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“Transformation der Medienbranche beschleunigt sich”: Madsack-CEO Düffert zur Mantel-Koop mit DuMont

Madsack-CEO Thomas Düffert
Madsack-CEO Thomas Düffert

Ein regionales Zeitungshaus auf Expansionskurs: Mit seinem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) bietet die in Hannover ansässige Mediengruppe Madsack auch Wettbewerbern Mantel-Content an. Die Gründung einer von Madsack dominierten Gemeinschaftsredaktion mit DuMont ist dabei ein strategischer Quantensprung, der zumindest mit Blick auf DuMont heftige Kritik hervorruft. Der Mediendienst Horizont spricht gar von einer "Kölschen Kapitulation". Madsack-CEO Thomas Düffert sieht das Kooperations-Konstrukt im Interview mit MEEDIA als notwendige Maßnahme zur Sicherung der "publizistischen Vielfalt".

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Welche strategische Bedeutung hat die geplante Allianz mit DuMont für Ihr Zeitungshaus?
Thomas Düffert: Der Transformationsprozess in der Medienbranche beschleunigt sich. Die Dominanz von USKonzernen wie Google und Facebook nimmt immer weiter zu. Zugleich wachsen hierzulandeordnungspolitische Unwägbarkeiten von Datenschutzgrundverordnung bis Leistungsschutzrecht. Wir schauen diesem Wandel unseres Ökosystems nicht einfach zu, sondern gestalten ihn mit. Die Konsolidierung des Marktes ist in vollem Gange. Vielleicht mag es nicht jeder hören, aber das ist,
wenn wir es wirklich ernst meinen mit professionellem Journalismus, auch gut so.

Ist DuMont künftig als 25 Prozent-Teilhaber in der neuen Mantel-Kombi ein reiner Finanzinvestor oder stimmen Sie sich auch über die publizistische Ausrichtung ab?
Wir haben eine strategische Partnerschaft beschlossen – keine Finanzbeteiligung. Die Kollegen bei Madsack, beim Redaktions-Netzwerk Deutschland, freuen sich auf ihre neuen Partner in Köln, Berlin, Halle und Hamburg. Unsere partnerschaftliche Zusammenarbeit sieht so aus, dass sich die Chefredakteure aller Partner-Titel täglich austauschen – wie es beim RND seit Jahren gelebte Praxis ist, dass alle Partner auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Das ist die Art von Netzwerkgedanken,
die wir von Tag eins des RedaktionsNetzwerks Deutschland angelegt haben und die das RND von klassischen Zentralredaktionen klar unterscheidet. DuMont, Madsack und alle Partner des RND arbeiten auf Augenhöhe.

In den Erklärungen der Beteiligten ist mehrfach von Qualitätsjournalismus die Rede. Die gemeinsame Redaktion ist aber vor allem ein Schlag ins Kontor der publizistischen Vielfalt.
Im Gegenteil, die gemeinsame Hauptstadtredaktion ist ein Statement zur langfristigen Sicherung der publizistischen Vielfalt in den Regionen. Unsere Leser interessieren sich für Ihre Heimat, für das lokale und regionale Geschehen. Sie erwarten neben einer erstklassigen regionalen Berichterstattung aber auch gründlich recherchierte und hervorragend geschriebene Beiträge zu nationalen und internationalen Themen. Exklusive Interviews und Analysen namhafter Autoren. Mit der neuen Aufstellung und den zusätzlichen Ressourcen ist durch die RND Berlin GmbH genau das für alle Partner des RedaktionsNetzwerks Deutschland gewährleistet. Außerdem: Es käme ja auch niemand auf die Idee, internationale Nachrichtenagenturen als Gefahr für die publizistische Vielfalt zu betrachten. Sie wurden einst genau aus diesem Grund gegründet: um die Qualität der Berichterstattung aus dem In- und Ausland für viele Partner und Kunden sicherzustellen.

Sie sind mit dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) schon seit längerem dabei, andere Verlage als Kunden für den Mantelteil zu gewinnen. Verhandeln Sie aktuell mit weiteren potenziellen Partnern?
Durch die strategische Partnerschaft mit DuMont werden unsere Journalisten künftig Nachrichten aus Politik und Wirtschaft für mehr als 6, 5 Mio. Leser liefern. Das ist eine ganz besondere Verantwortung, die wir gegenüber unseren RND-Partnern und deren Lesern tragen. Mit dem Redaktions-Netzwerk Deutschland beschreiten wir seit seiner Gründung 2014 unseren eigenen Weg: Wir waren von Anfang an überzeugt, dass regionale Tageszeitungen aus der Stärke eines gemeinsamen Verbund ganz besonders erfolgreich agieren können. Dass diese Überzeugung richtig ist, sehen wir heute mit mehr als 40 Partner-Zeitungen im RND, die alle von der Zusammenarbeit profitieren. Das macht uns immer wieder zum Gesprächspartner potentiellen Partner.

