Partner von:
Anzeige

Söder – Kippa – Echo: unbequeme Notizen von der Außengrenze der Abrechnungskultur

Prof. Dr. Thomas Fischer, Bundesrichter a.D. und Kolumnist (“Fischer im Recht”)
Prof. Dr. Thomas Fischer, Bundesrichter a.D. und Kolumnist ("Fischer im Recht")

Empörung macht sich breit in der Nation: Ganz Deutschland diskutiert, befeuert von den Medien. Es geht um Kreuz und Kippa, um Leitkultur, allgegenwärtigen Antisemitismus und – mal wieder – um die Grenzen der Kunst. Eine Moraldebatte mit doppeltem Boden, in der auch ein Feuerzeug-Schwenkungs-Künstler ran darf, um "abzurechnen", meint Ex-Bundesrichter Thomas Fischer in einem Gastbeitrag für MEEDIA.

Anzeige
Anzeige

Von Thomas Fischer

Die Abrechnung

Am 28. April war in der Süddeutschen Zeitung zu lesen, dass der Schlagersänger Marius Müller-Westernhagen „mit der Musikindustrie abrechnet“. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, weil ich erstens Marius W., zweitens unsere Musikindustrie und drittens das Abrechnen kenne. Das Schöne an Abrechnungen solcher Art ist es ja, dass sie ihren Höhepunkt bereits beim Aussprechen des Ankündigungs-Worts erreichen.

Herr Müller-Westernhagen ist, das muss man ehrlich sagen, ein Feuerzeug-Schwenkungs-Künstler der allerersten Liga. „Freiheit“ zum Beispiel, der Mega-Hit, der zusammen mit Ronald Reagan und David Hasselhoff den Kommunismus besiegte, ist bekanntlich für Klampfe und Einwegfeuerzeug geschrieben, wird heute aber meist in LED transponiert. Man nennt das „Funktionieren“: Es funktioniert, wenn Netrebko beim Butterflying eine interaktive Leuchtdiode angenäht wird. Mehr muss der Dramaturg auch gar nicht wissen; den Rest machen Mädels von irgendeiner zertifizierten Acadamy.

Marius, ein Wind-of-Change-Popstar aus den Tagen der ersten Flipper-Staffeln, schrieb einst das bewegende Libretto:

„Alle die von Freiheit träumen / sollen Freiheit nicht versäumen.“

Dem abendländischen Kunstfreund der

Der Vogelfänger bin ich ja, stets lustig, heißa hopsassa!“-

Klasse erscheint dies Libretto natürlich unterkomplex. Aber er sollte sich nicht täuschen: Der Reim ist gut gemeint, mit geringfügigen Versmaß-Anpassungen vielseitig verwendbar („Alle die von Bundesliga/Lufthansa/Ziehung der Lottozahlen/Spargelcremsuppe – usw.- träumen…“), und vor allem je nach Stimmung auch im zweiten Teil frei anpassbar („hassen – nicht verpassen; … schweigen – nicht vergeigen; Hafen – nicht verschlafen; erben – früher sterben; usw.). Wunderbar.

Nehmen wir dagegen einen einst dahingerotzten Papageno zum Vergleich: schon allein tierschutzmäßig hochproblematisch:

„Drum kann ich froh und lustig sein /
Denn alle Vögel sind ja mein“…

Man sollte darüber nachdenken, diesen insbesondere für Kinder verstörend gewaltbejahenden und daher traumatisierenden Text behutsam zu modernisieren zu:

„Der Vogelpfleger bin ich ja / stets traurig, heissa hopsassa…“;

und

drum muss man nur verzweifelt schrei‘n / denn alle Vögel pfleg‘ ich fein

Herr Westernhagen jedenfalls hat es der Musikindustrie knallhart gegeben und ihr vorgeworfen, dass sie an Geld interessiert sei. Er orientierte sich bei dieser Abrechnung an großen Vorbildern: Herrn Ecclestone, Herrn Ackermann, Herrn Springer, die einst mit dem Boxenludertum, dem Finanzkapitalismus und der Bild-Zeitung abgerechnet haben. MMW hat angekündigt, er werde zur Strafe für das schockierende Desinteresse von Warner Brothers an Qualität alle seine Dreifachplatin- und Sechsfachgold-Platten zurückgeben.

Ein herzlicher Gruß also an Herrn Westernhagen! Ihm verdanken wir neben der oben zitierten Hymne die folgenden „lyrics“:

Ihr Name war Fräulein Meyer / Meyer mit Y-hip-silon /

sie schaffte täglich zehn Freier / was für ne Kondi-tion.

Das kann, vers-technisch wie philosophisch, schon deshalb neben Catull oder Beaudelaire stehen bleiben, weil Marius W. bei Frau Meyer, die mit bürgerlichem Namen vielleicht Makeda („Die Schöne“) Osambu hieß, ja nicht bezahlt hat, sondern möglicherweise auf Gutscheinbasis ein paar Freinummern abarbeiten durfte, weil er anschließend mit der Meyerindustrie abrechnen wollte. An dieser Stelle hat nun also Papageno einen Vorteil, denn mit „Sie schlief an meiner Seite ein / Ich wiegte wie ein Kind sie ein“ ist er auch lesbenmäßig auf absolut zertifizierungsfähiger Laufhöhe.

