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Wenn eine Behörde Web-Satire macht: Warum die Wahre-Welle-TV-Kampagne der Bundeszentrale problematisch ist

Wahre Welle TV mit “Frontal 23”: Nachrichten-Satire von der Bundeszentrale
Wahre Welle TV mit "Frontal 23": Nachrichten-Satire von der Bundeszentrale

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) macht jetzt auch in Netz-Satire. Die bpb hat mit Wahre Welle TV ein Satire-Projekt gestartet, mit dem über Verschwörungstheorien aufgeklärt werden soll. Zunächst stifteten die Parodie-Videos allerdings ordentlich Verwirrung. Die Inflation der so genannten Netz-Satire ist ein generelles Problem. Dass die Bundeszentrale da jetzt auch mitmischt, macht es nicht besser. Ein Kommentar.

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Für das Projekt Wahre Welle TV hat die bpb sieben mehr oder weniger lustige Filmchen produzieren lassen, die gängige TV-Formate parodieren. Aus dem ZDF-Magazin “Frontal 21” wird “Frontal 23”, es gibt eine Teleshopping-Parodie, bei der Alu-Regenschirme verkauft werden und so weiter und so lustig. Dazu kommt eine Website, es gibt einen Facebook-Auftritt. Bevor die Aktion als staatliche Weiterbildung enthüllt wurde, wurde sogar in einschlägigen Foren für Wahre Welle TV als neues Alternativ-Medium geworben und es gab gefälschte Plakate als Foto in sozialen Netzen. Die bundespolitischen Aufklärer haben sich bei der Distribution ihrer Fake News wirklich Mühe gegeben.

So sind denn auch viele auf den Schmu reingefallen und hielten Wahre Welle TV für ein weiteres jener kruden alternativen News-Medien, wie es im Netz einige gibt. Nach kurzer Zeit folgte dann die Aufklärung. Die bpb gab eine Presseerklärung heraus, Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale, sprach mit dem Tagesspiegel, Info-Webseiten zu Verschwörungstheorien gingen online, ein Social-Media-Team kümmert sich bei Facebook rührig darum, verirrte Leser einzufangen. Am Ende der Welle-Videos kommt der Spruch „Lass dir keinen Scheiß erzählen“ und es wird auf eine Aufklärungsseite verwiesen.

Man kann Wahre Welle TV als eine gelungene, frische Aktion feiern, die die Sprache der jungen Zielgruppe spricht oder auch nicht. Man kann die Aktion auch für hoch problematisch halten, denn sie setzt auf dem allgemeinen Trend der so genannten Netz-Satire auf. Hierzulande hat die Website “Der Postillon” die Netz-Satire groß gemacht. Kern dieser Gattung sind Parodien auf Nachrichten, die auf den ersten Blick in Duktus und Aufmachung wie echte News-Meldungen daherkommen, auf den zweiten Blick aber ihren Dreh ins Absurde offenbaren. Wenn es gut läuft. So etwas wird gerne geteilt, weil da immer auch ein kleiner Kick dabei ist, falls jemand auf die “News-Parodie” reinfällt und sie für bare Münze nimmt. Dann freut man sich, weil man selber schlauer war als der oder die andere. Das ist ein bisschen so ein Ätschibätschi-Effekt, wie Andrea Nahles das vielleicht formulieren würde.

Eine zeitlang war das sogar (bedingt) lustig. Mittlerweile gibt es aber eine regelrechte Flut an so genannten Satire-Websites, bei denen der Witz immer schwieriger zu durchschauen wird. Das hat mehrere Gründe.

Einmal versuchen die Satire-Websites immer stärker, den Look normaler Nachrichtenseiten nachzuahmen, damit mehr Leute “hereinfallen”. Zum anderen werden die echten Nachrichten vor allem dank eines gewissen US-Präsidenten auch immer absurder. Satire und Realität gleichen sich in Ton und Inhalt immer stärker an.

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Hinzu kommt die Rolle von Plattformen und Aggregatoren. Auf Facebook stehen Satire-Meldungen gleichberechtigt mit echten Meldungen im Feed. Die Publishing-Plattform Medium.com verschickt einmal pro Tag an registrierte Nutzer eine Übersicht mit besonders beliebten Beiträgen. Sehr oft landen dabei Texte des US-Satirikers Allan Ishac ganz oben, der im Postillon-Stil Nachrichtenmeldungen imitiert und persifliert. Nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, dass man es hierbei mit Satire zu tun hat. Und es gibt mittlerweile genügend Fälle, bei denen echte Medien auf News-Satire-Meldungen – vor allem aus dem Ausland – hereingefallen sind.

Der US-Satiriker Allan Ishac ist sehr erfolgreich bei Medium.com

Hierzulande sorgte jüngst wieder einmal die Titanic für Schlagzeilen, als sie die Satire-Meldung platzierte, dass die Fraktionsgemeinschaft aus CDU und CSU geplatzt sei. Die Nachrichtenagentur Reuters und diverse Medien fielen darauf herein, einerseits aus mangelnder Sorgfalt aber auch, weil der Satire hier jeglicher Spin ins Absurde fehlte. Die Meldung war nur noch Fake ohne Witz.

