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Endlich einer, der schonungslos Klartext redet: Warum Mats Hummels trotz Vorrunden-Aus der Held der WM ist

“Ganz, ganz bitterer Abend”: Mats Hummels ohne Trikot am ZDF-Mikro
"Ganz, ganz bitterer Abend": Mats Hummels ohne Trikot am ZDF-Mikro

Interviews mit Fußballprofis direkt nach Spielende stehen im Verruf, außer Plattitüden und kruden Ausreden wenig Erkenntnisförderndes aus den Kickern herauszuholen. Die Auftritte von Mats Hummels im Anschluss an die peinlichen Niederlagen in der WM-Vorrunde sind eine Ausnahme – und was für eine! Schonungslos und druckreif rechnete der Verteidiger mit eigenen Schwächen und denen des Löw-Teams ab.

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Schon nach dem 0:1 im ersten Gruppenspiel gegen Mexiko hatte Hummels in einer Offenheit Kritik geübt, die man von den rhetorisch weichgespülten Nationalspielern nicht kennt. So prangerte er die fehlende Harmonie und Einsatzbereitschaft in der Mannschaft an, für die das WM-Turnier in Russland doch zu den Höhepunkten der Spielerkarrieren zählen müsste. „Wenn sieben oder acht Mann offensiv spielen, dann ist klar, dass die offensive Wucht größer ist als die defensive Stabilität“, monierte Hummels und machte deutlich, dass sich vor allem die Innenverteidiger von den Kollegen weiter vorn im Stich gelassen fühlten.

Mit seiner Aussage in Anspielung auf die blamable letzte Vorbereitungspartie („Wir haben wie gegen Saudi-Arabien gespielt, nur gegen einen besseren Gegner“) gab sich Hummels geradezu sarkastisch und fügte hinzu: „Ich verstehe nicht so ganz, warum wir so gespielt haben, obwohl wir gegen Saudi-Arabien schon einen Schuss vor den Bug bekommen haben.“ Leider versemmelte ARD-Reporter Gerhard Delling die Steilvorlage in Sachen Offenheit und ließ den seltenen TV-Moment unkommentiert stehen. Der anschließende Rüffel der DFB-Oberen für Hummels, solche Angelegenheiten doch künftig bitte ausschließlich intern anzusprechen, folgte angesichts der strengen Regularien des Verbands auf dem Fuße.

Doch Hummels ließ sich dadurch nicht verbiegen. Seine Statements unmittelbar nach Abpfiff des letzten Vorrundenspiels gegen Südkorea, mit denen er sich zum blamablen 0:2 und dem Ausscheiden des Titelverteidigers äußerte, bieten Stoff für journalistische Lehrbücher – auch weil der ZDF-Mann Boris Büchler am Spielfeldrand im Gegensatz zu Delling gezielt nachfragte und den Zuschauern somit einen Einblick ins Innenleben des gescheiterten Teams ermöglichte. Hier das Video vom Spielfeldrand:

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Die Welt hat die Aussage des Nationalspielers im Liveticker dokumentiert:

Das ist ganz schwierig in Worte zu fassen. Wir haben bis zum Schluss daran geglaubt. Wir haben den Ball heute nicht ins Tor geberacht. Wir hatten genug Gelegenheiten. Ich muss in der 86. Minute das Tor machen. Ich glaube gegen Mexiko war es offensichtlich. Man sieht ja bei der WM, dass keine Mannschaft leicht durchkommt. Wir haben einige Punkte, an denen wir ansetzen müssen. Welche Punkte das sind, werde ich nicht mehr öffentlich sagen. Das letzte überzeugende Spiel, das wir abgeliefert haben, war im Herbst 2017. Das ist lange her. Das ist heute ein ganz, ganz bitterer Abend für uns und alle deutschen Fußballfans.

Klartext statt Drumrumreden und Beschönigen: Mit seiner Offenheit und Selbstkritik zeigte Hummels Größe – und bleibt so als tragischer Held einer für sein Land verkorksten WM im Gedächtnis. Mit etwas mehr Distanz zum Spiel gab auch Torwart Manuel Neuer dem ZDF ein Interview, in dem er bekannte, seine Mannschaft hätte “es auch einfach nicht verdient gehabt”, weiter zu kommen. Hier die vernichtende Drei-Minuten-Analyse des Kapitäns der Nationalelf, deren Fazit lautet: “Es war einfach erbärmlich.”

