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Wochenrückblick: Spiegel-Chef Brinkbäumer und Medienkolumnist Renner als hanseatische Streithähne

Kretschmer-Magazin der Bild, Spiegel-Chef Klaus Brinkbäumer, Karikaturist Dieter Hanitzsch, Logo von Girondis Bordeaux
Kretschmer-Magazin der Bild, Spiegel-Chef Klaus Brinkbäumer, Karikaturist Dieter Hanitzsch, Logo von Girondis Bordeaux

Die Süddeutsche druckte eine offensichtlich antisemitische Karikatur und feuerte kurz darauf den Karikaturisten. Ein Fußballverein sorgt für eine Delle in der RTL-Group-Bilanz. Kai Diekmann stichelt gegen Gruner + Jahr. Und die beiden Hamburger Top-Journalisten Klaus Brinkbäumer und Kai-Hinrich Renner zoffen sich öffentlich. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Riesen-Ärger wegen einer offensichtlich antisemitischen Karikatur von Dieter Hanitzsch diese Woche auf der Meinungsseite der SZ. Zu sehen ist der israelische Premier Benjamin Netanjahu im Outfit der ESC-Siegerin Netta wie er eine Rakete mit Davidstern schwingt und sagt “Nächstes Jahr in Jerusalem”. Im Hintergrund wurde ein Buchstabe des Wortes “Eurovision” auch durch den Davidstern ersetzt.

SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach hat sich schon entschuldigt und die Zeitung hat Hanitzsch dann Hals über Kopf rausgeschmissen. Der versteht nun die Welt, bzw. die SZ nicht mehr. In einem Interview sagt Hanitzsch, er habe doch nur die Politik Netanjahus kritisieren wollen und dass dieser den ESC-Sieg politisch instrumentalisiert habe, weil er eben nach dem Sieg seiner Landsmännin gesagt hat “Nächstes Jahr in Jerusalem”. Das empfand Hanitzsch als unpassend, weil es doch wegen der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem “gerade im Moment dort besonders brodelt”. Könnte Netanjahu das aber auch gesagt haben, weil “Nächstes Jahr in Jerusalem” eine traditionelle Redewendung am Ende des jüdischen Pessach-Festes ist. Den Davidstern hat Hanitzsch beim Wort “Eurovision” eingebaut, weil Israel im kommenden Jahr Ausrichter des ESC ist und auf die Rakete hat er den Stern nochmal gemalt, weil dort für die Flagge kein Platz gewesen sei. Und die großen Ohren und Wulst-Lippen hat er dem Netanjahu gezeichnet, weil man das bei einer Karikatur halt mal so macht. So richtig schön isser ja nun nicht, der “Bibi”. Das alles mag für sich genommen stimmen, aber am Ende kommt dann aber eben eine Karikatur heraus, die mehrfach mit dem Davidstern arbeitet, antisemitische Klischeebilder (übergroße Ohren) bedient und Israel, bzw. “den Juden” (die Flagge hat ja dummerweise nicht auf die Rakete gepasst) wieder mal Kriegstreiberei vorhält. Antisemitischer geht’s kaum, egal ob beabsichtigt oder nicht. Die große Frage, wie das bei der SZ durchrutschen konnte, ist noch ungeklärt. Die beiden Chefredakteure und Heribert Prantl, der für die Meinungsseite verantwortlich ist, waren laut Hanitzsch nicht da. Aber das taugt ja wohl kaum als Erklärung. Zumal die SZ auch in der Vergangenheit schon Ärger wegen antisemitisch anmutender Karikaturen hatte. Man hätte also durchaus ein bisschen sensibel sein können.

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Bilanzmeldungen lesen kann (manchmal) bilden. So lernte ich in dieser Woche, dass die RTL Group neben vielen, vielen TV-Firmen auch im Besitz eines Fußballclubs ist, nämlich des Girondins Bordeaux. Der gehört dem französischen RTL-Sender M6. Weil die Kicker aus Bordeaux viel Geld latzen mussten, um ihren Trainer loszuwerden, gab es auch in der Gesamtbilanz der RTL Group für das 1. Quartal eine kleine Delle. Der Rückgang des operativen Gewinns von 264 auf 259 Mio. Euro sei vor allem auf um elf Mio. Euro höhere Verluste bei Girodins zurückzuführen, teilte die Gruppe mit. Für die Fußballer ist das womöglich nicht so doll, wenn ihnen nun solcherlei Aufmerksamkeit zuteil wird. Zum Kerngeschäft der RTL Group gehört Fußball nämlich gewiss nicht. Also: auf dem Rasen. Im TV schon.

