Partner von:
Anzeige

Nach Streit um Karikatur: Süddeutsche Zeitung trennt sich von Zeichner Dieter Hanitzsch

Die Karikatur von Dieter Hanitzsch und SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach
Die Karikatur von Dieter Hanitzsch und SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach

Seit vielen Jahren zeichnet Dieter Hanitzsch politische Karikaturen für die Süddeutsche Zeitung. Dann erscheint eine Zeichnung, die den Eurovision Song Contest mit der Lage in Israel verbindet. Sie löst enorme Proteste aus und Hanitzsch wird Antisemitismus vorgeworfen. Nun beendet die Zeitung ihre Zusammenarbeit mit dem Zeichner.

Anzeige
Anzeige

Nach der Antisemitismus-Kritik an einer Karikatur von Dieter Hanitzsch hat sich die Süddeutsche Zeitung (SZ) von ihrem langjährigen Zeichner getrennt. “Grund hierfür sind unüberbrückbare Differenzen zwischen Herrn Hanitzsch und der Chefredaktion darüber, was antisemitische Klischees in einer Karikatur sind”, teilte die SZ-Chefredaktion am Donnerstag mit. “Dies hat sich nicht nur in der veröffentlichten Karikatur selbst, sondern auch in Gesprächen mit Herrn Hanitzsch gezeigt.”

Laut dem SZ-Chefredakteur wollte Hanitzsch mit seiner Darstellung lediglich darauf hinweisen, dass das nächste ESC-Finale 2019 in Jerusalem stattfinden soll. Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen sagte der Karikaturist, dass ihn der Vorwurf eine antisemitische Zeichnung veröffentlicht zu haben, nicht treffe. Er erklärte weiter: “Habe es so nicht gemeint. Die Politik Netanjahus möchte ich kritisieren können, auch als Deutscher.” Die Rakete mit dem Davidstern sei ein “Symbol für seine nicht sehr friedensfördernde Politik”. Er möchte sich zudem nicht für die Karikatur entschuldigen, bekräftigte er gegenüber der Zeitung. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte der 85-Jährige: “Ich bereue die Karikatur nicht.” Es tue ihm aber leid, wenn sich jemand verletzt fühle. Er werde versuchen, die Karikatur zu erklären und seinen Standpunkt darzustellen. “Ich fühle mich aber nicht schuldig”, sagte Hanitzsch dem RND.

Chefredakteur Wolfgang Krach entschuldigte sich am Dienstag in einer öffentlichen Stellungnahme für die Zeichnung und gestand einen Fehler ein. Außerdem kündigte die SZ an, ihre redaktionsinternen Abläufe bei der Veröffentlichung von Karikaturen überprüfen und gegebenenfalls verändern zu wollen.

Anzeige

Beim Presserat sind bis Mittwochvormittag vier Beschwerden eingegangen, wie eine Sprecherin gegenüber MEEDIA erklärte. Mittlerweile sind es sechs Beschwerden und der Deutsche Presserat hat angekündigt, ein Prüfverfahren einzuleiten.

Die SZ hatte in der Dienstagausgabe eine Karikatur gedruckt, die Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in Gestalt der israelischen Eurovision-Song-Contest-Siegerin Netta mit einer Sprechblase “Nächstes Jahr in Jerusalem!” und einer Rakete in der Hand zeigt. Auf der Rakete ist ein Davidstern abgebildet, im Schriftzug “Eurovision Song Contest” ersetzt ein Davidstern das “v”. Der Davidstern steht als Symbol für das Volk Israel und das Judentum. Die Darstellung war vielfach als antisemitisch kritisiert worden.

Mit Material der Dpa.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia