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Nachwuchssuche auf YouTube: Wie Influencer-Marketing zur Recruiting-Geheimwaffe der Polizei wird

Der YouTuber Aaron Troschke hospitierte bei der Berliner Polizei
Der YouTuber Aaron Troschke hospitierte bei der Berliner Polizei

Personalabteilungen beschäftigen sich immer intensiver mit dem Thema Influencer-Marketing: Reichweite und Authentizität der meist jungen Meinungsmacher sollen beim Nachwuchs das Interesse für den Berufsstand wecken. Die Polizei, auch schon auf Twitter Vorreiter der öffentlichen Dienste, macht das nun vor. Insbesondere YouTube könnte dabei zur digitalen Jobbörse werden.

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Von Linda Gondorf und Thomas Borgböhmer

„Guten Morgen, ich bin Thomas und bin hier Ausbilder bei der Polizei Berlin im mittleren Dienst. Wir haben uns mal den Aaron als Praktikanten für einen Tag geholt“, ruft der Polizist in die Kamera. Währenddessen schlurft Aaron ins Bild. „Ich musste heute um 5 Uhr aufstehen. Es ist jetzt 7.10 Uhr und ich bin todmüde.“ In dem 15-minütigen Video begleitet Aaron den Ausbilder einen Tag lang als angehender Polizist in der Akademie, übt sich an der Waffe, muss im Gleichschritt mit den echten Jungpolizisten marschieren und versucht sich an Personenkontrollen.

Aaron Troschke ist eigentlich Influencer und betreibt seit 2013 bei YouTube den Kanal „Hey Aaron!!!“. Dort postet er in regelmäßigen Abständen Videos aus den Bereichen Unterhaltung und Comedy: Er ist beispielsweise auf Fitness- und Bootmessen unterwegs, nimmt bei einem RTL-II-Casting für eine Reality-Show teil oder schaut – wie bei der Berliner Polizei – für einen Tag in andere Berufe. Rund 828.000 Nutzer folgen ihm dabei. Mit einigen Inhalten erreicht Troschke mehr als eine Millionen Zuschauer.

“Organisationen merken, wie Social Media funktioniert”

Gerade wegen der hohen Reichweite in einer jungen Zielgruppe, wird das Influencer-Marketing derzeit sehr interessant für das Personal-Recruiting. So ist es 2018 aus dem Media-Mix kaum noch wegzudenken. Aus der Meinungsbildung mit relevanten Influencern ergeben sich reihenweise Ideen und Chancen, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Es ist eine neue Methode, Bewerber für einen bestimmten Beruf zu begeistern.

„Die Organisationen merken langsam, wie Social Media funktioniert. Früher haben sie das oft nur als klassische PR gesehen“, sagt Marketingprofessor Florian Haumer, der an der Macromedia School in München lehrt und zum Thema Influencer forscht. „Diese Sicht ändert sich derzeit. Das liegt wahrscheinlich auch am Nachwuchs, der nun in leitende Positionen kommt“, vermutet der Wissenschaftler.

Valeri Biljuk ist Senior Sales Manager & Influencer Recruiting Experte bei ReachHero, einer Vermarktungsplattform für Influencer. Die Berliner Firma bringt die digitalen Meinungsmacher mit Firmen zusammen, wie im Fall der Berliner Polizei. „Um die Zielgruppe von morgen zu erreichen, gibt es aktuell kaum effektivere Methoden. Die etablierten Influencer, wie beispielsweise Aaron Troschke, werden von ihrem Publikum als nahbar und authentisch empfunden”, sagt Biljuk. Der 28-jährige Troschke arbeite hochprofessionell und verfüge über ein gutes Gespür für seine Zielgruppe.

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In weniger als 24 Stunden holte das Video mehr als 520.000 Kontakte zur Zielgruppe und erzielte über 34.000 Reaktionen. Troschkes Ausflug in die Welt der Ordnungshüter wurde von YouTube als relevanter Content bewertet und landete so innerhalb eines Tages unter den Top3-Trends auf der Plattform. Mittlerweile sind es rund 785.000 Aufrufe. „Gerade Videonutzung als Informationsquelle auf YouTube nimmt stark zu“, erläutert Haumer die Relevanz. „Es hat sich vom Katzen-Entertainment-Kanal zu einem professionellen Kanal entwickelt, wo gute Inhalte zu finden sind.“

Wie sehr der Polizei YouTube und Influencer-Marketing hilft, weiß Benjamin Raschke. Er arbeitet beim Social Media Management des Polizeipräsidiums Berlin. Statistisch lassen sich Erfolge allerdings nicht gut messen, so Raschke:Insbesondere deshalb nicht, weil rund um den Erscheinungstermin auch unser Bewerbungsfenster öffnete und die Kollegen des Referats für Werbung und Einstellung umfangreiche weitere Werbemaßnahmen ergriffen haben, die auch über die Social Media Accounts der Polizei Berlin veröffentlicht wurden.” Die erstmalige Zusammenarbeit mit einem YouTuber sei Teil eines Konzepts, das die Berliner seit 2014 in den sozialen Medien verfolgen, erläutert er. Der Schritt passe in eine “dialogbasierte Kommunikation.”

Tatsächlich ist die Berliner Polizei, wie andere Direktionen auch, unter anderem auf dem Kurznachrichtendienst Twitter präsent und hat dort 415.000 Follower. In Echtzeit erreichen die Social Media Leute der Polizei vor allem Journalisten und Politiker. Twitter wird aber nicht nur zur Informationsvermittlung genutzt, wie die Aktion #24hPolizei der Berliner Polizisten im Sommer 2017 gezeigt hat. Die dortigen Ordnungshüter haben einen sogenannten Twitter-Marathon gestartet, bei dem sie mit seriösen, lustigen und skurrilen Tweets einen kompletten Tag über das aktuelle Geschehen in Berlin informierten. Auch die “Wiesnwache” der Münchener Beamten hat diese Idee in der Vergangenheit aufgegriffen. Dabei haben sie über die teils ungewöhnlichen Erlebnisse auf dem Oktoberfest berichtet.

Bundespolizei startet ebenfalls Influencer-Offensive

Auch die Bundespolizei hat sich 2017 um neue Nachwuchswerbung gekümmert und ist mit Youtuber Felix von der Laden eine Kooperation eingegangen. Er begleitete die Beamten am Bahnhof und beim Helikoptereinsatz und hatte die Aufgabe, die Bundespolizei als attraktiven Arbeitgeber bei Jugendlichen bekannter zu machen. Herausgekommen ist ein Video, dass rund 35.000 Mal angesehen wurde und dem Kanal der “Bundespolizei Karriere” einige Follower einbrachte. Mehr als 3.000 Kommentare mit vielen Fragen kamen ebenfalls zusammen, die Bundespolizei konnte Aufklärungsarbeit leiste und ihre Bekanntheit in einer jungen Zielgruppe erhöhen.

Dass sich in Zukunft weitere Organisationen wie die Feuerwehr oder Müllabfuhr mit Influencern zusammen tun, hält Medienforscher Florian Haumer für denkbar. Die Authentizität der Influencer macht die Kommunikation erfolgreicher. „Ein altes Rezept, das schon immer funktioniert hat.“ Gleichwohl könne es auch nach hinten losgehen. „Wenn Akteure und Werbeumfeld nicht zusammenpassen, kann es anbiedernd wirken. Und das wird extrem negativ angenommen.“ Deshalb reiche es nicht, so Haumer, „nur auf einer coolen Welle zu surfen.“

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