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Nach Belästigungsvorwürfen: WDR kündigt TV-Korrespondenten Jahre nach #metoo-Vorfällen

Mehrere Vorwürfe der sexuellen Belästigung beim WDR sorgen derzeit für Schlagzeilen
Mehrere Vorwürfe der sexuellen Belästigung beim WDR sorgen derzeit für Schlagzeilen

Ein Auslandskorrespondent des Westdeutschen Rundfunks (WDR) soll bereits vor Jahren Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben – ohne Konsequenzen. Erst nach der Berichterstattung, ausgelöst von Correctiv und stern, wurden die Senderverantwortlichen tätig. Am heutigen Montag gaben sie die Entlassung des Journalisten bekannt.

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Das berichten erneut Correctiv und stern unter Berufung auf einen Sprecher des Senders.

Dem Korrespondenten, der sich laut Medienberichten selbst als “Alpha-Tier” bezeichnete, wurde unter anderem vorgeworfen, Kolleginnen mehrfach eindeutige Angebote gemacht, sie unter Vorwand in ein Hotelzimmer gelockt zu haben und einer Praktikantin Pornos vorgespielt zu haben.

Entsprechende Vorfälle wurden dem Arbeitgeber gemeldet, doch das Verhalten des Angestellten blieb folgenlos – nicht einmal eine formelle, schriftliche Abmahnung hatte es gegeben, wohl aber eine mündliche Ermahnung mit Kündigungsandrohung. Die Aufarbeitung erfolgte erst nach der Berichterstattung von Correctiv und stern.

Der Fall sei in den vergangenen Wochen geprüft, der Mitarbeiter angehört worden, wie es nun heißt. Inzwischen hatten sich weitere Frauen gemeldet und Vorwürfe erhoben. Die Aussagen seien glaubwürdig und gravierend gewesen.

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Die Anschuldigungen und jahrelange Tatenlosigkeit des Senders sorgte für massive Kritik an ehemaligen und derzeitigen Verantwortlichen. Unter anderem hatte die Personalrätin Christiane Seitz der Führung vorgeworfen, Reformvorschläge und Anmerkungen zur Verbesserung der Aufklärungs- und Präventionsarbeit ignoriert zu haben. Als Folge zog sie sich vom so genannten Interventionsausschuss, an den sich Opfer wenden konnten, zurück.

Mittlerweile hat der WDR mit der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies eine Sonderermittlerin berufen, die besagte wie auch weitere Vorfälle untersuchen soll. Bekannt geworden waren ebenfalls Vorwürfe gegen einen weiteren Mitarbeiter des Senders: den “Tatort”-Koordinator Gebhardt Henke, der seinen Namen selbst öffentlich machte und die Vorwürfe dementiert. Henke ist derzeit von seiner Arbeit freigestellt.

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Alle Kommentare

  1. Auch wenn es für die Öffentlichkeit unerheblich ist, wer genau sich hinter “Alpha-Tier” verbirgt, ist es doch höchst aufschlussreich, dass – im Unterschied zu Fällen in anderen Organisationen – ausgerechnet bei einem Medienmann die Identität nicht öffentlich wird.

  2. Der Herr ist doch seit Jahren kein Korrespondent mehr, sondern in der Innenredaktion Ausland.

  3. Diese (männlichen) Machtstrukturen müssen zerschlagen werden. Es hilft hier nur eine transparente, ehrliche Debatte und Aufarbeitung der sexuellen Beschuldigungen.
    TV-Mitarbeiter, die ihre Macht mißbrauchen, haben in diesem Beruf des Journalisten nichts zu suchen, weil sie letztendlich korrupt und dadurch unglaubwürdig sind und auch bleiben.

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