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Merkels TV-Auftritt: Wie Anne Will den wunden Punkt der Kanzlerin herausarbeitete

Solo für Merkel: Anne Will empfing die Bundeskanzlerin bereits zum vierten Mal zum Einzel-Interview
Solo für Merkel: Anne Will empfing die Bundeskanzlerin bereits zum vierten Mal zum Einzel-Interview

Das Solo-Interview mit Angela Merkel war nun schon der vierte Einzel-Auftritt der Kanzlerin bei "Anne Will". Die Sonntagabend-Talkshow ist ganz offensichtlich die präferierte Bühne, wenn Merkel in den Erklär-Modus schalten will. Diesmal ging es sehr viel um den gescheiterten G7-Gipfel und internationale Politik. Bei Fragen zum BAMF-Skandal machte Merkel die deutlich schlechtere Figur.

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Etwas mehr als die Hälfte der Sendung war der Diskussion des frisch gescheiterten G7-Gipfels in Kanada vorbehalten. US-Präsident Donald Trump hatte vom Flieger aus via Twitter dem Abschluss-Kommuniqué seine Zustimmung entzogen und öffentlich gegen den kanadischen Premierminister Justin Trudeau gewettert, da dieser Gegenmaßnahmen gegen US-Strafzölle angekündigt hatte.

Anne Will – wie stets alert – fragte die Kanzlerin viel zur neuen, labilen Weltordnung, zum unzuverlässigen Partner USA, zu Russland, zu G7 usw. Die Kanzlerin ist auf diesem internationalen Parkett sehr sicher unterwegs. Jede Frage aus diesem Themen-Komplex konnte sie nüchtern-analytisch beantworten. Sie gab zu, “ernüchtert und ein Stück deprimiert” über den Ausgang des jüngsten G7-Treffens zu sein. Das Zitat, das aus dieser Sendung bleibt ist wohl: “Die Sache ist nicht schön. Ich habe ja von Ernüchterung gesprochen, was für mich schon viel ist. Die Dinge werden durch weiteres Anheizen der Sprache nicht besser.” Dieser Moment, als Merkel ihre eigene, spröde Sprache ein bisschen auf die Schippe nimmt, wird vom Studiopublikum mit einem dankbaren Lacher quittiert.

Da sitzt die Staatenlenkerin, stets souverän, immer hoch-analytisch, blitzgescheit, dennoch uneitel. Das kommt gut an und bietet der Fragestellerin kaum Angriffsfläche.

Über die gemeinsamen europäischen Asylstandards, für die Merkel sich vehement stark macht, kommt das Gespräch in seiner zweiten Hälfte auf das Inland und hier ist Merkel deutlich weniger sicher unterwegs. Der BAMF-Skandal, die massenhafte fehlerhafte Bearbeitung von Asylanträgen in einer oder mehrerer Außenstellen der Behörde, ist ein Stachel im Fleische der Regierung.

Anne Will konfrontiert Merkel mit einem alten offenen Brief des BAMF-Personalrats, der dokumentiert, dass über Asyl-Anträge massenhaft nur mit Fragebögen entschieden wurde. Wer schriftlich angab, Syrer zu sein, galt mithin als Syrer. Eine Identitätsprüfung fand nicht statt. Eine befriedigende Erklärung für diesen offenkundigen Missstand findet Angela Merkel in der Sendung nicht. Ihre wiederkehrenden Hinweise darauf, dass dies nunmehr abgestellt sei, wirken formelhaft.

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Für Merkel ist die BAMF-Sache extrem schwierig und gefährlich. Zumal die Flüchtlingsfrage wegen des Mordes an dem 14-jährigen Mädchen Susanna erneut die Dimension einer menschlichen Tragödie bekommen hat. Natürlich bekundet die Kanzlerin, wie schrecklich der Fall sei. Ihr Verweis, dass der Fall Susanna zeige, wie wichtig nun schnelle Verwaltungsgerichtsverfahren in Ankerzentren seien, wirkt fast hilflos. Bemerkenswert zudem, dass sie nun die Rezepte des früheren CSU-Querschießers und jetzigen Innenministers Horst Seehofer bemühen muss.

