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Scherzen im Job: „Guter Humor ist ein bisschen wie Flirten“

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Humortrainerin Eva Ullmann erklärt, warum es wichtig ist, auch im Büro mal ausgelassen zu lachen und in welchen Situationen aggressiver Humor erlaubt ist. Und mit welchen Witzen sich Führungskräfte zurückhalten sollten.

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Von Milena Merten

Frau Ullmann, geht es in Unternehmen hierzulande tatsächlich so ernst zu, dass deutsche Führungskräfte professionelle Humor-Nachhilfe brauchen?

Eva Ullmann: (lacht) Nein. Das Klischee von den humorlosen Deutschen hat sicher etwas mit der typisch deutschen Arbeitseinstellung zu tun: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Aber das ändert sich gerade. Vor allem junge Menschen wollen auch an ihrem Arbeitsplatz Spaß haben.

“Zuerst machen wir uns ein Bild von der Humorkultur im Unternehmen”

Und deshalb bringen Sie Managern das Lachen bei. Wie kann ich mir so ein Humortraining vorstellen?
Zuerst machen wir uns ein Bild von der Humorkultur im Unternehmen: Wann und wie viel wird miteinander gelacht? Ist der Humor versteckt oder offen, flach oder subtil? Was ist erlaubt? Wir wenden auch Übungen aus dem Improvisationstheater an – die sind oft so paradox, dass man schnell kichern muss, ohne dass man lange darüber nachdenkt. Damit holen wir die Menschen erst einmal aus ihrem Alltag raus, wir bringen Leichtigkeit und Lachen in die Gruppe. Anschließend trainieren wir zwei Tage lang konkrete Humortechniken.

Welche sind das?
Ein Stilmittel ist die Übertreibung. Bei körpersprachlichen Übungen lasse ich die Chefs eigene Stärken oder Macken übertreiben. Sie sagen dann zum Beispiel: „Ich kann so gut zuhören, dass ich noch zuhöre, wenn mein Gegenüber schon weg ist.“

Wozu sind solche Übungen gut?
Die Teilnehmer sollen ein Gefühl dafür kriegen, wann Dinge komisch werden. Führungskräfte sind ja sehr auf Logik trainiert. In unseren Seminaren sollen sie lernen, unlogische, ungewöhnliche Antworten zu geben, die Perspektive zu wechseln, zu überraschen.

“Wir unterscheiden zwischen sozialem und aggressivem Humor”

Das birgt gerade für Chefs aber auch Risiken. Die Mitarbeiter wollen ja ernst genommen werden…
Stimmt, als Führungskraft müssen Sie einen sehr eindeutigen und wertschätzenden Humor einsetzen. Wir unterscheiden zwischen sozialem und aggressivem Humor. Den Unterschied erkennt man zum Beispiel in dieser Situation: Stellen Sie sich vor, eine ältere Mitarbeiterin lässt in einer Besprechung ein Glas Wasser fallen. Der Chef sagt: „In Ihrem Alter können Sie auch das Wasser nicht mehr so gut halten.“

Das ist dann wohl aggressiver Humor.
Richtig. Das ist zwar ein Perspektivwechsel, aber ein sehr böser. Es wäre liebevoller zu sagen: „Frau Müller, es ist total beeindruckend, wie gut Sie loslassen können. Ich muss dafür jede Woche zum Yoga gehen.“ Die Art und Weise, wie ich Dinge sage, haben eine große Wirkung darauf, ob sie Situationen weiter verschärfen oder entspannen.

Darf ich als Chefin meine Mitarbeiter auslachen?
Grundsätzlich dürfen Sie alles. Humor ist etwas Anarchisches. Er lässt sich nicht in einer Formel packen. Mir ist es aber wichtig, Führungskräfte darin zu sensibilisieren, dass verschiedene Humorarten unterschiedliche Konsequenzen haben.

Warum schulen Sie denn eigentlich nur Führungskräfte und nicht alle Mitarbeiter?
Wenn die Leitungsebene Humor nicht zulässt, ist es verschwendetes Geld, wenn ich die Mitarbeiter im Service darauf trainiere, humorvoller mit den Gästen umzugehen. Wenn Sie meine Tipps umsetzen, kommt im Zweifel der Chef und fragt: „Was soll das denn?“ Deshalb ist es sinnvoll, oben anzufangen und danach die Masse zu trainieren. Außerdem gibt es bei Führungskräften auch spezielle Humortechniken, die Sie nutzen können, um sich durchzusetzen.