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Alle Kommentare

  1. Was mich am meisten anko… (tschuldigung), sind die armseligen Bemerkungen der deutschen Fußballspieler wie “jetzt müssen wir uns erst einmal sammeln” oder noch schlimmer “das müssen wir erst einmal verdauen…”. So ein Mist. Was machen die jetzt? Düsen “erster Klasse” oder in Privatjets auf die nächste Privatinsel und entspannen sich für tausende Euro am Tag. Und die treuen Fans? Die sich extra Urlaub genommen haben, für teures Geld neue Trikots und sonstiges Equipment gekauft haben? Teilweise sogar nach Russland geflogen sind, horrende Summen für Hotels bezahlt haben – an die denken die Instagram-Stars nicht, hauptsache ich habe mehr Follower als Du und “ich hab die Haare schön”. Macht Platz für die jüngeren, die noch ganz so abgehoben sind und “tschüss, Jogi, war ne tolle Zeit”…

    1. Natürlich bekommen die Fußballer viel zu viel Geld, und das macht viele von ihnen wirr im Hirn. Aber nur weil sie so viele Millionen bekommen, spielen sie nicht besser Fußball, das kann man auch gar nicht sinnvoll erwarten. Das ist ja die Idiotie an dem ganzen System: Es werden immer größere Summen hineingepumpt und zwischen Spieler-Millionären und Funktionärs-Millionären ausgeteilt, aber die Leistung verändert sich dadurch überhaupt nicht.

      Kann man komplett sein lassen, und zum Beispiel endlich einmal die Polizistinnen und Polizisten bei den Fußballspielen aus den Einnahmen anständig bezahlen. Denn andersrum wäre es genau so: Gäb’s mal eine Million weniger, würden die Kicker auch nicht schlechter kicken.

    2. Was Sie „[…] die armseligen Bemerkungen“ nennen, könnte ja auch ein Zeichen dafür sein, dass Sportler trotz des vielen Geldes auch nur Menschen sind, die das frühe Ausscheiden tatsächlich „erst einmal verdauen“ müssen, meinen Sie nicht? Und glauben Sie nicht, dass die Menschen, „die sich extra Urlaub genommen haben, für teures Geld neue Trikots und sonstiges Equipment gekauft haben […] Teilweise sogar nach Russland geflogen sind, horrende Summen für Hotels bezahlt haben“, nur die deutsche Mannschaft betreffen? Da sind bereits und werden noch ganz andere ausscheiden!

  2. Die Luft ist raus aus unserem Fußball.

    Dies legte sich wie Mehltau über unsere neuerdings so genannte “Mannschaft”. Die verordnete Farblosigkeit von anonymen Trikots fand sich in der Spielweise wieder.

    Leistungsfähigkeit hat etwas mit Stimmung zu tun. Das konnte man schon dem FC Bayern in seinen letzen, eher bleiernen Spielen anmerken. Irgendwas Ungreifbares scheint sich den Menschen auf die Seele zu legen.

    Falls sich dies so verhält, so dürfte keine Möglichkeit bestehen, dies abstellen zu können durch diejenigen, die diese Stimmung hervorrufen, und verursacht haben.

    Zeitlich und faktisch genauer läßt sich ein solcher Umschlagpunkt eingrenzen anhand des BVB Dortmund, der mit der Entlassung von Tuchel ins Straucheln geraten war. Man hat fest voraussehen können, daß man an einem eindeutig erfolgreichen Trainer besser hätte festhalten sollen. Warum? Weil ansonsten die ehrgeizigen Erfolgsträger von Bord gehen. In diesem Fall waren es Aubameyang sowie Dmbèlè, deren Berater den Vereinswechsel ertrotzten, weil deren Zöglinge nicht mit dem BVB in die sichere Mittelmäßigkeit folgen sollten.
    .
    Die Elite des BVB wußte es besser.

    Waren sie dazu gezwungen, einen Preis zu bezahlen ? Man frage sich, welches Wissen diese Eliten mit uns offenbar nicht teilen wollen, warum die Presse sich dafür nicht interessiert hat. Warum man beispielsweise nicht einem Herrn Watzke, gar einen Rauball peinlichst zu den Querverbindungen zwischen Fußball und Politik befragt. Die Antwort: kein Journalist dieses Landes wird bestehende Querverbindungen zwischen Sport und unserer Politik kritisch hinterfragen.

    Wo Politik lenkend auf den Plan tritt, verstummt jeder Elan. Deutschland ist diesbezüglich unter einer Käseglocke gelandet, und damit kann man im Sport nicht Weltmeister werden wollen. Also wird man ausscheiden.

    Ein im Unterbewußtsein platzierter, dabi sich lähmend auswirkender Einfluß höhlt jede Leistungsfähigkeit aus. Das gilt immer und überall.

    Das gilt dann auch für den Fußballprofi.

    Aber ansonsten ist alles ja alles paletti in unserem fahnenlosen Land.

    Einerseits will man den Deutschen einhegen und einpflegen in unser gemeinsames Europa, erwartet aber andererseits, der Eingehegte könne auf irgendeinem Gebiet dennoch Spitzenleistungen abliefern.

    Besteht da evtl ein Widerspruch, oder hat nicht doch Schäuble Recht mit seiner Beobachtung, die Deutschen seien degeneriert.

    Unser aktuelles Deutschland (darf man überhaupt noch Deutschland sagen?) hätte es nicht verdient, über die Vorrunde hinaus zu gelangen.

  3. »Wir haben einige Punkte, an denen wir ansetzen müssen. Welche Punkte das sind, werde ich nicht mehr öffentlich sagen.«
    »Ich verstehe nicht so ganz, warum wir so gespielt haben.«

    Nie war Klartext schonungsloser, heldenhafter.

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