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„Linke Hand mitten auf den Po“ – Charlotte Roche und andere Frauen erheben neue Belästigungsvorwürfe gegen WDR-Mann Henke

Charlotte Roche erhebt Belästigungsvorwürfe gegen Gebhard Henke

Gerade erst haben 16 Frauen aus dem WDR den wegen Belästigungsvorwürfen freigestellten Leiter Fernsehfilm, Kino, Serie, Gebhard Henke in einem offenen Brief verteidigt, da erheben sechs Frauen im neuen Spiegel teils schwere Vorwürfe gegen Henke. Unter ihnen ist die bekannte TV-Moderatorin und Bestsellerautorin Charlotte Roche („Feuchtgebiete“). Als sie Henke 2013 kennenlernte habe dieser seine Hand auf ihren Po gelegt. Henke bestreitet die Vorwürfe.

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Gebhard Henke ist nach seiner Freistellung selbst an die Öffentlichkeit gegangen und bestreitet alle Vorwürfe wegen sexueller Belästigung. Im neuen Spiegel berichten nun sechs Frauen, von ihm betatscht und begrapscht worden zu sein. Er habe angedeutet, sie zu fördern und dafür offenbar körperliche Zuwendungen erwartet, so der Spiegel. Die Vorwürfe reichen von 1990 bis mindestens 2015. Eine der Frauen, die sich im Spiegel äußern, ist Charlotte Roche, die Autorin des Bestsellers „Feuchtgebiete“, die Henke 2013 in Köln kennenlernte. „Er gab mir die rechte Hand und legte mir die linke gleichzeitig fest mitten auf den Po“, sagt Roche. Sie habe versucht, sich wegzubewegen, doch er habe sich mitbewegt. „Das war schlimm und dauerte gefühlt ewig.“ Bis heute, so Roche, mache sie sich Vorwürfe, damals nichts gesagt zu haben. Aber es sei um die Verfilmung eines ihrer Bücher gegangen, sie habe an dem Abend unter Druck gestanden. Das sei falsch gewesen, deshalb spreche sie jetzt. „Vielleicht hilft das ja, dass andere sich auch trauen, etwas zu sagen.“ Gebhard Henke bestreitet alle Vorwürfe.

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn ist „überrascht“ von den Anschuldigungen. Er arbeite seit Jahren „sehr eng und vertrauensvoll“ mit Gebhard Henke. Eine Entlastung von den Vorwürfen schließe er nicht aus, allerdings halte er die Schilderungen der Frauen für „gravierend und glaubwürdig“.

Parallel haben 16 Frauen aus dem WDR in einem offenen Brief Partei für Henke ergriffen. „Wir haben in der Vergangenheit persönlich mit Gebhard Henke zusammengearbeitet“, heißt es in dem Schreiben. Es habe zwar durchaus Konflikte und Machtkämpfe gegeben und man sei auch nicht frei von unterschiedlichen Auffassungen über Männer- und Frauenbilder. Dennoch sei die Zusammenarbeit „immer frei von Übergriffen jedweder Art und Schwere“, so die Unterzeichnerinnen des Briefes. Es sei ihnen bewusst, dass dies keinesfalls andere Sichtweisen und Erfahrungen von Kolleginnen ausschließe. „Wir können und wollen daher nur für uns und über unsere Erfahrungen sprechen. Das aber möchte wir hiermit tun und ausdrücklich sagen: Gebhard Henke ist uns und unserer Arbeit in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stets respektvoll begegnet.“

Initiiert hat den Brief die Autorin und Künstleragentin Heike-Melba Fendel. Zu den insgesamt 16 Unterzeichnerinnen gehören unter anderem die Produzentinnen Anja Uhland und Annette Pisacane, die Regisseurinnen Feo Aladag und Hermine Huntgeburth sowie die Schauspielerinnen Barbara Auer und Anna Schudt.

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