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Mitgliederschwund beim Lesezirkel: Neuer Chef verschlankt den Verband

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Der neue Chef des Verband Deutsche Leserzirkel: Axel Walkenhorst

Auch der Verband Deutsche Leserzirkel bekommt den wirtschaftlichen Druck in der Printbranche zu spüren. Die Interessengemeinschaft verliert an beitragszahlenden Mitgliedern und reagiert unter anderem darauf mit personellen Einschnitten. Der neue Verbandschef Axel Walkenhorst will zudem verstärkt das Gespräch mit den Verlagen suchen, um Lesern den Konsum von Printprodukten schmackhafter zu machen.

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Mal den Spiegel, mal Focus oder Lisa – in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Friseur können sich Besucher die Wartezeit verkürzen, indem sie in Zeitschriften blättern. Dazu greifen sie zu den sogenannten Lesemappen, die Unternehmen von Lesezirkel-Betrieben gegen Gebühr mieten können. Diese wiederum kaufen die Magazine bei den Verlagen ein. Für diverse Printhäuser ist dies ein wichtiger und remissionsloser Vertriebsweg sowie eine gute zusätzliche Einnahmequelle. Ein Geschäftsmodell, das seit mehr als 100 Jahren funktioniert.

Organisiert sind die Mitgliedsunternehmen im Verband Deutscher Lesezirkel (VDL), der 1908 in Leipzig gegründet wurde. Doch die Interessengemeinschaft verliert zunehmend an beitragszahlenden Mitgliedern. Zählte der Verband 2016 noch 72 Mitglieder, waren es im vergangenen Jahr nur noch 67. Zwar bekomme der Verband in diesem Jahr ein neues Mitglied hinzu. Dennoch rechnet Walkenhorst damit, dass der Mitgliederschwund mittelfristig weitergeht. „Wir sind in einem rückläufigen Markt, in dem wir uns behaupten müssen“, betont der Verbandschef. Walkenhorst war Mitte vergangenen Jahres zum neuen Verbandsvorsitzenden gewählt worden. Er hatte die Nachfolge von Günther Hildebrand angetreten, der nach 20 Jahren als VDL-Vorsitzender nicht wieder für das Amt kandidierte.

Grund für den Mitgliederrückgang ist unter anderem der seit Jahren schleichende Konzentrationsprozess in der Branche, weil den meist in Familienhand befindlichen Betrieben geeignete Nachfolger fehlen. “Die meisten LZ-Unternehmen werden als Familienbetriebe geführt, jedoch hat die jüngere Generation vielfach wenig Interesse, das Geschäft zu übernehmen”, konstatiert Walkenhorst. Dennoch wächst auch der wirtschaftliche Druck auf die Unternehmen. Einer der Gründe sind die wachsenden Zustellkosten durch den Mindestlohn, der im nächsten Jahr angehoben werden soll. Dies belastet die Ertragslage der LZ-Unternehmen, die mit Preiserhöhungen gegensteuern. Walkenhost könne sich deshalb vorstellen, mit dem Bundesverband der Grossisten über Kooperationen zu sprechen.

Doch es gibt noch weitere Kostenfaktoren. So erhöhen sich auch die Kosten, die zur Akquisition speziell privater Kunden erforderlich sind. Zudem verlangen die Verlage sukzessive höhere Abgabepreise vom Lesezirkel. Auch auf der Erlösseite nimmt der Druck zu. So erwartet der Geschäftsmann, dass der Umsatz der Branchenbetriebe 2018 weiter zurückgeht – wenn auch leicht. Erstmals im vergangenen Jahr war der Umsatz um 1,4 Prozent auf 181,3 Millionen Euro gesunken. Zuvor verzeichnete der Verband noch leichte Zuwächse.

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Der Mitgliederschwund macht sich auch bei den Einnahmen im Verband bemerkbar. Die Interessengemeinschaft habe sich deshalb verschlankt. So sei es zu „personellen Einschnitten“ gekommen, betont Walkenhorst. Wie viele Mitarbeiter im Verband dem Rotstift zum Opfer fielen, nannte er nicht. Auch die diesjährige Tagung habe man aus Kostengründen verkürzt.

Walkenhorst will die Entwicklung nicht sang und klanglos hinnehmen. Er sucht verstärkt das Gespräch mit den Verlagen, um Lesern den Konsum von Printprodukten schmackhafter zu machen. So sollten die Verlage mehr tun, um vor allem jugendliche Zielgruppen zum Lesen zu bewegen. Damit soll auch die Produktpalette der Lesezirkel-Mappen für die Kunden attraktiver werden. Doch das ist nicht alles: Der neue Verbandschef will zudem die Interessengemeinschaft neu ausrichten, um neue Mitglieder und Kunden zu gewinnen. „Um den Verband für Mitgliedsunternehmen noch attraktiver zu machen, wollen wir das Dienstleistungsangebot für unsere Mitglieder verbessern und erweitern“, erklärt der Verbandschef. Dazu gehört unter anderem der Abschuss neuer Rahmenverträge, beispielsweise mit der Unternehmensgruppe Würth und dem Kfz-Dienstleister pitstop.

Vom Gesamtumsatz der LV-Betriebe in 2017 entfielen 164,5 Millionen Euro (minus 1,3 Prozent) auf die Zeitschriftenvermietung und 16,8 Millionen Euro (minus 2,2 Prozent) auf das Anzeigen, die auf den Lesermappen abgedrückt werden. Hier hat sich das Vermarktungsgeschäft weiter gefangen. Hier musste der Verband 2015 noch herbe Rückgänge von neun Prozent und 2016 von knapp vier Prozent verkraften. Hier konnte 2017 die Entwicklung deutlich abgebremst werden, da der Verband mit Aldi-Süd einen neuen Anzeigenkunden akquirierte.

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