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Neue “strategische Partnerschaft” mit Madsack: DuMont-Hauptstadtredakteure vor ungewisser Zukunft

Zur DuMont-Gruppe gehörende Hamburger Morgenpost: Erst vor wenigen Monaten nach Berlin versetzte Mantel-Redakteure werden nun in ihrem Job nicht mehr gebraucht
Zur DuMont-Gruppe gehörende Hamburger Morgenpost: Erst vor wenigen Monaten nach Berlin versetzte Mantel-Redakteure werden nun in ihrem Job nicht mehr gebraucht

Die geplante Gemeinschaftsredaktion der Mediengruppen Madsack und DuMont stößt in der Belegschaft und bei den Gewerkschaften auf Verärgerung. Vor allem die DuMont-Politikredakteure in Berlin haben aus Sicht der Arbeitnehmervertreter durch die strategische Partnerschaft der beiden Verlagshäuser das Nachsehen. Ein Großteil von ihnen verliert ihrer Ansicht nach den Arbeitsplatz in der Hauptstadt.

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Entsetzen in der Belegschaft der zur DuMont Mediengruppe gehörenden Hamburger Morgenpost (Mopo): Erst im vergangenen Jahr hatte die Chefredaktion die Politik-Redaktion in Hamburg aufgelöst. Seit Jahresanfang wurde daher der Politikteil der Boulevard-Zeitung von Berlin aus produziert. Von der Neuorganisation waren sieben Redakteure betroffen, die nach Berlin umziehen mussten. Jetzt droht ihnen wenige Monate später hier bereits wieder der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Denn die neue Gemeinschaftsredaktion, die die beiden Mediengruppen in Berlin aufbauen wollen, bedeutet das Aus für die Hauptstadt-Redaktion des Kölner Medienhauses DuMont. Betroffen hiervon sind insgesamt 17 DuMont-Mitarbeiter – darunter die Mopo-Redakteure.

Sie können sich zwar bei der neuen RND Berlin GmbH (75 % Madsack, 25 % DuMont) bewerben. Doch nicht alle DuMont-Redakteure werden hier einen Arbeitsplatz bekommen. Denn nach Angaben der DuMont-Betriebsräte sollen bei der neuen Madsack/DuMont-Gemeinschaftsredaktion nur zehn neue Stellen aufgebaut werden. „Schon rechnerisch ist das ein brutaler Abbau, der den Kollegen nach vielen Gerüchten im Konzern heute erstmals als ‘strategische Partnerschaft’ präsentiert wurde“, teilen die DuMont-Betriebsräte mit.

Besonders der Mopo-Betriebsrat ist angesichts des neuen Konstrukts verstimmt, da ihren Politik-Redakteuren eine ungewisse Zukunft bevorsteht. So sichert zwar die Mopo-Geschäftsführung den Journalisten in Hamburg einen Arbeitsplatz zu. Da hier aber keine Politik-Berichterstattung mehr stattfindet, ist hier ihr künftiges journalistisches Arbeitsfeld völlig unklar. „Was für ein Licht wirft das ganze Trauerspiel eigentlich auf den Umgang des DuMont-Konzerns auf seine Mitarbeiter?“, fragt deshalb der Mopo-Betriebsrat.

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Ein DuMont-Sprecher hält auf MEEDIA-Anfrage zu dem Personalumbau fest: „Grundsätzlich werden alle zurück nach Hamburg versetzt, dort werden individuelle Regelungen angestrebt. Dabei gibt es teils bereits bestehende ATZ-Vereinbarungen oder bevorstehende Renteneintritte“. Zudem bestünde die Möglichkeit, sich „auch auf mögliche freie Stellen bei der Mopo, beim RND Berlin (10 zusätzliche Stellen) oder aber beim RND in Hannover (vier zusätzliche Stellen) zu bewerben“, betont ein Verlagssprecher. Zugleich stellt er eindeutig klar: „Genehmigt das Kartellamt die Planung, entfallen zum 1. Oktober 2018 die Aufgaben der Politikredaktion, alle Boulevardtitel erhalten dann Politik- und Wirtschaftsinhalte vom RND Berlin beziehungsweise fertige Seiten aus Hannover.“

Auch die Gewerkschaft verdi befürchtet, dass durch die Bündelung der überregionalen Berichterstattung durch Madsack und DuMont die Meinungsvielfalt verlorengeht und weitere Arbeitsplätze im Zeitungsjournalismus bedroht sind. “Wer auf sinkende Auflagen mit der Einschränkung journalistischer Vielfalt reagiert, ist auf dem falschen Weg”, kritisierte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Frank Werneke. Zudem zeigt er sich besorgt, dass die Medienkonzentration in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen hat. “Der Verlust von Presse- und Meinungsvielfalt erfüllt uns mit großer Sorge, denn Vielfalt ist eine der Voraussetzungen für die Pressefreiheit”, betont Wernecke. “Die Zahl der Landkreise, in denen es nur eine Tageszeitung gibt, steigt kontinuierlich an. Zudem haben immer mehr Tageszeitungen denselben Mantelteil. Wer Abo-Zahlen steigern will, sollte nicht auf Einheitsbrei setzen, sondern auf Differenzierung und eine Vielfalt von Perspektiven in der journalistischen Berichterstattung.”

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