Harte Zeiten verlangen harte Entscheidungen, das wussten schon Thomas Middelhoff und Julius Caesar, und daher hilft nur noch eins: Marius Müller-Westernhagen, Brillen-, Hut- und Bundesverdienstkreuzträger, der härteste Abrechner, den die Musikindustrie jemals am Hacken hatte, muss die quittierten Gutscheine aller seiner Meyer-Nummern aus dem Jahr 1994 unter Protest zurückschicken. Es hat sich herausgestellt, dass das Schaffen von zehn Freiern pro Tag (plus einem Blues-Imitator mit Gutschein) Frau Meyer von Anfang an keinen Spaß gemacht hat. Notfalls bringe ich locker ein paar Erikas bei, die was auch immer bei der Heiligen Jungfrau von Irkutsk eidesstattlich versichern.

Ich gehe davon aus, dass steuerrechtlich alles bleiben kann, wie es ist: Gewiss hat Herr Westernhagen die Taxifahrten zu den Freinummern im Zwangsprostitutions-Milieu nicht noch irgendwie als Betriebsausgaben geltend gemacht. Aber in der Kunst läuft so was ja völlig locker, wie wir von Picasso und Mozart wissen und wie es einst unser Schiller so unvergleichlich humorvoll hintupfte:

Die Muse kommt, die Muse geht / was kümmert mich der Pizzakäse /

Es hat noch stets der Wind geweht / nach meiner langen Näse.

 

Deutschland diskutiert!

Damit sind wir bei dem Phänomen angekommen, dass, wie man lesen darf, „Deutschland über Antisemitismus diskutiert“. Ich muss freilich einräumen: Das einzige, was mir hinsichtlich Deutschlands großer Diskussion über Antisemitismus zu Ohren gekommen ist, waren die Pressemeldungen darüber, dass Deutschland über Antisemitismus diskutiere. Anders gefragt: Wo findet diese Diskussion Deutschlands mit sich selbst eigentlich statt? Und warum gehöre ich nicht dazu? Habe ich, um Herrn Westernhagen zu zitieren, etwas versäumt?

 

Drei Fragen für Quizfreunde:

(1) Wie viele Juden lebten 1933 in Deutschland: a) 50.000; b) 500.000; c) 5 Mio.; d) 12 Millionen?

(2) Wie viele Juden leben heute in Deutschland? a) 9.000; b) 90.000; c) 900.000; d) 9 Millionen?

(3) Bitte ordnen sie die in Deutschland lebenden Anhänger folgender Religionen nach ihrer der Anzahl: a) Hindus, b) Juden, c.) Buddhisten, d) Zeugen Jehovas!

Bitte spontan notieren, nicht googeln! Auflösung folgt am Ende!

 

Den Anti-Semiten lehnt der Deutsche bekanntlich ab: Hitler, Stalin, Luther, Bin Laden, Richard Wagner. Deshalb sind alle echten Deutschen (von den Bewohnern der neuen Bundesländer ganz zu schweigen, die mit Ausnahme von Björn Höcke von einem getauften Juden aus Trier abstammen) seit 73 Jahren „gegen jede Art“ von Anti-Semitismus.

Hier muss ich einmal kurz abschweifen und, mit Verlaub, einmal ganz direkt werden: Die Deutsche Frau wirft, wie es sich gehört, ihre gebrauchten Binden und Tampons nicht ins Klo, sondern gibt sie dem Bio-, bestenfalls dem Restmüll bei, wo sie meist ein Moslem entsorgen tut, der für neun Euro die Stunde an einem Restmüll-Laufband steht und sich gar nichts dabei denkt. Und das ist gut so! Nicht nur für die Deutschen, sondern auch für den Moslem, der, wenn er ein Jude oder ein Afrikaner ist, das Menstruationsblut vielleicht unrein findet, sich aber am Riemen reißt, weil er sich integriert.

Der Moslem ist nicht ganz so hart wie der Hindu, dem seine in Art. 4 Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit garantiert, dass er sich durch die Ewigkeiten emporarbeiten darf, zum Beispiel im First-Life als Kakerlak, im Second-Life als Hosenknopf-Annäher in Indien und im Third-Life als Marius Müller-Westernhagens Fräulein Meyer. Der Moslem legt Wert auf einen Entwicklungsmodus schon im ersten Leben und bleibt hartleibig, was das Kopftuch betrifft: 50 Jahre nachdem man ihm am Bahnhof von Leverkusen das erste TürkenMoped überreichte, weigern sich ganze Gruppierungen noch immer, ihre Kopftücher abzulegen, geschweige denn sie ablegen zu lassen. Und dies, obwohl hierzulande wirklich jeder machen kann, was er will! Und sich der Biodeutsche überall auf der Welt, stets durch rasche und konsequente Integration beliebt gemacht und spätestens nach 200 Jahren seine Trachtenhüte, Lodenjanker und Volkstänze symbolisch ertränkt hat. Noch heute beherrschen zahllose GRÜNEN-Wähler mehrere namibische Sprachen zumindest auf einem EU-Zertifizierungs-konformen Level, was man weder vom Moslem noch vom Hindu, noch nicht einmal von jedem Juden sagen kann.

Der Hindu, das weiß der Deutsche aus den seit 45 Jahren vielmal jährlich wiederholten Dokumentarsendungen auf arte, nimmt‘s, wie es kommt. Im Gleichklang mit der Natur wirft er die Leichen seiner Lieben in den Ganges und zieht im Gegenzug die Cholera heraus. Die Zurückhaltung insbesondere der „Hindu-Extremisten“, von denen die Tagesschau-App mir immer einmal wieder berichtet, wird hierzulande nicht genügend gewürdigt: Sie massakrieren hier einmal 100, dort vielleicht einmal 60 Moslems, aber sie lassen den Deutschen in Ruhe. Der Herr Bundespräsident müsste einmal sagen: Man muss sich zum Hindu, ich sage es in aller Deutlichkeit, allerdings auch in Anerkennung der Leistungen, die, was hier nicht verschwiegen werden darf, auch schon für die, deutlich distanzieren, soweit er gesagt hat, einmal in aller Offenheit bekennen.

