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“Das Eigentor”: Mesut Özil und Ilkay Gündogan treffen Erdogan zum Trikottausch – ein selbst verschuldetes PR-Desaster

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Ein Foto, das alles veränderte: Ilkay Gündogan, Mesut Özil und der türkische Präsident Erdogan

Um 12.30 Uhr benennt Jogi Löw seinen vorläufigen Kader für die Fußball-WM in Russland im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Gute zwei Stunden später verkündet das Oberlandesgericht Hamburg sein Urteil im Fall Recep Tayyip Erdoğan gegen Jan Böhmermann. Zumindest bis dahin debattiert ganz Deutschland noch über die National-Kicker Mesut Özil und Ilkay Gündogan, weil sie am Montag den türkischen Präsidenten huldigten und ihm jeweils ein Trikot schenkten.

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Vor allem der Boulevard arbeitet sich an dem Treffen in London zwischen Erdogan und den beiden türkischstämmigen, aber deutschen Nationalspielern ab. Die Mopo titelt knapp: “Das Eigentor”. Auch die Bild macht mit dem PR-Termin, der offenbar einen großen Gewinner (Erdogan) und zwei heftige Verlierer (Özil und Gündogan) hervorgebracht hat, auf: “Unser Weltmeister Mesut Özil: Schäbige Propaganda für Erdogan”, heißt es auf der Titelseite.

In der Ausgabe selbst lässt die Bild sowohl Cem Özdemir das Thema kommentieren, wie auch Franz Josef Wagner auf die England-Profis los. So fragt sich der Briefe-Onkel der Boulevard-Redaktion, ob die beiden Kicker noch “in unsere Nationalmannschaft” passen? Seine Antwort: “Ja. Es sind politische Dummköpfe. Aber fußballerische Genies”.

Dass das Meet and Greet mit dem türkischen Politiker, bei dem die beiden Star-Fußballer wie Fanboys wirkten, ein großes Thema werden würde, zeichnete sich bereits am Montagnachmittag ab. Denn die Nachrichten-Stories aller großer Portale sorgten im Social-Web für hohe Interaktionsraten.

Wie die MEEDIA-#trending-Analyse zeigt, fanden sich unter den sechs auf Facebook und Twitter erfolgreichsten deutschsprachigen journalistischen Artikel am Montag fünf zum Thema Özil und Gündogan. Spiegel Online erreichte mit „DFB-Nationalspieler: Özil und Gündogan treffen Türkei-Präsident Erdogan“ 26.400 Reaktionen ein, Bild mit „Trikottausch! – Erdogan posiert mit Özil und Gündogan“ 22.400, noch einmal Spiegel Online mit „DFB-Präsident kritisiert Özil und Gündogan: Für Erdogans Wahlkampf ‚missbrauchen lassen‘“ 11.500, Focus Online mit „Treffen in London – Türkei-Präsident Erdogan posiert mit DFB-Stars Özil und Gündogan“ 10.700 und die Welt mit „DFB kritisiert Gündogan und Özil für Erdogan-Fotos“ 8.600.

Inwieweit die beiden Kicker überhaupt wussten, wie der Termin medial ausgeschlachtet werden würde, ist unklar. Sie selbst verbreiteten die Bilder erst einmal nicht. Es war die Erdogan-Partei AKP, die die Fotos vom Trikottausch via Twitter postete.

Mit den teils harschen Reaktionen hätten die beiden Profis (gerade weil sie Profis sind) jedoch schon rechnen müssen. Im Social-Web rechnete gleich mehrere Politiker mit Özil und Gündogan ab.

