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„Schlecht inszenierte Guerilla-Aktion“ – re:publica-Macher sauer über Bundeswehr-PR-Mobil am Konferenz-Eingang

Protest bei der re:publica: Gründer Markus Beckedahl verteidigt, dass die Bundeswehr nicht einmarschieren darf

Die re:publica ist nicht nur ein Ort der Diskussion über die digitale Gesellschaft und ihre Entwicklung, sondern auch eine Messe, auf der Konzerne und Startups ihre Strategien und Produkte bewerben. Einer Institution, die sich ebenfalls gerne präsentieren wollte, wurde das aber verweigert: Die Bundeswehr muss draußen bleiben – als Reaktion darauf ist diese ist am Mittwoch vor dem Gelände aufmarschiert und protestiert.

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Das Erste, was re:publica-Besucher am Mittwoch bei ihrer Ankunft entdeckten, war eine ungewöhnliche Aktion der Streitkräfte: Vor dem Gelände der Digitalkonferenz hat sich eine kleine Truppe der Bundeswehr postiert. Mit dabei: eine Plakatwand, mit der sie auf den Ausschluss von der Digitalkonferenz aufmerksam machen. „Zu bunt gehört auch grün“, steht dort drauf.

Die Bundeswehr muss draußen bleiben und den Grund dafür tragen die Staatsdiener am eigenen Leib: „Wir wurden mit der Begründung abgelehnt, dass Uniformen auf der re:publica grundsätzlich nicht erwünscht sind“, erklärt Oberstleutnant Czarnitzki vor Ort gegenüber MEEDIA. „Dementsprechend haben wir uns heute hier hingestellt, weil wir die Absage widersprüchlich finden. Die re:publica steht für Offenheit und Toleranz. Andererseits werden gewisse Gruppen oder Institutionen von der Diskussion ausgegrenzt.“

Die Aktion soll ein Zeichen sein, dass sich die Bundeswehr einer Diskussion über Cybersicherheit und sich selbst nicht verschließt. Man will sich auf dem PR-Feld nicht kampflos geschlagen geben. Reaktionen auf die Aktion gibt es vor allem im Netz. Für Kritiker steht die Truppe unter Verdacht, die Konferenz zur Rekrutierung nutzen zu wollen.

Im Publikum der Konferenz finden sich aber auch Gegenstimmen, die den Ausschluss der Bundeswehr für unangemessen halten. Die Bundeswehr sei „fester Teil Deutschlands“, heißt es dort unter anderem. Gleichzeitig wird angemerkt, dass andere staatliche Institutionen, darunter das Entwicklungsministerium, als Partner der re:publica zugelassen sind.

Gegenüber MEEDIA beziehen die Veranstalter, die sich am Morgen bereits zur Eröffnung geäußert hatten, Stellung: „Das Team der re:publica distanziert sich ausdrücklich von der Marketing-Aktion der Bundeswehr“, erklärt Co-Gründer Markus Beckedahl. „Der Auftritt der Bundeswehr war weder im Vorfeld mit den Organisatoren abgesprochen oder angekündigt und ist in keiner Weise in unserem Interesse.“ Die „schlecht inszenierte Guerilla-Aktion“ sei „niveaulos und ist nicht mit unseren Grundsätzen zu vereinbaren“, so der Verantwortliche weiter.

Dass Uniformen nicht geduldet werden, begründet Beckedahl mit Rücksicht auf das Publikum. „Wir akzeptieren keine Uniform, weil es viele Besucherinnen und Besucher gibt, die sich dabei unwohl fühlen. Ausnahmen sind natürlich die Polizei, etc.“

Mitgründer Johnny Haeusler wird noch deutlicher: „Die Bundeswehr wollte uns hacken“, wird er bei heise.de zitiert. Man lasse nicht zu, „dass hier rekrutiert wird“.

Ganz verschlossen haben sich Beckedahl und sein Team aber offenbar nicht. Nach Aussagen der Bundeswehr wäre eine Teilnahme ohne Uniform wohl möglich gewesen. „Ein ziviler Auftritt kam für uns nicht in Frage. Die Uniform gehört zur Bundeswehr und ist Teil unserer Identität.“

Anmerkung der Redaktion:
In einer vorherigen Version wurde Johnny Häusler mit den Worten zitiert, „vergifteten Ideologien“ keinen kein Forum geben zu wollen. Das Zitat fiel in einem anderen Zusammenhang und wurde deshalb nachträglich entfernt.

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