Eines ist jedenfalls sicher: Der Hindu ist mit 1.000.000.000 wiedergeborener Existenzen etwa 12,5 mal häufiger als der Deutsche, 80,3 mal häufiger als der Bayer und 122 mal häufiger als der katholisch getaufte Bayer.

 

Söder & Kollegah

Ich finde es vollkommen in Ordnung, dass nach der jüngsten unerträglichen Provokation der Rapper Söder & Kollegen eine harte Grenze gesetzt und nach der Verantwortung derjenigen gefragt wird, die mutmaßlich seit Jahren davon wussten.

Wir sind beim Battle-Rap angelangt, einer Kunstform, welche, wie ich jüngst erfahren musste, alle Feuilleton-Redakteure von Freiburg bis Flensburg (sorry, kleiner Scherz!) praktisch mit der Muttermilch (sorry, VeganerInnen!) aufgesogen (darf man das Wort sagen? Nicht doch besser „getankt“?) haben, jedenfalls mir erklären möchten, müssen und können.

 

Grundkurs

Battle-Rap ist, liebe FAZ-Redaktion, nicht wirklich schwer, allerdings auch nicht so leicht, wie das beim schallgedämpften Rasenmähen in Heusenstamm (heute) oder Königstein (morgen) erscheinen mag. Nehmen wir ein paar spontan rausgekotzte Lines:

Fick Dich bis die Schwa-harte kracht /Voll die ha-ha-harte Nacht /

mach die Currywurst klar Du Judensau /

mit rotweiß ketschupp ha ha sieben Euro fünfundfünfzig.

Sie glauben, dass das die Billig-Version war? Da täuschen Sie sich aber gewaltig! Aber das versteht nur, wer ein bisschen synkopisches Verständnis hat (und, liebe FeuilletonistInnen, selbstverständlich die Adorno-Verachtung für die Synkope!), und ein bisschen Bob Marley im Neuruppiner Blut.

Auf der „Voll der Baudelaire-und Kinski“-Preisliste des von mir beherrschten „lyrics“-Produzenten-Teams war es jedenfalls die Grundversion „Gina-Lisa“ (kleiner Scherz darf sein, Stokowski!), mit Knoblauch. Für nur 62 Euro mehr kriegen Sie schon die Rechte an lyrics wie diesen:

Kunst ist in der Eff-Ah-Zett/

Anzeige

mach die Beine Breit Alte /

und schmier mir ein Mett /

Brötchen mit Zwiebel /

ja der Fritz Walter/ und der Otmar /Hitzfeld /

der mit dem Schwitzfleck unter dem Auge /

lass es gut sein/ geil dass Du da bist/

jüdische Bibel.

Das ist allemal einen EchoEcho wert, Bruder! Sie können es mit einem wie original-klingenden André-Rieu-Arrangement haben (827 €) oder als Remix, wahlweise Bernhard Brink-Style (19,95 €) oder Hildegard Knef (3.275 €)! Diesen Monat 25 % Nachlass auf Style Nana M. mit Vollbrille (1.775 €) oder „75-Jahre Nena“ (im Schuber mit signiertem Höschen 127,80 €; mit signiertem Luftbild von Hagen 800,00 €). O.k., ich weiß, dass das jetzt möglicherweise ein bisschen embedded advertisement war; aber wir sind ja unter uns! Und auch die schönste Echo-Rückgabe braucht eine BUNTE, die sie fotografiert, oder?

 

Spartacus

Es schreit das Lumpenproletariat aus den Kellern: Söder und Kollegen! „Wie sehr schämt sich der deutsche Jude?“, fragt die FAZ möglicherweise schon morgen. Ja mein Gott, und die wunderbaren Neger von der CSU! Wie er ein Kreuz an die Wand nagelt! Ich fordere: Man muss Herrn Dr. Markus Söder zum Ehren-Neger ernennen, allein schon dafür, dass er ein Kreuz an die Wand genagelt hat. Und man muss eine Gedenktafel direkt daneben anbringen: „Hier nagelte Markus Söder ein Kreuz an die Wand.“ Ein Bild daneben, wie er schaut, der Söder, als er ein Kreuz an die Wand nagelt. Mit diesen schräggestellten christlich-jüdischen Augen, oder kommt das vom strafzollfreien bernsteinfarbenen Gold aus Tennessee? Egal: Der Jude Markus ist ja bei uns so zuhause wie der Jude Jesus.

 

Antisemitismus

Es ist also, wie Kollege Söder, Farid Bang und Judith Rakers nicht müde werden uns zu erklären, zu unterscheiden zwischen dem strukturellen, dem poststrukturalen, dem christlich-jüdischen und dem muslimischen Antisemitismus. Der hierzulande gefährlichste ist natürlich der christlich-jüdische Antisemitismus, denn er tarnt sich am hinterlistigsten. Er sagt, dass der Jude zu Deutschland gehört, nagelt aber ein Kreuz und keine Kippa an die Wand des Staates, und führt daher etwas anderes im Schilde.

