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Keine Gaudi wegen Audi: Springer sagt nach Verhaftung von CEO Stadler „Das Goldene Lenkrad“ ab

Verleihen in diesem Jahr keinen Autopreis: BamS-Chefredakteurin Marion Horn, Springer-CEO Mathias Döpfner und Autobild-Chef Tom Drechsler

Auto Bild und Bild am Sonntag sagen die Preisgala „Das Goldene Lenkrad“ ab. Hintergrund sind nach Angaben von Axel Springer die Glaubwürdigkeitsprobleme der Automobilbranche im Zuge des Diesel-Skandals. Erst jüngst kam es zur Festnahme des Audi-CEOs Rupert Stadler, gegen den wegen Betrugs und „mittelbarer Falschbeurkundung“ ermittelt wird. Auch Vorstände anderer Konzerne stehen unter Verdacht.

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Die jüngsten Ereignisse rund um Abgasmanipulationen haben gezeigt, dass sich Teile der Automobilbranche weiterhin in einem notwendigen Wandel befinden, der entgegen aller Hoffnungen noch lange nicht abgeschlossen ist. Wir können daher im Interesse unserer Leserinnen und Leser in diesem Jahr nicht mit journalistischer Glaubwürdigkeit einen Preis für die Automobil-Neuheiten des Jahres verleihen. Wir wissen, dass wir damit auch diejenigen treffen, die ’sauber‘ sind“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Erst in dieser Woche wurde die Festnahme des Audi-CEOs Rupert Stadler bekannt, gegen den Wegen Betruges und „mittelbarer Falschbeurkundung“ ermittelt wird. Er und weitere Beschuldigte sollen demnach bewusst hunderttausende Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgasreinigung auf dem europäischen Markt verkauft haben. Der Vorstandschef befindet sich aufgrund von Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft.

Am heutigen Freitag berichtet die Süddeutsche Zeitung über eine 1,5 Millionen Euro hohe Abfindung für einen in den Skandal verstrickten Ingenieur. Mit dem Bonus wolle der Konzern einen öffentlichen Prozess vor dem Arbeitsgericht vermeiden. Dabei wäre Audi Gefahr gelaufen, die Verwicklungen des Audi-Chefs thematisiert zu haben.

Mit dem Aussetzen des Autopreises wolle Axel Springer ein Signal setzen und die journalistische Position von Bild am Sonntag und Auto Bild unterstreichen.

Wahr ist aber auch: Das Verhältnis zu den Automobilkonzernen hat in den vergangenen Jahren gelitten. So hatten 2017 beispielsweise die Vorstandsvorsitzenden des VW-Konzerns und seiner Marken das Lenkrad boykottiert und lediglich vereinzelt Mitglieder der Führungen geschickt. „Ich hoffe aber sehr, dass es nichts mit unserer kritischen Berichterstattung zu tun hat“, kommentierte Springer-CEO Mathias Döpfner damals.

Hinzu kommt sicherlich aber auch: Die wirtschaftlichen Bedingungen der Automobilkonzerne haben sich drastisch verändert: VW hatte nach Bekanntwerden des Dieselskandals zudem seine Marketingmaßnahmen umfangreich zurückgefahren. Am heutigen Freitag hat der Daimler-Konzern  vor dem Hintergrund des drohenden Handelskrieg zwischen den USA und China – eine Gewinnwarnung herausgegeben. Angesichts der Gesamtsituation erscheint es wahrscheinlich, dass in den kommenden Monaten auch weitere B2B- und Publikumsveranstaltungen zu Branchenthemen pausieren werden.

(ms)

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