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Das DSGVO-Chaos bei internationalen Medien: extra teures EU-Abo, Subdomain oder schlicht nicht mehr erreichbar

“Momentan nicht verfügbar in den meisten europäischen Ländern” – Los Angeles Time offline; USA Today führt Subdomain ein
"Momentan nicht verfügbar in den meisten europäischen Ländern" – Los Angeles Time offline; USA Today führt Subdomain ein

Am heutigen Freitag tritt die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auf dem gebiet der Europäischen Union in Kraft. Die Medien in den USA sind unterschiedlich gut darauf vorbereitet und präsentieren verschiedene Lösungen: Die einen lagern die EU-Leser auf Sonderseiten aus, die anderen bieten spezielle EU-Abos an. Und die Zeitungen zweier Medienunternehmen sind erst gar nicht zu erreichen.

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Besuchen Leser von der EU aus aktuell die Webseiten des Wall Street Journals oder von USA Today, wird durch die Domain ersichtlich, dass man nicht auf den eigentlichen Webseiten der Medien landet, sondern auf einer besonderen Fassung für die EU. USA Today hat dafür eine Subdomain eingerichtet. Hält man sich innerhalb der EU auf, wird man automatisch auf eu.usatoday.com weitergeleitet. Die Seite hat auch ein anderes Erscheinungsbild als die eigentliche Nicht-EU-Edition. USA Today erklärt den Schritt damit, dass sie auf der EU-Version ihrer Webseite keine personenbezogenen Informationen sammeln und keine Nutzer tracken.

Dadurch entfallen auf der Seite 19 Tracker, die USA Today sonst nutzt, wie sich mit Ghostery überprüfen lässt. Dadurch verbessert sich auch merklich die Ladezeit der Seite, wie der Social-Media-Analyst Luca Hammer angemerkt hat:

Beim Wall Street Journal lautet die Domain nach der Weiterleitung wsj.com/europe. Den Journalisten dort wurde wohl nicht erklärt, dass Europa und die EU nicht deckungsgleich sind und die DSGVO nicht in ganz Europa anzuwenden ist.

Beim Besuch der Washington Post werden dem Leser nun drei Optionen angeboten, um die Nachrichten zu lesen. Neben dem Metered-Model, bei dem eine bestimmte Anzahl an Artikel monatlich gratis gelesen werden kann, lässt sich eine “Basic Subscription” sowie eine “Premium EU Subscription” abschließen. EU-Bürger müssen monatlich drei Dollar zusätzlich zahlen, damit kein Drittanbieter-Tracking eingesetzt und keine On-Site Werbung geschaltet werden. US-Lesern wird dieses Angebot nicht gemacht.

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Bemerkenswert ist, dass tatsächlich keine Tracker oder Ähnliches auf den Seiten platziert werden und dass dies so hervorgehoben wird. Denn auch mit der DSGVO dürften diese weiter eingesetzt werden, solange die Nutzer dem zugestimmt haben und in den Datenschutzrichtlinien aufgeführt ist, welche genutzt werden.

Andere haben es wohl nicht geschafft, rechtzeitig die Anforderungen der DSGVO zu erfüllen. Alle Webseiten der Zeitungen der Medienunternehmen Tronc (früher Tribune Publishing), zu dem die Los Angeles Times und die Chicago Tribune gehören, und Lee Enterprises sind aktuell aus EU-Ländern nicht zu erreichen. Bei den Tronc-Medien werden die Nutzer stattdessen auf folgende Landing-Page geleitet:

Aktuelle Meldung bei allen Tronc-Medien, wenn die Seiten aus Europa aufgerufen werden

Von der lange angekündigten DSGVO wurde auch der Später-lesen-Dienst Instapaper überrascht. Am vergangenen Mittwoch verschickten die Macher eine E-Mail an ihre Nutzer in der EU, in denen sie mitteilten, dass der Dienst wegen der DSGVO für einen unbestimmten Zeitraum nicht verfügbar sein wird.

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