Jemand sollte diesen Bundespräsidenten sagen lassen, dass der jüdische Glaube zum Deutschtum gehört wie der deutsche Glaube zum Judentum. Aus dem Satz könnten sich dann ZDF und Deutschlandradio drei Wochen lang herauszufressen versuchen, was sie aber garantiert nicht schaffen würden. Dann könnte man alle Preise zurückgeben, die in der Vergangenheit an Vollidioten und Menschenschinder-Claqueure verliehen wurden.

 

Söder

Söder hat sagen lassen, er habe das Kreuz als Symbol von „kultureller Identität“ angenagelt. Das war ein schwerer Fehler. Denn unter der Kultur des Kreuzes wurden in Bayern ja die Knechte gequält und die Mägde vergewaltigt, die Hungerleider fortgejagt und die Verhungerten verscharrt. Das Kreuz, das ein kultureller Söder an die Stirnwand der Staatsgewalt nagelt, kann niemals ein Kreuz der Hoffnung und der Menschenliebe sein.

Ich war drei Jahre lang Richter in Bayern. In den Gerichtssälen, in denen ich damals die kleinen „Sünder“ verurteilte, die sich das in phänomenaler Devotheit gefallen ließen, hing stets ein „Kreuz“ an der Wand. Ich schämte mich immer ein bisschen, denn weder war ich Christ noch dachte ich, dass es mit Christentum zu tun habe, was ich zu entscheiden hatte: Nichts als Missbrauch von Religion, Missbrauch von Kultur, Missbrauch von Bedeutungen.

Herr Söder hat keine Kippa annageln lassen im Eingangsbereich der bayerischen Behörden. „Kippa“ ist kein religiöses Symbol, sondern nur eine Symbolisierung eínes kulturellen! Ich weiß: das klingt zu schwierig für die bayerische Staatsregierung als solche. Herr MP Söder sagt allerdings, das Kreuz sei kein staats-religiöses Symbol, sondern ein staats-kulturelles. Dann allerdings hätte er vielleicht doch eine Kippa nehmen sollen, als Zeichen der jüdisch-christlichen Tradition Bayerns. Herrn Söders angenagelter Anti-Moslemismus ist sieben Milliarden Menschen auf dieser Welt und sieben Millionen bayerischen Katholiken ungefähr so viel wert wie ein Klacks Senf auf einer mittelfränkischen Bratwurst. Aber eine Kippa wäre schon was gewesen! Man hätte ja auch eine 14-tägige Kippa-Tragepflicht für alle Mitglieder der bayerischen Staatsregierung sowie der sog. politischen BeamtInnen anordnen können.

Insoweit also von hier aus ein klares „Suboptimal“ für Herrn Söders wichtigstes Wahlprogramm! Ich hoffe, dass unser Anti-Moslemit von allen bayerischen Juden-Freunden demnächst gezeigt kriegt, wohin und wie niedrig er sich seine albernen Kultur-Imitationen nageln darf.

 

Insassen

Abschließend noch zu den zwei Rap-Künstlern aus dem Echo. Die beiden inzwischen medienweit berühmten, ja ich möchte sagen, liebe Zuschauer: umstrittenen! Künstler haben in einem wegen seines gigantischen Erfolgs preisgekrönten Hit gesungen, dass ihre Körper so definiert seien wie die von zu Tode gepeinigten „Insassen“ des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz, das in Polen war, wo ja nur wenige Deutsche und überhaupt kein Pole jemals an der Vernichtung mitgewirkt haben, weshalb sich in Deutschland jeder schuldig macht, der behauptet, Auschwitz habe es nicht gegeben, und in Polen jeder, der behauptet, dass sich ein Pole des Antisemitismus schuldig gemacht habe.

Mein Gott, eine Provokation! Unser Feuilleton weiß nicht ein und aus! Provokation! Unser Lieblings-Feature! War nicht einst schon Riefenstahl eine einzige Provokation, und dann dieser Beuys, und Yoko-Yoko Ono, die Bekämpferin des Hundertdollarscheins? Ach, was lehrte man uns an der Fachhochschule für Mediengestaltung und philosophisch-feministische Körperkunde, als wir 23 Jahre alt waren im Jahr vor Einführung von Windows 10?

 

„Grenzen der Kunst“

Darf man Provokationen verbieten? Darf Kunst alles? Campino, sag‘ es Frau Marietta Slomka und dem Intendanten des Deutschlandradios, meinetwegen samt seiner albernen Silke Burmester! Campino (nicht gerade einer meiner Helden, ehrlich gesagt) sagte: Die Grenze, die Grenze, die Grenze. Schon das aber war einmal mehr zu viel für die Intendanten und die Sprechschau-Konzeptualisten. Sie lassen ihre üblichen Dackel los und schwatzen über die Grenzen der Kunst und die Grenzen der Provokation. Beides belanglose Fragen; und die Tatsache, dass und wie sie gestellt werden, zeigt den Blödsinn:

Es gibt keine „Grenze von Kunst“ – weder inhaltlich noch rechtlich. Das Bundesverfassungsgericht und der Bundesgerichtshof haben das schon 20 mal und seit 30 Jahren immer wieder gesagt. Die Medien-Maschine nimmt es notorisch nicht wahr, sondern beharrt in perfekt faschistischer Tradition darauf, es sei kategorial zu unterscheiden zwischen Kunst und Strafrecht, Kunst und Beleidigung, Kunst und Pornografie…

Nichts davon ist wahr: Kunst ist Kunst, und Käsebrot ist Käsebrot.