So nutzte Alice Weidel den Vorfall direkt wieder, um die Staatsbürgerschaft der beiden Kicker in Frage zu stellen, wie sie es schon bei Deniz Yücel gemacht hatte: „Der aktuelle Skandal um zwei ‚deutsche‘ Nationalspieler ist ein trauriges Beispiel dafür, wie gering die Identifikation der türkischstämmigen Jugend in Deutschland mit der Wahlheimat ihrer Eltern ist“, schreibt sie. Und weiter: „Die Spieler sollten am besten gleich ihr Glück in der türkischen Nationalmannschaft ihres Präsidenten suchen, denn diese Art von ‚Doppelpass‘ funktioniert auch im Fußball nicht.“ 15.100 Likes & Co. gab es dafür bis zum späten Montagabend. Platz 2 der Reaktionen geht an die CSU, die mit „Wer das Trikot der Nationalmannschaft trägt, sollte sich zu den Werten unseres Landes bekennen und nicht Wahlkampf für Despoten machen, die die Pressefreiheit und Menschenrechte einschränken“ 9.500 Interaktionen einsammelte.

Fernab von AfD und CSU sah auch Cem Özdemir die Sachlage ähnlich: „Der Bundespräsident eines deutschen Fußballnationalspielers heißt Frank-Walter Steinmeier, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Parlament heißt Deutscher Bundestag und sitzt in Berlin, nicht in Ankara.

Der Funke-Sportchef, Pit Gottschalk, mahnt in einem Facebook-Kommentar unter anderem an, dass die Starspieler mit ihrem Verhalten “Rechtsauslegern in die Karten” spielen würden, “die schon immer gewusst haben wollen: Die gehören nicht zu uns Deutschen. Dass diese Behauptung Unfug ist, wird mit diesem einen symbolhaften Besuchsbild aus London konterkariert.”

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Mesut Özil wird im Oktober 30 Jahre alt. Man darf also davon ausgehen, dass die üblichen Beschwichtigungen beim DFB-Team…

Gepostet von Pit Gottschalk am Montag, 14. Mai 2018

Weitere Reaktionen aus dem Social Web:

Selbst der DFB schaltete sich in die Debatte ein. Immerhin droht das Treffen zweier seiner Top-Spieler mit Erdogan die heutige Präsentation des vorläufigen WM-Kaders zu stören, wenn nicht gar zu überschatten. Für seine Verhältnisse richtig scharf formulierte gar Verbandspräsident Reinhard Grindel: “Der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden. Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen. Der Integrationsarbeit des DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen.”

Bissige Twitter-Antwort auf das Grindel-Statement:
“WM in Russland: null problemo. WM in Qatar: null problemo. Özil-Foto mit Erdogan: “Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden.”

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Alle Kommentare

  1. PR-Desaster, in erster Linie, für das linksgrün versiffte Merkel-Deutschland, denn der Klassenstandpunkt ist ja eigentlich “Erdi ist sogar noch schlimmer als die AFD”, denn der knastet sogar Antideutsche Kurden ein.

    Eine offene AFD Verbindung würde dieses System bei einem DFB Spieler garantiert nicht dulden, also müsste man jetzt nach innerer Logik die Türken aus der “Die Mannschaft” entfernen – wird man aber nicht machen.

    Ein System was nichtmehr in der Lage ist seiner eigenen Logik zu folgen steht vor dem Zusammenbruch, das ist der aktuelle Zustand in Deutschland.

    1. Sorry, aber dieser “antideutsche Kurde” geht hier in Deutschland mittlerweile als Romatiker (Bayerischer Rundfunk) durch.

      Hat jemand seinen ersten öffentlichen Auftritt gesehen? Der wurde von ARTE übertragen (!). Als der Romatiker die Bühne betrat kreischten im Hintergrund mehrere Frauen, so wie es auch welche gibt, die für Justin Biber kreischen.

  2. Ist es dann nicht auch ein PR-Desaster, wenn Angela Merkel dem US-Präsidenten mit Pfälzer Migrationshintergrund, Donald Trump, einen historischen Stich aus der Heimat seiner Vorfahren schenkt und sich das private Schlafgemach im Weißen Haus präsentieren lässt…?

