlen nicht äußern“, so der Firmensprecher. Auch an dem Fahrplan für den Verkauf will Bertelsmann nicht rütteln. „Wir haben immer betont, dass wir auf eine Entscheidung im Herbst hinarbeiten. Dabei bleibt es; wir liegen gut im Plan.“ Ansonsten wollen die Gütersloher keine Einzelheiten zu Projekt-Internas nennen.

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