Wer mit Kunst Menschen schindet, oder das Menschenschinden künstlerisch bejubelt, soll halt dafür bestraft werden. Man muss endlich über andere Begriffe nachdenken, und über andere Grenzen. Wenn Herr Welke einen Plüschhasen ans Kreuz nagelt, Herr Achternbusch einen Frosch ans Kreuz bindet und Herr Söder im Namen des Staats ein Kreuz vor die zu 70 Prozent nichtchristlichen Bürger nagelt, denen er zu dienen hat, dann ist all das Kunst. Daraus ergibt sich allerdings vorerst gar nichts.

In Auschwitz nahmen Großväter und Großmütter derjenigen die Definition der Körper vor, die den zwei mutmaßlich blöden Personen einen Preis dafür verliehen, dass so viele Deutsche den Hit mit den definierten Körpern gekauft hatten. Das ist ja nun vielleicht eine Schande der Preisverleiher, vermutlich eine solche der Hit-Dichter, auf jeden Fall aber eine Schande der Hit-Käufer. Leider hat die super-empörte Feuilleton-Branche bis heute nicht an prominenter Stelle veröffentlicht, wie viele von diesen antisemitischen Schweinebacken und Drecksweibern unter uns Deutschen sind. Obwohl doch der so genannte „Echo“ in der Sparte „Pop“ eindeutig ein wirkliches Echo ist, also nur zurückruft, was man in den Wald hineingerufen hat. Was kann denn Volker Kauder dafür, dass Heckler & Koch so beliebt ist? Entweder wir machen eine Hitparade, oder wir machen keine Hitparade, sagte Dieter Thomas Heck, und ließ 1974 singen: „Ich führte sie zum Tanze / da fiel aus ihrem Kranze / ein Röslein rot.“ Das war, als Jassir Arafat, ein späterhin bekannter Gegner des Antisemitismus, seine erste Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hielt.

Noch einmal neu angesetzt: Wer von diesen erbärmlichen deutschen Antisemiten um uns her hat denn jetzt eigentlich diesen grauenhaften Auschwitz-Song gekauft, downgeloadet, angehört oder gelikt? Das muss sich doch rauskriegen lassen! Wofür haben wir denn diesen Herrn Maas (ich meine nicht den bestgekleideten näselnden Außenminister aller Zeiten, sondern den Gefahrvorhersehungs-Beauftragten)? Ich selbst bin diesmal völlig unschuldig, wie übrigens auch schon damals beim Gang-Banging von Fräulein Meyer!

Nun gut: Wenn man mal ganz nüchtern an die Sache herangeht, muss man sagen, dass die Opfer biodeutsch-industriell organisierter Menschenvernichtung im Namen der christlich-vorseherischen Münchner Kultur nicht zwingend jüdischen Glaubens, sondern in 130.000 Fällen auch Sinti oder Roma, in zahllosen anderen Fällen irgendetwas anderes waren, ihren Mördern jedenfalls hinderlich erschienen. Insoweit könnte man, wenn man kleinlich wäre, die enge Verbindung zwischen „Auschwitz-Insasse“ und „Antisemitismus“ bezweifeln. Aber da sind wir ja schon mitten in der Kunst des Mordens und der Ästhetik unserer Fitness-Freunde mit den Müttern aus der aus der „Unheimlisch-Leischt“-generation“: Alles fließt.

„Definiert“ ist ein Körper, wenn man – aus dem Blickwinkel von Fetischisten – die Skelett-Muskulatur erkennen kann. Das ist es jedenfalls, was die Künstlerinnen Madonna und Lohfink, die Künstler Westernhagen und Stallone, die Pornostars Amy Anderson und Stormy Daniels (die, wie wir erfahren, mit bürgerlichem Namen irgendwie anders heißt), die Zeitschriften „Hunger“ und „Schmerz“ uns sagen wollen: Erkenne Dich; befreie Dich vom Körper!

 

Kreuze und Wunder

Der Körper und seine Zermarterung ist für die Södersche Eingangsbereichs-Kultur von zentraler Bedeutung: Zerstöre den Körper, so wirst Du zur gefangenen Seele gelangen, sagt das bayerische Kulturkreuz. Martere, quäle, vernichte den Körper durch Schmerz – und die liebe Seele wird sich emporstürzen zur Wahrhaftigkeit des liebendes Gottes!

Aber was sagt nun der definierte Auschwitz-Körper dem Feuerzeug-Schwenker von 2018? Dieses Verhungern! Manche habe, wenn sie in den viergeschossigen Fächern lagen, die Exkremente der über ihnen Liegenden gefressen. Sie taten das keineswegs als Tiere und auf gar keinen Fall als Battle-Rapper. Sie taten es als wahre Menschen: Weil sie schlau waren und wussten, dass im Kot der zertretenen Brüder und Schwestern ein paar letzte Nährstoffe aufgehoben waren, die einem ein letztes Aushalten ermöglichen könnten. Es handelt sich also – so viel zum Neuhegelianismus – um eine Strategie, die evolutionär lange vor dem zentralen Nervensystem erfunden wurde.

So sind sie halt, die Menschen: die Sinti und die Hindus, die Juden und die Azteken: Sie wollen nicht sterben, selbst wenn man es noch so sehr will. Sie fressen, wenn es sein muss, wie die Ameisen und Kakerlaken die Scheiße der anderen, um einen Rest Hoffnung zu behalten vor ihren abend-oder morgenländischen Mördern. Sie leben, wenn es sein muss, unter der Erde, wenn oben die Kultur von Agent Orange und Napalm das Überleben von Gottes eigener Stock Exchange verteidigt gegen die Verfluchten. Wenn man da herauskommt, hat man für 1000 Jahre die Schnauze voll von der christlichen Söder-Kultur.