Mittlerweile gibt es mit dem “Berliner Express” sogar ein rechtes “Satire-Blog”, das Falschmeldungen in die Welt setzt, die nur noch pro forma das Deckmäntelchen “Satire” tragen. MEEDIA berichtete unlängst über das unselige Treiben des “Berliner Express” und wie auch Politiker auf dessen Fake-Meldungen hereinfallen und diese weiterverbreiten. Solche Pseudo-Satire und Verschwörungswebseiten sind problematisch und es ist sicherlich auch eine Aufgabe der Bundeszentrale, hier Aufklärung zu leisten. Ob dies aber damit gelingt, indem man selbst noch mehr News-Satire in die Web-Welt hineingibt, darf bezweifelt werden. Auf dem Papier und in der Theorie mag Wahre Welle TV wie eine gute Idee aussehen. In der wirklichen Welt ist zu befürchten, dass die Medienkompetenz, die nötig wäre, um Wahre Welle TV als Parodie-Kampagne zu erkennen, bei vielen noch gar nicht vorhanden ist.

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Alle Kommentare

  1. Ist bisher keinem die Landkarte beim Wetterbericht der Wahre Welle TV aufgefallen? Deutschland inkl. der Ostgebiete vor dem 2. Weltkrieg. Was soll da lustig sein?

  2. Bitte vergleichen Sie den Postillion nicht mit diesem albernen, mit Staatsgeld gepimperten Dilettantenstadl namens “WahreWelle” oder wie auch immer. Wenn der Staat Satire macht das kann nur in die Hose gehen.

    1. Mal ein bisschen zur bpb und deren Zusammensetzung belesen, das kann nicht schaden. Oder gibt’s eine Sonderzulage, wenn Sie möglichst häufig das Wort “Staat” herauskrakelen?

  3. Unter dem Denkmantel der staatlich finanzierten Satire ist in Merkel Deutschland mittlerweile alles erlaubt. Es gibt keine Grenzen mehr. Die Perversion des Selbstverständlichen, die Verdrehung von Tatsachen und die Umkehrung von Ursache und Wirkung. Hatte die Satire ursprünglich das Ziel, die Mächtigen und Zustände im Land mit dem Stilmittel der Übertreibung zu kritisieren, hat das Merkelregime eine Umkehrung daraus gemacht und bekämpft damit die Meinungsvielfalt in der Demokratie. Das Merkelsystem greift seine politischen Gegner an versucht nun unliebsame Meinungen in der Bevölkerung mundtot zu machen.

    Das beste Beispiel ist staatssatiriker Jan Böhmermann mit seiner reconquista internet Aktion. Teilnehmer der Aktion bedrohen und beleidigen die Mutter, der getöteten minderjährigen Susanne F. aus Wiesbaden, auf Facebook.

    Nochmal langsam zum vergegenwärtigen. Deine minderjährige Tochter wird von einem illegalen Muslimen Merkels stundenlang zu Tode gefoltert und vergewaltigt, aber um das noch zu toppen verhöhnen dich linke vom Steuergeld finanzierte Satiriker, weil du auf Facebook die Schweigeminute des Bundestages der teilst.

    WTF

    1. „Die Perversion des Selbstverständlichen, die Verdrehung von Tatsachen und die Umkehrung von Ursache und Wirkung“: eine fast genaue Beschreibung dessen, was so aus dem braun-blauen Bessermenschen-Lager kommt. Donnerwetter, so viel Analysefähigkeit hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut! Aber immerhin dürfen Sie solchen Schwachsinn und solche Lügen wie den Rest ja äußern.

  4. Dass die meisten Kommentatoren hier eine solche Aktion nicht gutheißen (vor allem nicht in “Merkel-Deutschland”, und “steuerfinanziert” schon gar nicht!), zeigt sehr eindrucksvoll, welches Klientel Herr Winterbauer und MEEDIA inzwischen größtenteils bedienen… schade, denn seriöse Medienkritik ist immens wichtig.

    1. In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.

      Kurt Tucholsky

      1. Der Nutzer aha ist somit ziemlich gefährlich.

        Worauf Sie allerdings mit Ihren Beiträgen hingewiesen haben, lieber Jihad Müller, ist ihren begrenzten Horizont.

      2. Bei Ihrer Meinung würde ich mich schämen, aus gerechnet Tucholsky zu zitieren, aber, wie üblich bei den blau-braunen Gutmenschen, können sie vieles nur bei Linken klauen, weil sie keine eigene Kultur haben.

        „Jihad Müller, vortreten! Was fällt Ihnen ein, einen linken Staatsfeind zu zitieren?! Und dann noch Ihr Name: Jihad! Vier Wochen Latrinenputzen, aber mit der eigenen Zahnbürste! Abtreten!“

  5. Die sogenannten Kommentare und vermeintliche Kritiken, die scheinbar Objektivität vorgaukeln, nähern sich vermeintlich dem sogenannten Kommentatoren und letzten Wahrheitsverteidigern, diesen Übergutmenschen, immer mehr an.

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