Anne Will arbeitet das gut heraus, indem sie insistiert und wiederholt, ob Merkel wirklich glaube, dass Ankerzentren ausreichen, das verloren gegangene Vertrauen in den Rechtsstaat zu heilen. Dies ist der wunde Punkt der Regierungschefin.

Das außergewöhnlichste an diesem Merkel-Interview bei “Anne Will” ist aber, dass es überhaupt stattgefunden hat. Früher hat Angela Merkel nur TV-Interviews gewährt, wenn gerade Wahlkampf war oder die öffentliche Stimmung gefährlich hochkochte. Beides ist diesmal nicht gegeben. Zwar erregt der Fall Susanna und der BAMF-Skandal die Gemüter, die Stimmung ist aber nicht derartig gereizt wie noch vor einigen Jahren auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Und so etwas wie der daneben gegangene G7-Gipfel würde als einzelner Grund für ein Kanzlerinnen-Interview wohl kaum ausreichen.

Vielmehr scheint es so, als ob Angela Merkel in ihrer mutmaßlich letzten Amtszeit endlich erkennt, dass Kommunikation notwendig ist. Immerhin stellt sie sich nun auch erstmals Fragen im Bundestag. Vielleicht werden TV-Interviews mit ihr künftig etwas mehr Normalität. Sollte dies tatsächlich eine Einsicht sein, so wäre das zu begrüßen. Schade nur, dass diese Einsicht so spät kommt.

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Alle Kommentare

  1. Ja, das Vertrauen in den Rechsstaat ist verloren gegangen. Jeder Geblitzte wird bestraft, aber wer ausreisepflichtig ist, bleibt einfach hier. Niemanden kümmert es.

  2. da habe ich offenbar eine andere Sendung gesehen . . . AW sackt gegenüber Austs glasklarem Kommentar in der Welt zu Merkel deutlich ab.

  3. Die öffentliche Stimmung kocht nicht gefährlich hoch? Hallo??? Die ist wegen Susanna- und Flüchtlings-Skandal doch gerade am Siedepunkt angelangt. Deshalb hat sich Mutti ja überhaupt nach Adlershof bemüht. Steinmeier müsste jetzt Bundespolizeichef Romann das Bundesverdienstkreuz verleihen, weil er sich gegen Maas und Barley durchgesetzt hat, die die Rückholung des Täters wohl verhindern wollten. Wenn es dem Verbrecher samt seiner Sippschaft auch noch gelungen wäre, sich erfolgreich abzusetzen, wäre die Volksseele erst richtig hochgekocht.

  4. Viele wunde Punkte hat Frau Will geflissentlich übersehen. Wie erklärt man zum Beispiel dem Bürger, dass Familien mit schulschwänzenden Kindern einen Tag vor Ferienbeginn am Flughafen von der Polizei gestoppt werden, bevor sie nach Malle fliegen, während die achtköpfige Familie eines schweren Straftäters unbehelligt mit Tickets auf falschen Namen ausreisen kann?

    1. Man erklärt es ggf. damit, dass die Achtköpfigen keine maschinell lesbaren, biometrischen deutschen Pässe hatten, sondern provisorische Papiere, teils auf arabisch. Und dass Kontrolleure nicht ohne konkreten Hinweis/Anlass eine Großfamilien beiseitenehmen, die ausreisen will. Eventuell noch mit Schlampigkeit.

      Die Schulschwänzer-Razzia hingegen wurde punktuell und um ihrer Signalwirkung willen durchgeführt. Die Zielpersonen waren mit Leichtigkeit in jeder Warteschlange zu erkennen.