Die Kollegahs vom subproletarischen anderen Ufer darf man letzten Endes nicht davonkommen lassen: Blöd bleibt blöd. Jemand sollte sie vielleicht mal 40 Stunden in der Gedenkstätte Auschwitz arbeiten lassen: Nicht als Prospekt-Sortierer, sondern als Steine-Schlepper. Nicht ohne Essen, aber vielleicht ein bisschen knapper als normal: Matzen und Wasser. Der bayerische Ministerpräsident könnte sich zeitweise anschließen: Drei Männer im Auschwitz-Schweiß, mit nacktem Oberkörper im strahlenden Glanz, abwechselnd ein Kreuz, eine Kippa und ein Kopftuch tragend. Für diese Langzeit-Live-Reportage würde sogar, da bin ich sicher, Sigmund Gottlieb noch einmal in den Ring steigen.

 

Abspann

Erstens: Quiz-Auflösung

  • Juden 1933: 500.000.
  • Juden 2017: 90.000.
  • a) Buddhisten; b) Hindus; c) Zeugen Jehovas; d) Juden.

Zweitens: Es ist nicht alles Scheiße, was stinkt. Ich weiß es ja, dass das hart zu lesen ist, aber die eigentliche Frage kommt ja erst, wenn man diesen Reflex des Eingangsbereichs überstanden hat.

Drittens: Marius Westernhagen möge bitte den albernen Hut aus der mittleren Dylan-Periode weglassen. Wichtiger: Der 70-jährige Bundesverdienstkreuz-am-Bande-Träger möge bitte Fräulein Meyer (mit bürgerlichem Namen Makeba Osanku aus Yamoussoucro), die er mindestens 2 Millionen mal kostenlos im Büro-Abtritt ficken zu dürfen behauptet hat, ein sorgenfreies Alter ermöglichen. Das muss drin sein, mit 13 Millionen verkauften Einheiten.

 

Lesen Sie nächste Woche von Thomas Fischer: brandneue Gesetzentwürfe und Ultimaten der SPD!

 

 

 

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. …immer wieder sehr erfrischend, wenn diesmal auch etwas heftig!…m. E. ist der 1. Weltkrieg der Wechsel von der Aristokratie zur Demokratie mit einem heftigen Regime dazwischen, anders als in GB und anders als in RUS etc… und stimmt, genauso wie der Islam gehören auch alle anderen Religionsbekenntnise zum Westen… das bedeutet sie doch, die Religionsfreiheit, welche per Gesetz im Westrn definiert ist…

    1. WK1 als Wechsel “zur Demokratie” ist ein interessanter Gedanke, jedenfalls in Anbetracht des Jahrhunderts zuvor.
      Mir scheint eher: Wechsel vom industriellen Handwerk zur handwerklichen Industrie. Das war es ja wohl, was alle so überraschte: Dass man das Töten mit Maschinen und Maschinendenken so frei von jedem Menschentum organisieren konnte.
      Insofern also Vollendung des Weltgeistes; der Rest (33 bis 45) nur ver-rücktes Echo, vielleicht. 14/18 war der symbolische Einstieg in die neue Zeit.

      1. Jemand, der zwoOO/2Fragezeichen heißt,
        sollte eine solche Frage nicht stellen.

      2. Da hat es schon ganz andere gegeben, die ganz anders geheißen haben, sich drauf auch noch was eingebildet haben, und die es noch nicht einmal die Mühe Wert fanden, nachzufragen wie es denn einem oder einer anderen mit all dem geht was da so unaufhörlich, pausenlos einströmt. Immer. Überall. Tag für Tag. Traktiert, behämmert, geknebelt, konfrontiert, provoziert, abgefüllt mit 1000en von Meinungen, Antworten und Künsten. Forderungen, Ansprüchen und Befehlen. Ohne Ende.
        Da braucht man dann kein Hirn mehr. Da herrscht von dieser Seite aus zur Freude der Gegenmeinungsunterdrückungsexperten Schweigen, Stille, Ruhe. Da ist man eine Null, oder besser eine Zwillingsnull, Zwillingsnullnummer, namenlos, gesichtslos, – denn man ist ja nie wirklich mit sich allein eins, darf ja nicht. Eine Schießbudenfigur. Nutzloser Dreckskümmerling.

      3. Dankeschön.

        Eine ArmeOpfer-Partei wäre sinnvoll, könnten sich sicher sehr viele damit identifizieren.

    1. Besonders cool: die Passage über Hegel, Battle Rap & die Scheissefresser in Auschwitz (aus Hoffnung “vor ihren Mördern”). Lässt einiges erwarten für künftige Kolumnen.

      1. Cool, intensiv, gallenbitter, gedankenschnell, einschlagend, rabenschwarz, donnergerüht, gestochenscharf, und super lesbar.

        Freun sich etliche sehr auf die weiteren Kolumnen.

  2. Muß man eigentlich Jurist wie Ex-Bundesrichter Thomas Fischer sein, um zu bilanzieren, dass zu KZ Insassen auch hunderttausende Sinti oder Roma, Homosexuelle, Kommunisten, Sozialisten, Christen, Zeugen Jehovas, Menschen anderer Religionsgemeinschaften, politisch Andersdenke, ” “Minderwertige”, “Asoziale” und viele Andere mehr gehörten, die nicht über das Alleinstellungsmerkmal “Semit” verfügten? Werden diese nochmals erschlagen, dieses Mal von der Antisemitismuskeule?
    Wie hieß es bei “VÄTERCHEN FRANZ” (Josef Degenhardt): Zwischentöne sind nur Krampf (im Klassenkampf).
    Gekämpft wird nicht nur zwischen den Klassen!

