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Da freut sich der Kunde: Welt kompakt verkauft Titelseite an Deutsche Bank – ohne Kennzeichnung als Anzeige

“In ihrer Gesamtanmutung durchaus für den Leser als Anzeige erkennbar”: Titelseite von Welt kompakt mit Kampagnenmotiv der Deutschen Bank, Chefredakteur Ulf Poschardt
"In ihrer Gesamtanmutung durchaus für den Leser als Anzeige erkennbar": Titelseite von Welt kompakt mit Kampagnenmotiv der Deutschen Bank, Chefredakteur Ulf Poschardt

Für Werbetreibende ist Springers Welt kompakt eine Bank: Denn dort kann man eine Anzeige platzieren, ohne diese entsprechend zu kennzeichnen – sogar auf der Titelseite. Leser, die heute die Ausgabe der kleinen Welt in die Hand nehmen, wunderten sich über das Werbemotiv, das keinen Hinweis auf den Kunden Deutsche Bank enthielt. Ein klarer Verstoß gegen den Pressekodex. Der Verlag indes wiegelt ab.

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Hintergrund: Die Deutsche Bank versucht derzeit einen Neustart – mit massivem Werbedruck. Mit einer Kampagne unter dem Hashtag #Positiver Beitrag und der jungen Weltumseglerin Laura Dekker soll dem strauchelnden ehemaligen Vorzeige-Geldinstitut der kommunikative Turnaround gelingen. Dazu wirbt die Bank großflächig auf den Titelseiten von Leitmedien, auch auf dem Cover.

Beim Blick auf die Titelseite der kompakten Ausgabe von Springers Qualitätszeitung fällt erst einmal nichts Ungewöhnliches auf. Unter dem Seitenkopf mit Logo und zwei Teasern ist diesmal ein bildgewaltiges Fotos eines Ozeans zusehen. Dazu der Text: “Was haben unsere Kunden und eine 14-Jährige Weltumseglerin gemeinsam?” Nichts deutet darauf hin, dass dies keine redaktionelle Ansprache ist, sondern der Teil einer Werbebotschaft eines Anzeigenkunden.

So liegt die Welt kompakt am heutigen Donnerstag an den Kiosken

Erst beim Umblättern der ersten Seite wird klar. Das ist gar nicht die Aufmacher-Story, sondern eine Werbeanzeige. Auf Seite drei folgt die von der Redaktion gestaltete Titelseite mit einer Story zur Fragestunde von Angela Merkel im Bundestag.

Die Reklame der Bank ist als solche gar nicht so leicht zu erkennen und vor allem nicht gekennzeichnet. Über dem Bild fehlt der klare Hinweis “Anzeige”. Auch das Handelsblatt oder auch die große Welt haben großflächig Werbeplätze ihrer Titelseite an die Deutsche Bank verkauft. Diese jedoch sind klar gekennzeichnet.

Auch das Handelsblatt bringt heute die Deutsche Bank-Werbung auf Seite eins – mit dem gut sichtbaren Hinweis “Anzeige”

Mit dem fehlenden Wort verstößt die Welt kompakt gegen Ziffer 7 des Pressekodexes, der die Trennung zwischen Werbung und Redaktion klärt. Dort heißt es unter anderem:

Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken. Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.

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Weiter legten die Medienwächter fest:

Bezahlte Veröffentlichungen müssen so gestaltet sein, dass sie als Werbung für den Leser erkennbar sind. Die Abgrenzung vom redaktionellen Teil kann durch Kennzeichnung und/oder Gestaltung erfolgen. Im Übrigen gelten die werberechtlichen Regelungen.

Bei Springer sieht man eher keinen Verstoß gegen den Pressekodex. So erklärt ein Sprecher auf MEEDIA-Anfrage (Siehe dazu auch das Update): “Der Titel ist Teil der Ummantelungsanzeige in der heutigen Welt kompakt, die in ihrer Gesamtanmutung durchaus für den Leser als Anzeige erkennbar ist, wie wir das in WELT durch die Kennzeichnung ‚Anzeige‘ sicherlich noch deutlicher gemacht haben.” Es darf wohl bezweifelt werden, dass dem Presserat diese Erklärung reichen würde.

Fun-Fact für Insider: Für die Pressearbeit der Deutschen Bank ist unter anderem Jörg Eigendorf verantwortlich. Bevor er zum Frankfurter Finanzinstitut wechselte, war er Chefreporter des Investigativ-Ressorts der Welt.

Update 14.15 Uhr: 
Nach der Veröffentlichung durch MEEDIA äußerte sich Chefredakteur Ulf Poschardt via Twitter: “Um es ganz einfach zu machen: Wir haben einen Fehler gemacht und wir entschuldigen uns dafür”.

Auch der Springer-Sprecher meldete sich mit einer ergänzten Stellungnahme:
“Wir nehmen das Trennungsgebot sehr ernst. Der Titel ist Teil der Ummantelungsanzeige in der heutigen Welt kompakt, die in ihrer Gesamtanmutung durchaus für den Leser als Anzeige erkennbar ist, wie wir das in Welt durch die Kennzeichnung ‚Anzeige‘ sicherlich noch deutlicher gemacht haben. Das Fehlen dieser Kennzeichnung im vorliegenden Fall in der Welt kompakt war ein Versehen.“

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