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Die Regionalverlage sind sehr kreativ im Kostenmanagement, was angesichts der Marktbedingungen auch nachvollziehbar ist. Zukunftssicherung braucht aber Investitionen, auch in Personal. Wie sieht es damit aus?
Die Madsack Mediengruppe hat im Frühjahr eines der größten journalistischen Investitionsprogramme der vergangenen Jahre angestoßen. Wir investieren hier in Technik, Spezialisten für digitale publizistische Produkte, inbesondere aber in Journalistinnen und Journalisten. Insgesamt haben wir für unsere journalistische Digitaloffensive 70 Stellen ausgeschrieben. Denn wir glauben unverändert an die Kraft ausgezeichneter journalistischer Arbeit – in Zeitungen und im Web. Bei der RND Berlin GmbH werden nun wieder zehn neue Kolleginnen und Kollegen gesucht. Die Botschaft ist eindeutig: Die Madsack Mediengruppe investiert umfangreich – auch in Personal.

Wenn die Produktion des Mantelteils der Zeitungen durch viele Abnehmer für den einzelnen Titel finanziell günstiger wird, wäre doch eine Aufstockung der Lokalredaktionen sinnvoll, damit die Leser dort einen Mehrwert bekommen. Planen Sie in diese Richtung?
Die Partner im Redaktions-Netzwerk Deutschland profitieren von perfekt auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Inhalte. Das ermöglicht ihnen mehr Freiräume, sie können sich auf ihre Kernkompetenz, die lokalen Inhalte, konzentrieren.

Die Fragen an Thomas Düffert wurden per Mail gestellt.

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Alle Kommentare

  1. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Meedia sich hier zum Stichwortgeber für den PR-Sprech des Herrn Düffert hat machen lassen. Zwar gibt es kritische Zwischentöne in den Fragen, aber die Form des Interviews lässt ein echtes Nachhaken hinter all die Euphemismen scheinbar nicht zu.
    Es dürfte doch allen, die auch nur ein wenig Berührung mit der Materie haben, klar sein, dass Hr. Düfferts Antworten aus dem großen journalistisch-publizistischen Kahlschlag etwas vermeintlich Gutes machen wollen.
    So anmaßend und falsch wie schon der Name „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Madsack-Zentralredaktion wäre wohl ehrlicher und passender) ist, so verlogen und falsch ist auch der „digitale Hub“ in Hannover und jetzt die gemeinsame Redaktion in Berlin.
    Nichts davon ist für irgendwen außer die Besitzer und ihre Portemonnaies gut. Viele Journalisten werden ihre Jobs verlieren, während die Gewinne wundersamerweise weiter steigen.

  2. Errinert sehr an den großen Kahlschlag 2009 bei der WAZ-Gruppe: 300 von 900 Journalistinnen und Journalisten der nordrhein-westfälischen Zeitungen wurde auf einen Schlag gekündigt, um “die Qualität zu verbessern” (http://www.taz.de/WAZGruppestreicht300Stellen/!5167624/). Ja nee, is klar.

    Und das wurde tatsächlich gebetsmühlenartig wiederholt, immer und immer wieder, wahrscheinlich bis auf den heutigen Tag. Seitdem ist ein Drittel der Leserinnen und Leser weggebrochen, und zwar mit deutlich höherer Schwundrate als bei fast allen anderen Tageszeitungen. Und wenn man die Entscheider heute noch einmal fragen, würde, hätten sie bestimmt immer noch alles richtig gemacht damals. Herr wirft eben nicht immer Hirn vom Himmel, leider.

  3. Schade, das meedia.de die Zahlen, die Herr Düffert nennt nicht nachgeprüft hat und nicht kritisch nachfragt. Die 70 Stellen, die im Rahmen der “journalistische[n] Digitaloffensive” ausgeschrieben werden, sind nämlich keine neue Stellen. Größtenteils handelt es sich um Stellenverlagerungen nach Hannover. Allen Digitalredakteuren und Digitalredakteurinnen bei den einzelnen Zeitungstiteln (beispielsweise Leipzig, Potsdam, Rostock, Lübeck) wurde nämlich gekündigt. Sie sollen sich in Hannover neu bewerben. Vielen Kolleginnen und Kollegen mit Familien und Kindern dürfte ein Umzug aber schwer fallen. Madsack investiert hier nicht in Personal, sondern schichtet lediglich um.

    Regional breit aufgestellte Digitalredaktionen abzubauen und stattdessen zu zentralisieren ist eine Strategie, die zumindest für Nachfragen sorgen sollte bei einem Verlag, der massiv mit seinen Kompetenzen im Lokaljournalismus wirbt.

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