Partner von:
Anzeige

“Reine Bestseller-Kultur” als Folge: Verbandschef Alexander Skipis warnt vor Abschaffung der Buchpreisbindung

Chef-Lobbyist der Buchbranche: Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
Chef-Lobbyist der Buchbranche: Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

In der Schweiz ist die Buchpreisbindung seit 2007 Geschichte. Jetzt empfiehlt die Monopolkommission, in Deutschland nachzuziehen. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, warnt aber eindringlich vor diesem Schritt. Er befürchtet, dass bei einer großen Mehrzahl von Büchern die Preise rapide steigen. Zugleich sieht er durch den Wegfall der Preisbindung das filigrane Buchhandelsnetz in Deutschland in Gefahr.

Anzeige
Anzeige

Seit Tagen herrscht in der Buchbranche helle Aufregung: denn die Monopolkommission empfiehlt, die Buchpreisbindung zu kippen. Die Preisbindung für Bücher sei ein schwerwiegender Markteingriff, dem ein nicht klar definiertes Schutzziel gegenüberstehe, teilte die Kommission vergangenen Woche mit. Es sei fraglich, ob die Buchpreisbindung einen “kulturpolitischen Mehrwert” schaffe, der den Markteingriff rechtfertige.

Ähnlich sieht dies auch Rainer Hank, Leiter der Wirtschaft- und Finanzredaktion, in einem Beitrag in der Wochenend-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er fordert ebenfalls, die Buchpreisbindung abzuschaffen. „Gebt endlich die Preise für Bücher frei!” betitelt er seinen Beitrag. Denn dies, so seine Analyse, würde den Verbrauchern zugute kommen, die „am Ende von billigeren Preisen und besserer Qualität“ profitieren könnte. Hank verweist auf die Schweiz, wo man die Buchpreisbindung 2007 abgeschafft hätte. Hierdurch seien die Bücher nicht teurer geworden. Auch eine unerwünschte Konzentration des stationären Handels hätte nicht stattgefunden. Daher habe sich auch die Mehrheit der Schweizer 2012 bei einer Volksabstimmung dagegen ausgesprochen, die Buchpreisbindung wieder einzuführen.

Jetzt hat sich Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, gegenüber MEEDIA zu Wort gemeldet. Der Cheflobbyist der Buchbranche hat eindringlich davor gewarnt, dass bei einem Wegfall der Preisbindung die Buchpreise deutlich steigen. “Es ist erwiesen, dass Bücher in Ländern ohne Buchpreisbindung im Durchschnitt teurer sind als in Ländern mit gebundenem Preis. Das zeigt sich etwa in den USA oder in England. Zwar werden einige wenige Bestseller über große Handelsunternehmen zu Dumpingpreisen und als günstige Lockangebote verkauft, die große Mehrzahl von Büchern steigt dafür aber rapide im Preis“, meint Skipis. Das betreffe ganz besonders Bücher „mit kleinen Auflagen, nicht massentaugliche Belletristik-Titel, etwa Romane unbekannter Autorinnen und Autoren, Bücher aus kleineren Verlagen und spezielle Sachbücher.“

Unklar seien aus seiner Sicht die finanziellen Auswirkungen auf die Branche. „Sicherlich würde der Wegfall der Preisbindung aber das heute bestehende filigrane Buchhandelsnetz, für das Deutschland weltweit vorbildlich ist, zerstören. Das ist keine Theorie, sondern kann in Ländern ohne Buchpreisbindung beobachtet werden“, betont der Hauptgeschäftsführer. So könnten die kleinen, unabhängigen Buchhändler, die rund 90 Prozent der Buchhandelsunternehmen in Deutschland ausmachten, „mit den Billigpreisen großer Anbieter – nicht nur große Buchhändler oder Online-Plattformen, sondern etwa auch Supermärkte, Tankstellen etc. – nicht mithalten“.

Anzeige

Skipis befürchtet, dass die Folgen für die kulturelle Vielfalt in Deutschland katastrophal wären: „Viele kleine und mittlere Verlage müssten aufgegeben, weil sie ohne den traditionellen Buchhandel keinen Vertriebskanal mehr für ihre Bücher haben“, betont er. Nach seiner Ansicht würden „mit einem Fall der Preisbindung nicht nur Buchhandlungen als essentielle Orte der Literaturvermittlung und des kulturellen Lebens wegbrechen, sondern auch zahlreiche kleine und mittelgroße Verlage, die das Rückgrat unserer Branche sind“. Zudem hätten es Titel abseits des Mainstreams schwer, „es würde sich eine reine Bestsellerkultur entwickeln“.

Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels geht „nicht davon aus, dass die Empfehlung der Monopolkommission auf offene Ohren stoßen wird“. Die Buchpreisbindung habe „großen Rückhalt in der deutschen Politik. Das hat der Gesetzgeber nicht nur mit der ausdrücklichen Ausweitung der Preisbindung auf E-Books 2016 gezeigt.“ Auch in ihrem Koalitionsvertrag zeige die Bundesregierung, dass sie die Preisbindung „für unverzichtbar für die Vielfalt des deutschen Buchmarktes hält. Sie will eine Anpassung des Gesetzes vorantreiben, welche eine Aushebelung der Preisbindung durch Provisionsmodelle unterbinden soll.”

Die Bertelsmann-Verlagstochter Penguin Random House setzt sich für die weitere Preisbindung ein. “Wir – und das betrifft die Verlagsgruppe Random House und damit das deutschsprachige Buchgeschäft – unterstützen die Bemühungen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zum Erhalt der Buchpreisbindung und damit zum Erhalt der kulturellen Vielfalt und der breiten stationären Buchhandelslandschaft”, erklärt eine Verlagssprecherin auf MEEDIA-Anfrage.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia