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“Denkt der, das ist mein Rücken?” Charlotte Roche spricht ausführlich über ihre Belästigungs-Vorwürfe gegen WDR-Mann Henke

Charlotte Roche erhebt Belästigungsvorwürfe gegen Gebhard Henke
Charlotte Roche erhebt Belästigungsvorwürfe gegen Gebhard Henke

Anfang Mai erhoben sechs Frauen im Spiegel teils schwere Vorwürfe gegen Gebhard Henke, den mittlerweile freigestellten Leiter Fernsehfilm, Kino, Serie beim WDR. Eine von ihnen war Charlotte Roche. Im Interview mit Zeit Online geht die Autorin nun detailliert auf ihre Erlebnisse mit Henke ein und erklärt auch, warum sie so lange geschwiegen hat und weshalb sie sich deshalb schuldig fühlt.

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“Die Frage war, wer glaubt mir? Stehe ich am Ende womöglich als Verliererin da, weil Aussage gegen Aussage steht?”, erklärt Charlotte Roche im Gespräch mit Zeit Online. Die TV-Moderatorin und Bestsellerautorin (“Feuchtgebiete”) war eine von den sechs Frauen, die vor wenigen Wochen Gebhard Henke wegen sexueller Belästigung beschuldigt hatten. Henke habe ihr bei ihrem ersten Zusammentreffen, einem offiziellen Branchen-Treff, ungewollt die Hand auf den Po gelegt und sie dadurch bedrängt.

Im Zeit-Online-Interview beschreibt Roche den Übergriff detailliert: Sie habe sich überhaupt nicht auf das konzentrieren können, was er zu ihr sagte, und habe sich die ganze Zeit gefragt: “Vertut der sich gerade und denkt, das ist mein Rücken?” Weiter beschreibt sie: “Ich war in diesem Klammergriff gefangen und habe versucht, mich seitlich wegzubewegen wie ein Krebs. Aber er ist mitgegangen, seine Hand weiter auf meinem Po, bis es mir schließlich gelang, ihn abzuschütteln. Ich weiß nicht mehr, ob das eine Minute oder fünf gedauert hat.”

Zuhause habe sie gemeinsam mit ihrem Mann überlegt, ob sie Anzeige erstatten soll, berichtet Charlotte Roche. Sich dagegen zu entscheiden, sei im Nachhinein die falsche Entscheidung gewesen, sagt sie. Ebenso, dass sie so lange geschwiegen habe. Zwar gebe es schlimmere Übergriffe, wie beispielsweise von Harvey Weinstein oder Dieter Wedel. Trotzdem fühle sie sich schuldig, gibt sie zu. “Ich frage mich, wenn ich vor fünf Jahren an die Öffentlichkeit gegangen wäre, wären dann andere Frauen verschont geblieben?”

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Ich habe mich geschämt, dass ich nichts gemacht habe. Das passt ja auch gar nicht zu mir, geschweige denn zu meinem Image. Ich bin eine selbstbewusste Frau, ich mache Kickboxen und Selbstverteidigungskurse als Hobby, ich kann mich wehren. Wer, wenn nicht ich, müsste massiv reagieren, wenn ein sexueller Übergriff stattfindet?

Parallel zur Veröffentlichung des Spiegel-Artikels hatten 16 Frauen aus der deutschen Film- und Fernsehbranche in einem offenen Brief Partei für Henke ergriffen. Auch für diese Aktion findet Charlotte Roche deutliche Worte: “Was soll das, so einen Brief zu veröffentlichen? Wenn man selber Opfer eines Übergriffs geworden ist, dann denkt man wirklich: Schande über euch! Ihr sollt euch schämen!”

Sie glaubt, dass die #MeToo-Debatte, die seit Monaten in Deutschland geführt wird, schon viel bewirkt habe. Die Sicht auf Übergriffe sei dabei, sich zu ändern, sagt sie und glaubt: “Es hört nie auf. Es geht gerade erst los.”

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