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Anwalt von WDR-Mann Henke widerspricht Kritik an Kommunikationsstrategie: “Herr Höcker hat keine Ahnung, was geschehen ist”

Anwalt Peter Raue Foto: Felix Stang
Anwalt Peter Raue Foto: Felix Stang

Peter Raue, der Anwalt des WDR-Managers Gebhard Henke, dem sexuelle Belästigungen vorgeworfen werden, weist Kritik am Kommunikationsverhalten seines Mandanten und seiner Kanzlei zurück. Der Medienrechtler Ralf Höcker hatte in einem Interview mit MEEDIA gesagt, Henke habe durch seinen Schritt an die Öffentlichkeit seinen Anonymitätsansprich ohne Not aufgegeben. Raue erwidert nun, sein Mandat habe gar keinen Anonymitätsanspruch gehabt.

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Der Medienrechtler Ralf Höcker hat es in der taz und auch im Gespräch mit MEEDIA als Fehler bezeichnet, dass Gebhard Henke den Weg an die Öffentlichkeit gegangen ist. Sie vertreten Gebhard Henke in der Sache, was sagen Sie dazu?
Peter Raue: Ich finde das ziemlich dreist, denn Herr Höcker hat keine Ahnung, was geschehen ist und kann unser Handeln nicht beurteilen. Nachdem der WDR Herrn Henke gegenüber erklärt hat, dass er von seinen Diensten wegen nicht benannter Übergriffe freigestellt wird und dann öffentlich verkündet, dass ein leitender Mitarbeiter freigestellt wird, war es nur noch eine Frage von Stunde, bis herauskommt, wer als leitender Mitarbeiter den Dienst nicht antritt. Das war der Augenblick, in dem wir nach vorne gegangen sind, eine Presseerklärung abgegeben und erklärt haben: Es handelt sich um Herrn Henke, er kennt keine Vorwürfe und kann deshalb dazu auch nicht Stellung nehmen.

Gebhard Henke steht als Person nun in der gesamten Medien-Berichterstattung fast beispielhaft für alle Belästigungsvorwürfe im Zusammenhang mit dem WDR, eben weil sein Name als einziger öffentlich ist. Finden Sie nicht, dass dies Ihrem Mandaten schadet?
Das Verfahren des WDR, öffentlich bekanntzugeben, dass ein leitender Mitarbeiter freigestellt wurde und innerhalb von 14 Tagen nicht einen Vorwurf benennen zu können, hat meinem Mandaten schweren Schaden zufügt, das ist gar keine Frage. Der Vorwurf, den Herr Höcker erhebt, dass mein Mandant seinen Anonymitätsanspruch “versaut” habe, ist unsinnig, denn er hat keinen Anonymitätsanspruch. Selbstverständlich kann die Presse diesen Namen nennen, wenn man weiß, gegen wen sich der Vorwurf richtet. Der Irrtum von Herrn Höcker ist, dass er Herrn Henke in das mittlere Management eingliedert, weil er offensichtlich nicht weiß, dass Herr Henke der wichtigste Mann für das Fernsehspiel, Kino und Serie  ist. Er ist der Koordinator aller “Tatorte” und einer der wichtigsten Fernsehverantwortlichen. Vom mittleren Management kann bei dieser Position nicht die Rede sein. Die Branche hat ja auch deshalb so elektrifiziert reagiert, weil er diese Prominenz hat.

Wie beurteilen Sie allgemein das Verhalten des WDR in dem Fall?
Ich kann es schwer fassen, was den WDR treibt. Der Sender hört die Vorwürfe von Charlotte Roche, die überall verbreitet worden sind, und dann erklärt Herr Schönenborn (WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn; Anm.d.Red.) öffentlich, dass er diese Vorwürfe für „glaubhaft“ hält, ohne zuvor wenigstens unsere Stellungnahme dazu einzuholen. Das ist eine schwere Fürsorgerechts-Verletzung und wird auch von uns sehr genau beachtet und verfolgt werden

Sie hatten ursprünglich dem WDR eine Frist gesetzt. Bis zum 10. Mai sollten die Vorwürfe gegen Gebhard Henke konkretisiert werden. Diese Frist ist verstrichen und der Sender bat um mehr Zeit, nämlich bis zum 18. Mai, um sich zu äußern. Wie geht es danach weiter?
Der WDR hat mitgeteilt, dass er hofft, die Vorwürfe bis zum 18. Mai konkretisieren zu können. Wenn er das bis zum 18. Mai nicht macht, werden wir rechtliche Schritte gegen die Freistellung unternehmen.

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Kann man sich vorstellen, dass Herr Henke dann einfach an seinen Schreibtisch zurückkehrt und seiner Arbeit nachgeht? Das ist ja doch eine schwierige Situation …
Das ist eine sehr schwierige Situation, aber eher für den WDR als für meinen Mandanten. Er wird weiter arbeiten und in seine Position zurückkehren. Wenn der WDR etwas anderes will, muss er das sagen.

Glauben Sie, dass der Fall irgendwann einmal vor Gericht landet?
Das hängt davon ab, wie der WDR sich verhält.

Auf Nachfrage von MEEDIA gab Ralf Höcker folgende Stellungnahme zu den Äußerungen von Peter Raue ab:

1. Raue hat mir vorgeworfen, ich hätte ihn kritisiert. Das ist falsch. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass ein Presserechtler Herrn Henke empfohlen hat, seinen Namen öffentlich zu machen und so auf den Anonymitätsanspruch zu verzichten. Ich habe dies vielmehr ausgeschlossen und daher auch nicht Raue einen Fehler vorgeworfen, sondern das Verhalten Henkes bewertet. Das ist ein erheblicher Unterschied, denn Mandanten – zumal aus der Medienbranche – haben in PR-Fragen viele Berater und meist auch eine eigene Meinung, die häufig nicht mit der des Anwalts übereinstimmt.

2. Es ist ja nicht so, dass Intendant Tom Buhrow einer Straftat beschuldigt wird. Darüber dürfte man natürlich namentlich berichten. Es geht vielmehr um strafrechtlich irrelevante und obendrein im Detail noch nicht einmal genau bekannte Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter aus dem mittleren Management, den in der breiten Öffentlichkeit zuvor kein Mensch kannte. Henke war beim WDR nur auf der dritten Hierarchieebene. Natürlich ist er damit ein leitender Angestellter im – lediglich – mittleren Management. Vor diesem Hintergrund hatte er selbstverständlich einen Anonymitätsanspruch. Ich könnte Dutzende vergleichbare Fälle nennen, in denen Betroffene ihre Anonymisierung durchsetzen konnten.

3. Dass die Presse herausgefunden hätte, um welchen Mitarbeiter es sich handelt, glaube ich gerne. Dass sie auch seinen Namen genannt hätte, glaube ich nicht. Die Namen der übrigen Beschuldigten werden daher – soweit ich das überblicke –nirgendwo genannt. Im Übrigen kann man auch bereits erschienene Namen im Internet wieder löschen lassen. Es geht in solchen Fällen immer darum, für die Zukunft unschöne Google-Treffer zu beseitigen und zu verhindern.

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