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Bussi und Baba, Facebook und YouTube: Der ORF schrumpft seine Social-Media-Accounts um 80 Prozent

Thomas Prantner, der Online-Chef des ORF, kündigte einen Teilrückzug von Facebook an
Thomas Prantner, der Online-Chef des ORF, kündigte einen Teilrückzug von Facebook an

Der Österreichische Rundfunk (ORF) macht Ernst und verkündete am Donnerstag seinen Teilrückzug aus den sozialen Netzwerken Facebook und YouTube. Die Zahl der Facebook-Präsenzen des ORF - rund 70 derzeit - soll um 80 Prozent reduziert, Videos nicht mehr direkt geteilt und keine ORF-Werbung mehr bei YouTube geschaltet werden. Die Gründe: Datenmissbrauch und Intransparenz.

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Welche der rund 70 ORF-Facebookseiten von der Entscheidung betroffen sein werden, soll in den kommenden Wochen geklärt werden, heißt es in einer internen Mitteilung des ORF, die sowohl der österreichischen Nachrichtenagentur APA als auch der Zeitung Der Standard vorliegt. Demnach sei es außerdem “ab sofort nicht mehr gestattet, Videos von ORF-Sendungen und -Beiträgen auf Social Media, insbesondere Facebook, hochzuladen und zu posten”. Der Content soll vielmehr verlinkt werden, etwa in die TVthek des ORF.

Kommerzielle Werbung auf Facebook und YouTube verboten

“Insbesondere durch Datenmissbrauch und Intransparenz hat sich das Bild der Öffentlichkeit von Sozialen Medien, vor allem von Facebook dramatisch verändert”, heißt in dem Schreiben. Die neue Social-Media-Strategie solle dies berücksichtigen. Sie werde im zweiten und dritten Quartal umgesetzt, die ersten konkreten Maßnahmen gelten sofort.

Weiter wird in der Mitteilung festgelegt, dass “werbliche Hinweise auf Facebook oder andere Soziale Medien” im ORF-TV und -Radio sowie Teletext, die “den ORF-Auftritt auf Facebook bzw. auf anderen Sozialen Medien promoten bzw. bekannt machen” künftig zu unterlassen sind. Wenn es gar nicht zu vermeiden ist, sei zumindest “jeder werbliche Charakter für Faceb ook zu vermeiden”. Bevorzugt soll “auf eigene Onlineangebote” verwiesen werden. Grundsätzlich verboten ist nun “kommerzielle Werbung auf Online-Plattformen (z. B. Facebook-Ads, Prerolls auf YouTube, etc.)”. Nur in “begründeten Ausnahmen” darf das noch geschehen, um “Traffic für das ORF.at-Network zu generieren”, das muss dann aber genehmigt werden.

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ORF-Online-Chef fordert “Kehrtwende” um Umgang mit Facebook

Bereits im April hatte Thomas Prantner, der Online-Chef des Österreichischen Rundfunks angekündigt, dass der ORF seine grundsätzliche Policy gegenüber Facebook ändern und die Promotion beziehungsweise Auftritte auf Facebook massiv reduzieren werde. Im Gespräch mit dem Standard erklärte Prantner in Anlehnung an den Datenskandal rund um Cambridge Analytica: “Die aktuell äußerst bedenklichen Entwicklungen bestätigen uns in dieser bereits vor einigen Wochen getroffenen Entscheidung.” Im Gespräch mit dem Handelsblatt betonte Prantner außerdem im Februar dieses Jahres: “Warum sollen wir mit unseren Inhalten dafür sorgen, dass ein börsennotierter Konzern aus dem Silicon Valley seine Werbeeinnahmen steigern kann?” Und er forderte eine Kehrtwende im Umgang mit Facebook, da das soziale Netzwerk schließlich immer mehr Kurs auf Videoinhalte nehme.

Erst im Mai 2018 wurde dem ORF von der österreichischen Medienbehörde KommAustria untersagt, einen eigenen YouTube-Kanal zu betreibe, da dies “nicht konform mit dem ORF-Gesetz” sei. Die KommAustria prüft bei neuen Angebote des ORF, ob sie den Wettbewerb verzerren und ob Geboren für sie gerechtfertigt sind. Beim vorgelegten Konzept für YouTube habe sich die Medienbehörde daran gestört, dass sich der ORF bei diesem Vorhaben exklusiv auf die Google-Tochter fokussiere und sich ein ORF-YouTube-Kanal damit zu einer Konkurrenz der TVthek entwickle.

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