    1. Ich weiß es wirklich nicht, denn ich bin ja kein EX-Degenhardt und auch kein Ex-Rom. Und nur für das verantwortlich, was ich schreibe.
      tf

  3. Meine Hochachtung an Herr Fischer, für diesen einzigartigen, fantastischen Text!
    Einfach göttlich wie die geworfene Steine der Zeitgeist-Reiter zum Bumerang werden und dem Werfer sprichwörtlich wieder auf die verbale Backe knallen!!!
    Es gibt schon einen Grund für das Sprichwort, „… es werfe den ersten Stein, wer ohne Sünde …“.
    Klasse formuliert … messerscharf in der Analyse und dem entgegen gestreckten Spiegel!

    Volker Pispers meinte: „ … da brauchen Sie nicht klatschen, dass grenzt schon an gesunden Verstand.“

    Ich kann aber nicht anders (klatsch, klatsch, klatsch …)!

    Daher, beide Daumen hoch!!!

  4. MMW wäre mit seinen Texten aus den 80ern in der heutigen Zeit von den metoo-Kreischen gemetzelt und begradigt worden. Darüber nachzudenken ob er irgendwelche Musikpreise zurückgeben könnte, dieses Luxusproblem hätte der heute gar nicht. Schade, wenn im fortschreitenden Alter bei so manch guten Musikern vielleicht die einstig besungen Freiheit dem subtilen Zeitgeist gewichen ist.

  5. Was durchaus ebenso, also nebst der Kruzifixdebatte diskutiert werden sollte, ist die Sache, was denn der heraldische Panther im Bayerischen Staatswappen verloren hat. Welchen christlichen (?) oder sonstigen Symbolgehalt hat denn dieses schöne Fabelwesen?
    Symbolisiert er gar den auferstandenen Christus? Ohje, hoffentlich nur das nicht.

  6. Kollegah und Bang sind wohl echte Ehrenmänner. Bruder, da legst dich nieder. Vor allem auch die außerordentliche Gebildetheit im Vergleich zu unsereins ist unfassbar. Man höre sich Interviews an u nicht nur die Songs. Und diese Offenheit, dieses Freiheitsdenken und Friedensansichten, echte Führerpersönlichkeiten. Hoffentlich können sie noch viel Gutes machen für den Weltfrieden. Nicht nur mit ihren Texten.

    Mir fällt jetzt der Typ ein, der uns angebrüllt hat, uns Schläge angedroht hat, weil wir nicht zu Kreuze (hihihi) gekrochen sind u uns nicht entschuldigt haben, wie er es verlangte.
    Wir haben uns nicht entschuldigt, weil wir uns nichts zuschulden kommen haben lassen, sondern einfach nur da waren. Aber er hatte Recht, darauf bestand er, und er hatte nämlich die richtige Religion inne, so richtig intus, – und wir glauben ja nicht an den richtigen, wahren, einzigen echten Gott, deshalb Problema. Großes Problem.

    1. Die Ehrenmänner sind mir seit jeher die allerliebsten.
      Aber was soll man dazu sagen?
      Und was wollen Sie uns sagen?
      Schauen Sie auf Youtube Herrn Sarrazin an, unseren deutschen Gelehrten auf Schloss Hambach. Inklusion lebt.
      tf

      1. Ob deutscher Kollegah oder amerikanischer Kollegah, seine lustigen deutschen, russischen, türkischen, bayerischen, brasilianischen, israelischen, saudischen WeltFreunde, deutscher oder palästinensischer Sarrazin, sozialistische deutsche oder französische Starjournalistin, deutscher Erdogan, indischer Böhmermann, afrikanische Merkel, echtbayerischer Söder .
        Alle sind sie nur Menschen. Leider mit Identität und Wurzeln, Herkunft, Sozialisierung. Das ist das Problem, das hat eigentlich jeder, aber man sollte das nicht haben, man muss unidentifizierbar sein. Gesichtslos und sinnentleert. Anonym. Nummer. Weil alle völlig gleich sind.
        Keiner ist mehr wert als der andere, in einer grenzenloses Welt sowieso nicht. Jeder muss sich tagtäglich in Demut und intellektueller Bescheidenheit und Armut üben. Das ist anständiges Menschsein.
        Das war uns zu sagen.

  7. Brüder im Geiste, die Kollegas, nur andersrum.
    Ob Schweinerei, ob Schweinegeld, völlig wurscht, es wird doch immer wieder dieselbe Sau rausgelassen und durch Deutschland getrieben.
    Die Battle-Rapper von gestern die Empörten von heute.
    Selbst die, die vor ein paar Jahren noch mit Mao über Leichen gehen wollten, sind heute sehr besorgt wegen der fremden Kulturen.
    Und so kommt es, daß sie das Echo nicht mehr ertragen.
    Total vernagelt, blind geworden vor Angst.
    Grenzen! Immer neue, bis es wieder die alten sind.
    Ein wenig zynischer Jazz tut gut!
    Danke, Herr Fischer!