  5. Ein unangebrachtes Loblied auf die unbeliebteste Kanzlerin aller Zeiten und Totengräberin der europäischen Integration.
    Immerhin dann doch zumindest ein treffendes Beispiel für den Zustand der deutschen Medienlandschaft.
    Während im öffentlichen Raum die Kanzlerin sich nur noch auf die vermummten Schwarzhemden der Antifa verlassen kann, versucht es die deutsche Journaillie mit ein bisschen Feigenblatt- Recherche und ansonsten Schadensbegrenzung um der Frau den Rücken frei zu halten.
    Dumm nur, dass die Blutspur ihrer Fachkräfte immer breiter wird.

  6. scheint so, daß man der Kanzlerin das Scheitern des G-7 Gipfels medial durchgehen läßt und sich auf die BAMF- Katastrophe konzentriert (was eigentlich einen Mißbrauch des Asyl-Rechts durch Merkel darstellte. Schade, daß unser oberster Richter Voßkuhle einen so vollen Schreibtisch hat).

    Aber zurück zum Scheitern von G-7, welches von Merkel und den Medien hinter etwas latentem gesellschaftlichem Antiamerikanismus sowie normales Trump- Bashing kaschiert werden soll.

    Worum geht es? Was verschweigen uns die Medien dieses mal?

    Seit vielen Jahren klagen die USA darüber, daß überschüssige Stahlproduktion, hauptsächlich aus China, sowie neuerdings Aluminium- Produktion zu Dumping- Preisen in den USA abgeladen werden. Solche Klagen waren schon vor der Obama- Präsidentschaft zu vernehmen, sie sind uralt. Was geschah? nichts. Bis dieser “Trottel” Trump kam.

    Warum ist solches Dumping für die USA kritisch?

    Die US- Stahlkocher, sowie Aluminium- Hütten können unter Dumping- Konditionen nicht existieren.

    Niemand kann unter Dumping- Konditionen überleben.

    Man weiß, das ist für Sozialisten beiderseits des Atlantik nur schwer zu begreifen.

    Für die USA als führende Militär- Macht ist es jedoch existentiell wichtig, auf eine funktionsfähige Stahl/ Aluminium- Produktion zurückgreifen zu können.

    Erstaunlich, daß dies niemand in unserem Lande kapiert, keine Medien, keine Politiker, keine Wirtschaftsführer. Oder diese eigentlich sattsam bekannten Tatsachen gar in seine Überlegungen einbeziehen würde.

    Ich rede jetzt also nicht von Anne Will.

    Dumping , vornehmlich durch China, tangiert also amerikanische Interessen in deren Kernbereich als Weltmacht. Sowas ist nicht hinnehmbar, wenn man nicht gerade Merkel heißt.

    Es ist geradezu selbstmörderisch von uns, auf die Darstellung dieser allseits bekannten Sachverhalte durch unsere Medien zu verzichten. Es ist unverzeihlich der Merkel dies nicht um die Ohren zu schlagen.

    Unglaublich dilettantisch, wie man auf die Bitten von Trump und die dann folgerichtig verhängten US- Strafzölle auf Stahl und Aluminium unsererseits reagiert hat.

    Entweder sprengen unsere Eliten in Medien und Politik gerade böswillig die Beziehungen zu den USA, oder aber sie stoßen uns aus ihrer strunzdummen Überheblichkeit in eine gefährliche Auseinandersetzung.

    Bisher hatten die USA also berechtigterweise lediglich Strafzölle auf Stahl und Aluminium verhängt, nachdem die Deutschen, und somit die Europäer sich weigerten, die vitalen Interessen der USA angemessen zu berücksichtigen.

    Ganz schräg erscheint dabei die Rolle der May, welche die EU damit noch in den Schatten stellt, weil sie einerseits selber durch die EU massiv durch Handelshemmnisse im Falle eines Brexit bedroht wird, und dennoch mit der EU gemeinsame Sache gegen Trump macht.

    Vielleicht sind die Britten in der EU doch richtig aufgehoben.

