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“Gefühlte Pressefreiheit”: Wie die ZDF-Satire “Die Anstalt” den Madsack-DuMont-Deal in Berlin vorwegnahm

Vielfalt oder Einfalt? Max Uthoff (l.) und Claus von Wagner widmeten sich in der ZDF-“Anstalt” dem Thema Medienkonzentration
Vielfalt oder Einfalt? Max Uthoff (l.) und Claus von Wagner widmeten sich in der ZDF-"Anstalt" dem Thema Medienkonzentration

Selten war Satire so nah an der Nachrichtenlage. Am Dienstag widmete die ZDF-Satire-Show "Die Anstalt" dem Thema Medien und Medienkonzentration ein ganzes Special. Tags darauf verkündeten die Verlage DuMont und Madsack, dass sie ihre Hauptstadt-Redaktionen in Berlin zusammenlegen. Beide Verlage spielten auch bei der "Anstalt" eine Rolle. Die Satire-Show nahm die reale Entwicklung praktisch vorweg.

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In der Satire-Show besuchte der Kabarettist Max Uthoff in seiner Rolle als Medienmogul Dr. Hubert Bertels-Springer einen Presse-Kiosk und unterhält sich mit dem “Staats-Kabarettisten” Claus von Wagner. Zunächst widmen sich die beiden der Regenbogenpresse mit ihren immer wiederkehrenden Baby- und Hochzeitsgeschichten aus der Welt des Hochadels, die oftmals frei erfunden sind. Von Wagner: “Die Boulevardmedien haben eine eigene Rubrik für das Wahre. Nennt sich Gegendarstellung.”

“Dr. Bertels-Springer” verweist dann auf die Vielfalt an Tageszeitungen, die es in Deutschland gibt. Schnell macht Wagner klar, dass die scheinbare Pressevielfalt eine Mogelpackung ist. Die großen Verlage, wie eben Madsack und DuMont (die neben der Südwestdeutschen Medien Holding, der Funke Medien-Gruppe und Axel Springer in der Sendung aufgegriffen wurden) betreiben in der Regel nur eine Hauptstadtredaktion, die für viele verschiedene Blätter die überregionale Berichterstattung liefert.

Durch die Zusammenlegung der Berlin-Dependancen von DuMont und Madsack ist es nun sogar noch eine Berliner Groß-Redaktion weniger. Allerdings prangern die Kabarettisten in der Sendung auch eher alte Hüte an. Wie etwa, dass diverse Regionalausgaben von Zeitungen den identischen Mantelteil haben, wie am Beispiel von Titeln der SWMH illustriert wird. Das war aber freilich schon immer so und muss auch nicht per se verwerflich sein, passte aber halt hübsch in die Gesamtaussage der Sendung. Weit bedenklicher ist freilich, dass Zeitungen wie die WAZ, die Westfälische Rundschau und die Ruhr-Nachrichten für eine Stadt wie Dortmund nur noch ein und denselben Lokalteil haben. Hintergrund ist, dass die Funke-Gruppe 2013 die Westfälische Rundschau praktisch entkernt hat und diese seither für die Dortmund-Ausgabe den Lokalteil der Ruhr-Nachrichten übernimmt. Auch das spießten Uthoff und Wagner in der Sendung auf. Allerdings ist Dortmund ein, wenn auch krasser, Einzelfall.

Die “Anstalt”-Macher gingen in der Medien-Ausgabe ihrer Show nicht nur mit der Presse hart ins Gericht. In einer Verballhornung der Talkshow “Hart aber fair” (“Hart aber leer”) bekam auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen sein Fett weg. Kritisiert wurden u.a. die teuren Sportrechte, seichte Unterhaltung und stundenlanges Übertragen von Royal-Hochzeiten. Auch die Verflechtungen der Sender mit unzähligen Tochterfirmen und intransparenten Finanzstrukturen von ARD und ZDF sowie die Zusammensetzung der Fernsehräte wurden thematisiert.

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Im Quiz “Wer wird Milliardär?” moderierte Angela Merkel (von Wagner) dann noch ein Konzentrations-Ratespiel mit Bertelsmann-Besitzerin Liz Mohn, Friede Springer und Hubert Burda, bei dem deutlich gemacht wurde, wie viele Medien zu den jeweiligen Konzernen gehören. Am Ende fragte die Wagner-Merkel die drei Medien-Milliardäre, ob sie nun mit ihren zusätzlichen Millionen mal etwas ganz Verrücktes anstellten wollten, vielleicht in den eigenen Sendern oder Zeitschriften “die Medienkonzentration kritisch hinterfragen oder die Arbeitsbedingungen der eigenen Journalisten aufarbeiten?” Nö, dazu hatten die drei dann doch eher keine Lust. “Solche Quotenkiller überlassen wir den Öffentlich-Rechtlichen”, sagte die Uthoff-Friede-Springer. Schluss-Kommentar von Wagner: “Richtig, das macht die Anstalt!”

Die jüngste “Anstalt”-Ausgabe ist in der Tat ein gutes Beispiel dafür, was öffentlich-rechtliches Fernsehen im besten Falle zu leisten vermag.

Hier gibt es die aktuelle Folge der “Anstalt” in der ZDF-Mediathek.

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Alle Kommentare

  1. Jepp …! An all die Nörgler und Netflix, Blabla-Abonnenten. Wie viel Dröhnung braucht man denn noch, wenn man schon die Privaten hat? Sicher, ARD und ZDF sind auch nicht immer “erste Sahne”, aber mir immer noch lieber als diese Wischiwaschi-Hirnabschaltsender.
    Und die Anstalt? Na, seit die Beiden das machen, hat sich das Blatt gewendet. Da muss man sich nicht mehr nen hoppelnden Priol ansehen, der genauso ausgelutscht war wie dieses gealterte Harry Potter Double.

  2. Schon wieder ein Beispiel für die Veruntreuung von Rundfunkbeiträgen.
    Die Hetzer aus der Anstalt pöbeln mal wieder rum. Die heilige Kuh “Pressefreiheit” wird mal bemüht, ein bisschen “Vielfalt” eingestreut und morgen wird wieder unreflektiert bei dpa eingekauft damit die eigene Altersvorsorge auch zukünftig üppig bleibt.

    1. Ist nicht nur in Dortmund so. Auch in Stuttgart wurden die Redaktionen von Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung zusammengelegt.

    2. Klar. Kaum sagt man mal die Wahrheit und schon ist man ein Hetzer. Kommt nichts von den Öffentlichen, heißt es es wird alles verschwiegen… Bitte hören Sie auf so einen Schwachsinn zu erzählen.

  3. Die Berliner Zeitung ist für mich unlesbar geworden. Das gleiche gilt für Bild, Spiegel und Focus. Es wird nur noch nach gebetet/geschrieben was von den Trompeterinnen aus dem Kanzlerinnenamt kommt. Jegliche kritische Meinungsäußerung in Bezug auf Frau Doktor Angela Merkel und ihre “erfolgreiche Politik” ist unerwünscht. Für diese Hofberichterstattung und das zensieren bzw das gar nicht erst zulassen von Leser Kommentaren gibt es jetzt die wohlverdiente Quittung durch den Leser bzw Zeitungskäufer. Ergebnis. Die verkaufte Auflage ist im freien Fall nach unten.

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