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Ärger um neue Grosso-Vereinbarung: Mittelständische Verlage rufen Kartellamt an

Der AVM stört sich am Deal zwischen dem Bundesverbandes Presse-Grosso (Chef Frank Nolte) und den sieben großen Verlagen
Der AVM stört sich am Deal zwischen dem Bundesverbandes Presse-Grosso (Chef Frank Nolte) und den sieben großen Verlagen

Die zwischen der Allianz der sieben Großverlage und dem Grosso geschlossene Handelspannen-Vereinbarung stößt auf massiven Widerstand bei kleineren Verlagen. Daher lässt die Arbeitskreis Mittelständischer Verlage (AMV) jetzt vom Bundeskartellamt prüfen, ob die neue Vereinbarung wegen diskriminierenden Verhaltens rechtswidrig sei. Auslöser hierfür ist vor allem die neue Malus-Regelung. Von dieser sind aber auch die Großverlage selbst betroffen - darunter das Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr.

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Sie ist den mittelständischen Verlagen ein Dorn im Auge: die neue Malus-Regelung, die die Allianz der sieben Großverlage Anfang des Jahres mit dem Bundesverband Presse-Grosso vereinbart hat. Der Kern: Unterschreiten Print-Produkte pro beliefertem Einzelhändler einen bestimmten Jahresumsatz, können die Grossisten für den Titel eine höhere Vertriebsmarge verlangen. Vor allem Print-Produkte, die über eine geringe Auflage verfügen und länger am Kiosk liegen, haben das Nachsehen. Sie sind für die Verlage langfristig wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Solchen Blättern droht damit das Aus.

Besonders kleinere und mittelständische Verlage trifft die Malus-Regelung hart. Dies will der Arbeitskreis Mittelständischer Verlage (AMV) aber nicht sang und klanglos hinnehmen. Der Branchenverband, dem der Jahreszeiten-Verlag, Jahr Top Special Verlag sowie der Finanzen-Verlag angehören, hat deshalb beim Bundeskartellamt eine “Anfrage” eingereicht. Er will “von der Bonner Wettbewerbsbehörde prüfen lassen, ob die Neuregelung der Handelsspannen wegen diskriminierenden Verhaltens rechtswidrig” ist. Die Vereinbarung hatte die so genannte Verlagskoalition – darunter Burda, Axel Springer, Spiegel, Bauer sowie Klambt und der Bundesverband Presse-Grosso Ende Februar geschlossen. „Sowohl die Malusregel, als auch andere Teile des Abkommens bevorzugen insbesondere die Titel der Verlagsallianz. Darüber hinaus wurden hier Kostenfaktoren zu Lasten Dritter verhandelt, die zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit hatten Einfluss auf die Verhandlungen zu nehmen“, kritisiert der AMV-Vorstand scharf.

Dabei wollte der AMV mit dem Grosso-Vorstand über „Verbesserungen für kleine Titel“ verhandeln. Doch das Grosso habe dies abgelehnt, heißt es. Daher schaltet der Branchenverband jetzt das Kartellamt ein. „Da die Handelsspannen-Vereinbarung für kleine und mittlere Verlage teilweise existentielle Benachteiligungen beinhaltet und das Grosso zu Nachverhandlungen nicht bereit war, hat sich der AMV entschlossen eine Kartellamtsanfrage wegen diskriminierenden Verhaltens auf den Weg zu bringen“, teilt der AMV. Entsprechende Unterlagen wurden vergangenen Freitag eingereicht. Die Wettbewerbsbehörde prüft nun, ob sie hierzu weitere Schritte einleitet, betont ein Sprecher der Wettbewerbsbehörde gegenüber MEEDIA. Die Verlags-Allianz weist die Kritik des AMV zurück: „Die zwischen dem Bundeverband Presse-Grosso und der Verlagskoalition vereinbarten Handelsspannen bemessen sich durchgängig an den wirtschaftlichen Parametern der einzelnen Titel. Sie wurden nicht nach Verlagen festgelegt. Somit wurde das System diskriminierungsfrei und fair auch für kleinere Verlage gestaltet. Der AMV (sowie auch die PMV-Verlage) wurden während des gesamten Verhandlungsprozesses von der Verlagskoalition auf dem neuesten Stand gehalten.“

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Der Grosso-Verband hält an der Handelsspannen-Vereinbarung fest. “Wir stehen zu der neuen Branchenvereinbarung. Diese sichert den freien
Marktzugang zu vergleichbaren und fairen Bedingungen. Es ist ein schlüssiges Gesamtpaket, von dem Magazine mit kleinen und mittleren Auflagen generell ebenso partizipieren. Denn nur die Zentralvereinbarung garantiert allen Partnern Planungssicherheit und Chancengleichheit. Die Branche steht nun in der Verantwortung, den mühsam erarbeiteten Konsens nicht aufs Spiel zu setzen”, erklärt Kai-Christian Albrecht, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten, gegenüber MEEDIA.
Zudem bleibe für Albrecht “unklar, für welche Verlage oder NDs der AMV-Vorstand spricht und was die Akteure konkret beim Amt erreichen wollen.”

Von der Malus-Regelung sind nicht nur kleine und mittelständische Verlage betroffen. Auch diversen Großverlagen, die die neue Handelspannen-Vereinbarung unterschrieben haben, kommt die Regelung höchst ungelegen. Dazu gehört beispielsweise Gruner + Jahr. Das Hamburger Zeitschriftenverlag (stern, Brigitte) will vor allem durch neue Print-Produkte im Inland wachsen. Doch viele Magazin-Einführungen, die in den vergangenen Jahren nicht schnell genug eine wirtschaftlich tragfähige Auflagen-Flughöhe erreicht haben, geraten durch die neue Malus-Regelung unter massiven Ertragsdruck. Gruner + Jahr bleibt deshalb wenig Chancen, wenn es die Titel nicht durchschleppen will. Das norddeutsche Medienunternehmen nimmt konsequent solche auflagenschwachen Produkt-Neuheiten vom Markt.

Jüngstes Beispiel hierfür ist der 11 Freunde-Ableger No Sports. Erst vergangene Woche hatte Gruner + Jahr das Aus für den auf Randsportarten fokussierten Titel verkündet. Das Branchenmagazin Horizont hatte spekuliert, dass hierfür auch die neuen Grosso-Konditionen verantwortlich sein könnten. Gruner + Jahr hatte jüngst diverse Magazine eingestellt – dazu gehören Neon, Deli und Cord. Insgesamt ist die Malus-Regelung für die Print-Branche eine Innovationsbremse. Sie führt dazu, dass Produktneuheiten kaum Zeit bekommen, um sich am Markt zu entfalten. Schneller als erwartet dürften deshalb auch Großverlage bei neuen Titel jetzt den Stecker ziehen.

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