Welche denn?
Wenn jemand in einer Besprechung zu mir sagt: „Das ist ja ein hübsches Kleid, gibt’s das auch in Ihrer Größe?“ Dann ist es gut, wenn ich darauf schlagfertig reagieren kann, indem ich zum Beispiel entgegne: „Interessant, dass gerade Sie das sagen.“

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“Machen Sie den Witz eindeutig und groß, damit er verstanden wird”

Da wären wir wieder bei aggressivem Humor.
Genau. Damit kann ich Kollegen gezielt auf ihren Platz verweisen. Wenn Chefs Humor nutzen wollen, um ihren Status zu manifestieren, dann trainiere ich sie in aggressivem Humor. Aber gegenüber den Mitarbeitern ist diese Art von Humor nicht zu empfehlen. Da sollten Chefs versuchen, Distanz abzubauen statt mehr Distanz zu schaffen.

Wie schaffe ich das?
Meine Empfehlung ist: Machen Sie den Witz eindeutig und groß, damit er verstanden wird. Eine Übertreibung ist immer einfacher zu verstehen als Ironie – vor allem in E-Mails. Witze in Mails sind erlaubt, aber Sie müssen beachten, dass der Empfänger die Stimmlage und den Gesichtsausdruck nicht dazu sieht – das macht die Wahrscheinlichkeit größer, dass der Empfänger Sie missversteht.

Gibt es auch Menschen, die einfach gar keinen Humor verstehen?
(lacht) Ich glaube, wir diagnostizieren gern: „Der hat einfach keinen Humor.“ Aber die Wahrheit ist wohl eher, dass nicht alle Menschen den gleichen Humor haben. Und ich mache immer wieder die Erfahrung, dass manche Berufsgruppen – egal ob Bauingenieure oder Oberärzte – so sehr im logischen Denken drin sind und ihre Unternehmen so logisch aufgebaut sind, dass sie an Kreativität und Leichtigkeit verlieren. Ich habe nie das Gefühl, dass ich Humor erst beibringen muss, aber manchmal muss ich ganz schön tief graben.

Macht Humor produktiver?
Wir konnten jedenfalls nachweisen, dass Humor die Selbstwirksamkeit steigert.

Was bedeutet das?
Menschen haben dann eher das Gefühl, in ihrer Position im Unternehmen einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Humor kann meine Perspektive auf langweilige Aspekte meines Jobs ändern und hilft dabei, Widersprüche auszuhalten. Wenn ich zum Beispiel das Gefühl habe, dass in meinem Geschäftsbereich zu wenig Geld investiert wird, während es in anderen Bereichen verschwendet wird.

Geht es in den Unternehmen lustiger zu, nachdem Sie mit den Führungskräften trainiert haben?
Ich bekomme häufig Rückmeldungen von Teams, die sagen, dass sie nach einem Humortraining knifflige Situationen kreativer und besser lösen können, zum Beispiel Verhandlungsgespräche.

Was ist für Sie guter Humor?
Guter Humor ist für mich ein bisschen wie Flirten. Ich achte darauf, was mein Gegenüber lustig findet, reagiere mit einem Schmunzeln oder Lachen. Probiere etwas anderes, wenn mein Witz nicht ankommt, lasse mir vom anderen etwas anbieten. Ich finde es immer etwas anstrengend, wenn jemand eine halbe Stunde lang einfach nur einen Kalauer nach dem anderen raushaut und gar nicht darauf achtet, ob der Gesprächspartner das überhaupt lustig findet. Humor ist Interaktion, es geht darum, sich gegenseitig Geschenke zu machen.

Wie wäre es mit einem Abschiedsgeschenk: Was ist Ihr Lieblingswitz?
Der hier geht immer: Barack und Michelle Obama gehen in ein Autohaus. Dabei stellt sich heraus, dass Michelle früher einmal mit dem Besitzer des Autohauses liiert war. Barack sagt: „Wärst du mit ihm zusammengeblieben, wärst du heute die Frau eines Autohausbesitzers.“ Michelle antwortet: „Nein, wenn ich heute noch mit ihm zusammen wäre, wäre er heute Präsident der USA.“

Das Interview erschien zuerst bei der WirtschaftsWoche und ist Teil eines Specials über Humor im Büro

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