  3. Jep, das ist in der Tat ein Desaster, da es daran zweifeln lässt, dass die beiden Kicker auch nur halbwegs verstanden haben, worauf es bei der Integration ankommt. Und das als Mitglieder eines Nationalteams, das gerne mit gelungener Integration wirbt. Es geht ja nun nicht darum, jegliche Identifikation mit dem Heimatland der Eltern/Großeltern abzulegen, das kann keiner ernsthaft verlangen. Einen undemokratischen Autokraten als “ihren Präsidenten” zu bezeichnen und mit ihm in dieser Weise zu posieren, verrät aber keine Spur von Gefühl für unsere demokratischen Grundsätze. Schade eigentlich, gerade Gündogan hätte ich mehr Grips zugetraut.
    Aus dem Verhalten zweier Nationalspieler nun wieder auf sämtliche Deutschtürken zu schließen, ist natürlich die übliche Pauschalisierungs-Falle. Das wird zumindest denen nicht gerecht, die sich kritisch mit dem Präsidenten ihres Herkunftslandes auseinandersetzen. Würde mich auch interessieren, wieviele das in etwa sind. Die letzte Türkei-Wahl gibt ja nicht so viel Aufschluss darüber, da die Mehrzahl der Deutschtürken sich gar nicht daran beteiligt hat – glühende Erdogan-Anhänger sind sie somit aber schon mal nicht!

  4. Gündogan und özil spielen für eine Nationalmannschaft, welche nicht einmal mehr ihre eigenen Nationalfarben auf dem Trikot zeigt.

    Ein Land von aus Minister-Mund (Schäuble) als degeneriert Bezeichneten, die offenbar nicht einmal mehr in der Lage sind zu bemerken, oder gar zu ergoogeln, wie die aktuellen Trikots ausschauen, was auf ihnen fehlt. Somit nennen die sich auch nicht mehr Deutsche Nationalmannschaft, sondern nur noch: Die Mannschaft.

    Wäre ich Türke, ich würde mich auch fragen, in was ich mich hier eigentlich integrieren soll. Es wird doch alles diffamiert und aufgegeben, was dieses Land einmal ausgemacht hat.

    Vielen Deutschen wird auch von Fußballvereinen das Recht abgesprochen, sich zu unserem Land bekennen zu dürfen. Der DFB spricht von einer Wertewelt, die man bei Erdogan nicht vorfinden würde. Auf die Wertewelt des Deutschen Fußball Bundes wäre ich gespannt.

    1. Wenn Sie meinen, googeln zu können, dann googeln Sie doch mal nach dem Nationaltrikot von 1954. Dann werden Sie sehen: Die Farben Schwarz und Weiß sowie den schwaren Adler auf weißem Grund. Und nun erklären Sie mir mal den Unterschied zum Nationaltrikot von 2018.
      Und was genau wird denn diffarmiert, was dieses Land einmal ausgemacht hat? Über Ihre Auflistung freue ich mich schon wie Bolle.
      Ebenso unklar: Wo wird denn “vielen Deutschen von Fußballvereinen das Recht abgesprochen, sich zu unserem Land bekennen zu dürfen”? Mir ist das beim Kicken nie begegnet und auch sonst nicht zu Ohren gekommen.
      Außerdem stelle ich bei heutigen Spielen der Nationalmannschaft eher das Gegenteil fest – dass nämlich viele Spieler, Offizielle und Zuschauer wieder mit Selbstverständlichkeit und Stolz die Nationalhymne mitsingen, was in den 80er-Jahren noch nicht so üblich war. Und das ist auch gut so, da es nichts mit übersteigertem Nationalismus oder gar Ausgrenzung zu tun hat, sondern mit Zusammengehörigkeitsgefühl. Aber Sie sehen scheinbar nur überall Probleme und den Untergang des Abendlandes – warum eigentlich?

  5. Man kann sich fragen, wie weit sie Erdogan anhängen, wenn sie ihm ein Trikot mit dem handgeschrieben Satz “Für meinen Präsidenten” überreichen. Bei erwachsenen Fußballprofis mit PR-Beratern kann man dies nicht einfach mit Naivität entschuldigen.

  6. Auf den Punkt bringen es doch in erster Linie Alice Weigel und die CSU. Beide schlachten nicht aus, sondern nennen das Kind beim Namen!
    Und warum hatte Emre Can die Eier in der Hose, den Termin abzulehnen?

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