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Zoff um DuMont-Hauptstadtredaktion: Kölner Verlag will mit Betriebsrat nicht über Sozialplan verhandeln

DuMont-Vorstandschef Christoph Bauer
DuMont-Vorstandschef Christoph Bauer

Das Aus der Hauptstadtredaktion der DuMont Mediengruppe sorgt weiter für Unruhe: Verlagschef Christoph Bauer will angeblich mit dem Betriebsrat nicht über einen Sozialplan verhandeln, um den von der Kündigung bedrohten Redakteuren eine Abfindung zu zahlen. Die Arbeitnehmervertreter sind deswegen empört. Sie rechnen angesichts der Umstrukturierung damit, dass sich ein langer Rechtsstreit anbahnt.

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Es war ein Paukenschlag in der hart umkämpften Branche der Regionalzeitungen: Die Mediengruppen Madsack und DuMont wollen eine gemeinsame Redaktion in Berlin aufbauen, die für überregionale Politik- und Wirtschaftsthemen zuständig sein soll. Damit würden künftig die Zeitungsseiten von Madsacks Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) produziert.

Die Konsequenz für DuMont: Die Hauptstadt-Redaktion der Kölner wird überflüssig. Sie steht damit vor dem Aus. Von der Neuausrichtung sind hier 17 Mitarbeiter betroffen. Zwar können sich die Redakteure bei der künftigen Madsack-Gesellschaft RND Berlin GmbH, an der DuMont einen Minderheitsanteil hält, um eine neue Stelle bewerben. Doch Madsack will hier nur zehn neue Arbeitsplätze öffentlich ausschreiben. Damit ist hier für sieben DuMont-Redakteure die Zukunft ungewiss.

Daher hat der Betriebsrat der DuMont-Redaktionen jetzt den Verlagschef Christoph Bauer aufgefordert, über einen Sozialplan für die Mitarbeiter zu verhandeln. Er dient als Grundlage, um über Abfindungen zu sprechen. Doch dazu wird es möglicherweise nicht kommen. Denn DuMont ist angeblich hierzu nicht bereit. Dies geht aus einem Schreiben hervor, worauf der DuMont-Betriebsrat die Mitarbeiter Ende vergangene Woche aufmerksam gemacht hat. Zwar sehen die Arbeiternehmervertreter den Arbeitgeber hierzu verpflichtet. Doch „leider wird das von DuMont bestritten“, heißt es in dem BR-Scheiben. Das Medienhaus wolle nur auf “freiwilliger Basis” über Abfindungen verhandeln, „was unsere Verhandlungsposition stark schwächen würde“, betont der Betriebsrat. Damit würde sich nach Angaben der Arbeitnehmervertreter „ein länglicher Rechtsstreit“ anbahnen, „während es eigentlich auf rasche, gute Entscheidungen ankäme“.

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Das ist jedoch nicht alles: Der DuMont-Betriebsrat befürchtet, dass beim Kölner Verlagshaus der Umbau weiter voranschreitet und die Mediengruppe Madsack weitere Teile der DuMont-Mantel-Berichterstattung übernehmen könnte. „Wir rechnen schon im laufenden und im kommenden Jahr mit weiteren Entscheidungen dieser Preisklasse. Komplett vorproduzierte Wirtschaftsseiten von außen sind nur der Anfang. Madsack liefert auch Politik, Sport, Panorama im Paket und baut gerade einen Digital Hub mit 70 Beschäftigen in Hannover auf. Seien wir also gewarnt“, mahnen die Arbeitnehmer-Vertreter die Belegschaft.

Ein DuMont-Sprecher will sich hierzu auf MEEDIA-Anfrage nicht äußern. Die Zurückhaltung dürfte auch mit den wettbewerbsrechtlichen Rahmenbedingungen zusammenhängen. Dem Vernehmen nach wollen die Kölner erst die Entscheidung des Bundeskartellamts abwarten, bevor der Verlag mit dem Betriebsrat in Gespräche tritt.

Unterdessen hat DuMont-Vorstandsvorsitzende Christoph Bauer in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) die strategische Partnerschaft mit der Mediengruppe Madsack verteidigt. „Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks durch sinkende Auflagen und rückläufige Anzeigenumsätze sind sinnvolle Kooperationen überlebenswichtig. Ansonsten müssten wir weitere Stellen reduzieren, und das gefährdet dann die publizistische Vielfalt“, erklärte der frühere Marketingleiter der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ).

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Alle Kommentare

  1. Hauptsache, die Fönwelle sitzt gut. Und an die am Hungertuch nagenden Eigentümerfamilien (siehe Interview) können endlich wieder Gewinne aus dem Unternehmen ausgeschüttet werden. Unter der Fönwelle hat Artikel 14 unseres Grundgesetzes nur einen Absatz.

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