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Spiegel Online-Chefin Barbara Hans: “Journalismus macht sich überflüssig, wenn er nur über das berichtet, was dem Nutzer gefällt”

Spiegel Online-Chefin Barbara Hans: Aufmerksamkeit als “Mittel zum Zweck” für den Qualitätsjournalismus
Spiegel Online-Chefin Barbara Hans: Aufmerksamkeit als "Mittel zum Zweck" für den Qualitätsjournalismus Foto: (C) MCB / Uwe Völkner

Es lebe die Aufmerksamkeitsökonomie! Hier eine reißerische Überschrift, dort dreimal das gleiche Posting im Abstand von 24 Stunden – Leser werden in den sozialen Medien mit einem Content-Überangebot überflutet. Welche Auswirkungen hat der Kampf um die Aufmerksamkeit des Lesers auf den (Online-)Journalismus? Darüber diskutierten Spiegel Online-Chefredakteurin Barbara Hans, Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und BuzzFeed-Redakteur Marcus Engert bei der re:publica.

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Online-Journalismus lässt sich inzwischen auf eine einfache Formel bringen: Relevant ist, was Reichweite hat. Um die zu generieren, kämpfen viele Inhalte-Produzenten im Facebook-Zeitalter mit immer marktschreierischen Methoden um die Aufmerksamkeit der Nutzer: Erlaubt ist, was geklickt wird. Oder doch nicht?

Darüber diskutierten Spiegel Online-Chefredakteurin Barbara Hans, BuzzFeed-Redakteur Marcus Engert und Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen auf dem Panel “Nur die lauteste Meinung zählt!? Aufmerksamkeit als Währung” am zweiten Tag der re:publica.

Pörksen machte den Auftakt des Panels mit einem Kurzvortrag, in dem er im Wesentlichen die Thesen seines neuen Buches “Die neue Gereiztheit” referierte. Für den 49-jährigen Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen wird der Kampf um die Aufmerksamkeit der User nach den “Gesetzen der modernen Erregungsindustrie” geführt, von der “Ökonomie der emotionalen Infektion”.

Viral-Erfolg BuzzFeed: Welche Farbe hat das Kleid?

Als Beispiel führte Pörksen einen der erfolgreichsten Viral-Artikel von BuzzFeed an, der eine ziemlich einfache und belanglose Frage stellt: Welche Farbe hat das Kleid? Interessanterweise hatten Nutzer durchaus ziemlich unterschiedliche Wahrnehmungen – für die einen war es blauschwarz, für andere weißgold.

Als BuzzFeed die Traffic-Explosion registrierte, fütterte das Viral-Portal den Quiz-Artikel mit immer weiteren Artikeln und Postings. Am Ende entstanden aus einem Foto und einer einfachen Frage Millionen Visits. Pörksen erklärt den Erfolg mit dem Popularitätsprinzip, das das Viral-Portal erfolgreich bedient.

Barbara Hans: “Leser auch mit Themen konfrontieren, von denen sie noch nicht wussten, dass sie für sie relevant sind”
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Spiegel Online-Chefin Barbara Hans möchte sich erwartungsgemäß die Artikelauswahl nicht diktieren lassen. “Journalismus macht sich überflüssig, wenn er nur über das berichtet, was dem Nutzer gefällt,” sagte die 37-Jährige auf der re:publica.

“Wer Aufmerksamkeit um jeden Preis will, verliert am Ende seine Glaubwürdigkeit.” Denn: “Wenn Journalismus die Leute anschreit, wenden sie sich ab – genau wie im normalen Leben.” Wenn auch Aufmerksamkeit für den Qualitätsjournalismus “Mittel zum Zweck” sei.

“Wir sind keine Klickoptimierer, wir sind Journalisten“

Die Aufgabe des Journalismus sei es vielmehr, die Leser auch mit Themen zu konfrontieren, von denen sie noch nicht wussten, dass sie relevant für sie seien und sie interessieren könnten. “Wir sind keine Klickoptimierer, wir sind Journalisten”, grenzte sich Hans bewusst vom Viral-Content à la BuzzFeed ab.

Gleichfalls dürften Journalisten aber auch nicht im Elfenbeinturm sitzen und sich einer entsprechenden Distribution über die sozialen Medien verschließen. “Journalismus, der sich nicht darum bemüht, gehört zu werden, ist überflüssig”, erklärte Hans. Journalismus sei weder Selbstzweck noch eine Spiegelung der eigenen Wahrnehmung.

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