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Gruner + Jahr hat kürzlich angekündigt noch eines dieser trendigen Personality-Magazine herausbringen zu wollen. Nach Barbara Schöneberger, Dr. Eckart von Hirschhausen und Joko Winterscheidt bekommt nun also auch der Mode-Kommentierer Guido Maria Kretschmer sein eigenes Hefterl bei den Gruners. Das veranlasste den früheren Bild-Chefredakteur und aktuellen Zaster-Zampano Kai Diekmann zu einer kleinen Twitter-Spitze:

Wobei: Die Guido-Sonderausgabe des Bild-Ablegers “Stars” mit einem regelmäßig erscheinenden Heft zu vergleichen ist ja auch so ein bisschen naja. Die “Original-Entwürfe für Anziehpuppen”, die da in der Ecke des Bild-Heftes angepriesen werden, wären aber vielleicht tatsächlich eine Idee für das neue Guido-Magazin. Oder wie man in diesen Kreisen sagen würde: eine Inspiration.

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Gar nicht so feine Töne erklingen aus der Medienstadt Hamburg. Es gibt gehörig Knatsch unter lieben Kollegen! Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hat der Marketing-Fachzeitschrift Horizont ein Interview gegeben (Paid Content), in dem er – freilich ohne Namen zu nennen, das wäre dann wohl wirklich zu unfein – gegen den Hamburger Medienjournalisten Kai-Hinrich Renner schießt. Der hatte vor einiger Zeit in seiner Kolumne, die er mittlerweile für die Funke-Zeitungen schreibt, über eine Abberufung Brinkbäumers an der Spiegel-Spitze spekuliert. Wörtlich sagte Brinkbäumer in Horizont:

Die kleine Abendblatt-Kampagne hatte etwas Denunziatorisches und Intrigantes, weil die Fakten falsch oder unpräzise waren, verbunden mit unsauberem Handwerk. (…) Aus anonymen Einzelstimmen – ohne diese wäre der Spiegel dann ja doch nicht der Spiegel – und ansonsten ohne Quelle eine Lage zu konstruieren, um eben diese herbeizuschreiben, setzt jedenfalls keine journalistischen Standards. Der Autor nennt sich stolz “Todesvögelchen”; ich verstehe diesen Beruf anders.

“Kleine Abendblatt-Kampagne”, “denunziatorisch”, “intrigant”, “falsch”, “unpräzise”, “unsauber”. Man darf herauslesen, dass dem Spiegel-Chef der Renner-Text über seine angebliche Demission nicht wirklich supergut gefallen hat. Außerdem gibt Brinkbäumer noch zu Protokoll, dass er er “selbstverständlich eine Gelegenheit zur Stellungnahme genutzt hätte.”

Uiuiui. Hat Kai-Hinrich Renner etwa den Spiegel nicht vorab konfrontiert? Renner fühlte sich jedenfalls angesprochen und bei der Ehre gepackt. Er platzierte seine Replik bei kress.de. “Selbstverständlich” habe er Brinkbäumer die Möglichkeit gegeben, zu den geschilderten Sachverhalten Stellung zu nehmen, so Renner dort und weiter: “Bis zum Zeitpunkt des Erscheinens unseres Artikels hielt es Brinkbäumer nicht für nötig, sich zu den Recherche-Ergebnissen zu äußern. So, und jetzt wäre es noch interessant zu erfahren, welche unserer Fakten denn falsch waren.”

Auch bei Twitter zeigt sich Renner empört:

Die beiden werden wohl so schnell keine dicken Freunde mehr. Worüber ich mich bei den Aussagen Brinkbäumers in der Horizont am meisten gewundert hatte, war aber die Bezeichnung “Todesvögelchen”, die sich “der Autor”, gemeint war also wohl Renner, angeblich “stolz” gebe. “Todesvögelchen”, was für ein seltsamer Spitzname. Bisher kannte ich für den Kollegen nur den von Turi2 geprägten Ehrentitel “Medien-Wühlmaus”, wegen der vielen investigativen Stories, die er “aufwühlt”. Um im Tierreich zu bleiben: Die Gemüter der hanseatischen Streithähne werden sich gewiss bald wieder beruhigen.

Ihnen ein wunderbar friedvolles Pfingst-Wochenende!

PS: Auch diese Woche gibt es wieder eine neue Ausgabe des Podcasts “Die Medien-Woche” mit Christian Meier (WELT) und mir. Auch ohne lustigen Spitznamen füreinander reden wir über die missratene Karikatur in der SZ, über den ersten Auftritt des neuen P7S1-CEO Max Conze, den Rundfunkbeitrag vorm Bundesverfassungsgricht und diese Sache mit den Grünen und dem Trinkwasserpreis. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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