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Gefahr für RTL & Co.? Formel 1-Besitzer Liberty Media startet eigene werbefreie Streaming-Plattform

Die Formel 1 ist seit dieser Saison nur noch im Free TV bei RTL zu sehen – mit für viele Fans ärgerlichen Werbeunterbrechungen während der Rennen
Die Formel 1 ist seit dieser Saison nur noch im Free TV bei RTL zu sehen – mit für viele Fans ärgerlichen Werbeunterbrechungen während der Rennen

Zum Europa-Auftakt der Formel 1 ist das Streaming-Angebot "F1 TV" gestartet. Fans können dort alle Trainings und Rennen der Formel 1 werbefrei im Live-Stream oder On Demand verfolgen. Zudem gibt es Zugriff auf das Archiv mit allen Grand Prix seit 1980. Spannender als die Rennen ist für Brancheninsider die Frage: Wird das von der Formel 1 betriebene Digital TV zur Bedrohung der Fernsehsender?

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Frohe Kunde für Freunde der Formel 1, die ihren Sport frei von Werbeunterbrechungen genießen möchten. Eigentümer Liberty Media hat zum Großen Preis von Barcelona den Streaming-Dienst “F1 TV” gestartet. Wer Vettel, Hamilton & Co. im Netz live auf ihren schnellen Runden verfolgen möchte, benötigt das Paket “F1 TV Pro”. Hier gibt es die Trainings, das Qualifying und das Rennen selbst live und werbefrei zu sehen. Außerdem können “Pro”-Nutzer auf das umfangreiche Grand-Prix-Archiv und das Live-Timing zugreifen und den kompletten Funkverkehr zwischen Fahrern und Teams verfolgen – im Gegensatz zum normalen TV-Signal unzensiert.  

Wer auf Livestreams verzichten kann, begnügt sich mit dem Paket “F1 TV Access”: Hier gibt es die Rennwochenenden mit ein paar Tagen Verzögerung als Wiederholung, dazu aber ebenfalls den Zugriff auf das Live-Timing und das Archiv. Im Laufe des Jahres sollen auch die Rahmenserien (Formel 2, GP3, Porsche Supercup) hinzugefügt werden. Die Preise für die Varianten schwanken je nach Land. Deutsche Nutzer müssen derzeit 26,99 Euro im Jahr oder 2,99 Euro im Monat für “Access” bezahlen, für „Pro“ werden 64,99 Euro jährlich bzw. 7,99 Euro monatlich fällig. Aktuell ist das Bezahlen nur über eine Kreditkarte möglich.  

“F1 TV” bislang nur über Browser am PC erreichbar

Französische Fans greifen deutlich tiefer in die Tasche: Ein “F1 TV Pro”-Abonnement kostet dort derzeit 171 Euro im Jahr. Worin dieser Unterschied begründet liegt, erklärte Liberty bislang nicht genauer. Doch gibt es in Frankreich die Formel 1 auch im Bezahlangebot von Canal+ zu sehen, während in Deutschland nach dem Sky-Rückzug ein Pay-TV-Partner und somit auch Konkurrenz fehlt. 

Aktuell lässt sich “F1 TV” nur über den Browser am PC erreichen. In der offiziellen Formel-1-App für Android und iOS sind die Streams noch nicht verfügbar, dies soll sich frühestens im Sommer ändern. Auch Apps für die Streaming-Boxen von Amazon und Apple sollen erst dann verfügbar sein. Verfügbar ist “F1 TV” momentan etwa in Deutschland, Frankreich und den USA. Der Kommentar wird in vier Sprachen angeboten – Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Eine eigene Redaktion existiert noch nicht, weshalb der Kommentar aus bestehenden TV-Signalen übernommen wird. In Deutschland wird der RTL-Kommentar durchgeschleust. Eine Dauerlösung ist das nicht, denn so bleibt etwa das Freie Training am Samstag ohne deutschen Live-Kommentar. RTL zeigt dieses nur als Zusammenfassung direkt vor der Qualifikation.  

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Akuter Handlungsbedarf für Liberty

Eigentlich war der Start des Angebots bereits für den Saisonauftakt in Australien Ende März erwartet worden. Eine (ungewollt) öffentlich gewordene Beta-Phase weckte die Hoffnungen vieler Fans auf einen schnellen Launch. Warum “F1 TV” nun erst zum fünften Saisonrennen zur Verfügung steht, lässt Liberty offen.

Ein möglicher Erklärungsansatz: Nach dem Rückzug von Sky auf dem für die Formel 1 wichtigen deutschen Markt bestand unerwartet akuter Handlungsbedarf für Liberty. Schon die grundsätzliche Ankündigung am 1. März, dass “F1 TV” überhaupt in Planung sei, geriet unter diesen Umständen äußerst kurzfristig. Womöglich war der Formel-1-eigene Livestream erst für einen späteren Zeitpunkt im Jahr geplant, vielleicht sogar erst für die kommende Saison. Auf eine MEEDIA-Anfrage reagierte Liberty bis Freitagvormittag nicht. 

Es bleibt der Eindruck, dass der Start von “F1 TV” trotz der Verschiebung mit der berühmten heißen Nadel gestrickt wurde. Zu viele Informationen ließ Liberty Media bislang im Verborgenen, zu viele angekündigte Inhalte werden erst weit nach dem Plattform-Start hinzugefügt. Der Mehrwert von “F1 TV” ist für Hardcore-Fans vielleicht unbestritten. Aber ob das große Archiv, das umfangreiche Datenangebot und die Kameraperspektiven auch den Gelegenheitsgucker zu einem Abo bewegen können? Fraglich, schließlich präsentieren Florian König, Kai Ebel & Co. die Formel 1 noch mindestens bis Ende 2020 im RTL-Programm – ohne weiteres Abonnement für den Fan, aber mit identischen Kommentar. 

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