    1. Wahrscheinlich hat Frau Merkel eben nicht gewußt, dass es sich um Missbrauch des Asylrechts handelt und es hat ihr wohl auch niemand gesagt. Stattdessen hat sie geglaubt und haben es ihr die ebenso unwissenden Berater gesagt solle sie logischerweise aus dem Bauch raus handeln und den Leuten einfach erzählen es wäre ihre Pflicht sich da allen, die von wem auch immer eingeladen sind, human zu verhalten;

      Warum u wozu muss man eigentlich in D Steuern zahlen? Ginge das nicht ohne auch? Wäre humaner, finde ich, Steuern verderben lediglich den Charakter. Oder so halt.

      Zu G 7: Ist eigentlich Frau Merkel auch Wirtschaftsfachfrau, nebst Expertin fürs Humane?

  7. Die Medien waren und sind die treusten Verbündeteten dieser massiv überschätzten Person. Wären die Mainstreammedien in den letzten Jahren ihrer Aufgabe nachgekommen, die irrlichternde Politik dieser Regierung kritisch zu beleuchten, wäre Merkel längst weg vom Fenster. Es zahlt sich halt aus, wenn man mit Liz Mohn und Friede Springer gut befreundet ist. Für die Medien hat ihre einseitige regierungstreue Meinungsmache einen Vertrauensverlust gebracht, der kaum wieder gutzumachen sein wird. Das Gleiche gilt für die Schäden, die dieses Land aufgrund der Politik der vergangenen Jahre erlitten hat und die sich immer weniger kaschieren lassen. Man darf gespannt sein, wann die Mehrheit der Bundesbürger erkennt, dass die Kaiserin nackt ist.

    1. die Mehrheit der Bundesbürger wird es nicht erkennen wollen, Umdenken fällt deshalb so schwer weil es mit dem Eingeständnis verbunden ist jahrzehntelang “falsch gedacht” zu haben.

      1. Die Bundesbürger erkennen es.

        Nur die medien noch nicht, weil sie vollauf am vermeintlichen Muttertrog hängen, der aber gar keiner ist. Weil nämlich die Mutter keine Mutter ist, sondern eine Kaiserin von Gottes Gnaden…

        Lustig, oder;-(

  8. “Mord an dem 14-jährigen Mädchen Susanna”?
    Ich empfehle Ihnen, Herr Winterbauer, dringend die Lektüre Ihres eigenen Kolumnisten Thomas Fischer, der präzise ausarbeitet hat den gravierenden Unterschied zwischen Mord und Totschlag, zwischen Tatsachen, Vermutungen und Unterstellungen.

    1. jetzt gehts nur noch um besondere Schwere der Schuld ja oder nein und ob Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt oder nicht.

  9. Anne Will steht Angela Merkel näher als es Herr Sauer jemals sein wird. Hier führte die Tochter mit der Mutti ein Interview. Warum macht die Will das, schließlich wurde die Will von der SPD sozialisiert?

    Wo sind solche Klasseleute wie einst ein Claus Hinrich Casdorff oder ein Friedrich Nowottny, bei denen haben früher die Kanzler gezittert, und heute zittert eine Frau Will vor Frau Merkel und traut sich nicht einmal die richtigen Fragen zu stellen.

    1. @jörg barth => vor hundert kalten Wintern gab es das sehr bemerkenswerte Interview zwischen Herbert Wehner (ohne Ö) und Ernst Dieter Lueg (ohne Ü): “Herr Wörner, steht die SPD und Kanzler Schmidt vor dem Ende?” — “Herr Lüg, ich weiß nicht von was Sie reden, Herr Lüg!” ——–

  10. “Da sitzt die Staatenlenkerin, stets souverän, immer hoch-analytisch, blitzgescheit, dennoch uneitel. Das kommt gut an und bietet der Fragestellerin kaum Angriffsfläche.”

    Hat der Autor es wirklich so dringend nötig, den Speichel der Potentatin zu lecken? Oder findet er gar Gefallen daran? Ist es Satire? Fragen über Fragen.

    1. Sollte er denn in realitätsnaher Sicht über eine Grenze zur Debilität oder über altersbedingte Demenz schreiben?
      Hierzulande wird noch geachtet niemanden zu beleidigen und lieber ein Auge bei Skandalen zuzudrücken, damit bloß keine/r weint.

      Immer weiter, immer heiter.

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