    1. Fragen über Fragen:
      Von welchen fremden Kulturen ist die Rede? Und von welcher Angst?
      Wer kommt denn zu solchen Ansichten und warum? Wer hat rausgefunden wie wer denkt und fühlt? Wann und wo? Alle interviewt, alle analysiert, alles aufgezeichnet, alles beinhart verifiziert?

      Wo bleiben die ganzen kompetenten Helfer und Experten, die das lösen könnten, damit es nichts Fremdes, Anderes und keine Angst mehr gibt?
      Wieso verteilt man nicht kostenlos Tranquilizer und Angstlöser für alle, damit keiner mehr nur irgendeine Angst vor irgendwas haben braucht, sondern sich tagtäglich todesmutig in die Schlacht wirft, weil unverwundbar?

      Wer braucht denn Rapper und wozu? Wer braucht denn all das Zeug?

      Grenzen? Wozu?
      Was ist denn eine Grenze, eine Abgrenzung und wer darf darüber bestimmen?
      Wenn ich jemandem sage, er soll sein Maul halten, weil mir seine Meinung nicht passt oder weil er meiner Meinung nach hier nix zu melden hat, dann überschreite ich eine Grenze? Welche denn?
      Wenn mir einer sagt ich soll das Maul halten, weil ich hier nix zu melden habe, dann überschreitet der aber keine Grenze?
      Wenn mich einer rausschmeißt aus seiner Hütte und mich nicht dort haben will, weil ihm meine Meinung, meine Nase und meine Herkunft, meine Art der Kommunikation u mein Zugehn auf andere und meine klaren Worte und so einiges nicht gefällt, dann ist das völlig o.k. . Klar.
      So ist das. Aber warum ist das so?
      Und wenn ein Kind aus dem deutschsprachigen Raum mit katholischen Wurzeln solch nen rapp erfinden u singen würde, dann wäre der Teufel los, das hätte man sofort gekreuzigt, da wäre nix mit echo, aber wenn es ein deutsches Kind mit der richtigen politischen Einstellung tut, dann ist alles gut bei den Grenzenlosen und Entgrenzten und Grenzern ebenso?
      Welche Grenze darf es denn wo und wann und wieso sein? Oder muss es sogar Grenzen geben?
      Aber wie erklärt man das?

      1. Eine Grenze ist hier, auch ich sehe sie überschritten:

        “Eine Entscheidung zur Immunität steht auch im Fall von Alexander Gauland bevor. Der Parteivorsitzende und Chef der AfD-Fraktion im Bundestag hatte im vergangenen Sommer auf einer Wahlkampfveranstaltung im thüringischen Eichsfeld zur Müllabfuhrmetapher gegriffen: Man werde die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, „in Anatolien entsorgen können“.
        Thomas Fischer, einst Vorsitzender des 2. Strafsenats am Bundesgerichtshof, erstattete Anzeige. Seitdem prüft die Staatsanwaltschaft Mühlhausen, ob sie gegen Gauland ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung einleitet. Nach Informationen dieser Zeitung haben Gaulands Anwälte Akteneinsicht erhalten und inzwischen eine Stellungnahme bei der Staatsanwaltschaft abgegeben.”
        https://www.welt.de/politik/deutschland/article176088649/AfD-und-Justiz-Fast-jeder-zehnte-AfD-Abgeordnete-hat-Aerger-mit-dem-Gesetz.html

      2. Ja Dankeschön. Gelesen. Eingeordnet. Verstanden.

        Dazu fällt uns noch was ein:
        Frauen darf oder sollte man grundsätzlich niemals widersprechen. Ist wohl so eine Spielregel im Leben. Geschweige denn etwas Böses sagen, klarerweise sowieso nichts Strafbares. Selbst wenn es vollkommener Schwachsinn ist, was die manchmal verzapfen – und jeder eigentlich den Kopf schüttelt, sollte man jede stets wie eine Königin behandeln u am besten sich sowieso eher immer devot verhalten. Ansonsten kann man sich eben nur Probleme einhandeln.
        Allerdings wird es Ausnahmen geben mit denen grundsätzlich eine normale Kommunikation auf Augenhöhe möglich ist.

      3. Die Frage ist gut und berechtigt. Von “Demokratie” ist viel die Rede in dieser Sache; aber Demokratie an sich ist ja nichts außer legitime Herrschaft der Mehrheit. Der ganze moralische Rest steckt woanders: Im Kapitalismus, oder in der “Freiheit”, oder im “Rechtsstaat”.
        Ich beschränke mich vorerst mal darauf, hierauf hinzuweisen, und zu fragen, welche Wirklichkeiten hinter den Begriffen stecken.
        Das andere ist leicht.
        TF

    2. Btw:

      Wenn wir schon beim Thema Angst und Grenzen sind, wovor hatte und hat man eigentlich bei zeitonline und bei der “Zeit” so große Angst und Panik und welche Grenzen ziehen die dort, dass die nicht nur Kolumnisten, sondern sogar Heranwachsende aus dem Forum rausschmeißen und nicht als Leser wollen? Warum und wozu?
      Alles nur künstlich und scheinheilig Empörte oder was?

  8. Als Herr Fischer noch als Jurist geschrieben hat, gefiel er mir sehr viel besser.
    Nun geriert er sich wie die, die er permanent beschimpft, wie ein Feuilletonist. Vielleicht sollte er seine Texte einmal überschlafen und dann redigieren. Dann wären Sie verständlicher und man müsste nicht so oft zweimal lesen: was meint er denn? Guter Stil ist schon was anderes. Vielleicht liest er mal Heinrich Heine, nicht die Gedichte, sondern die essayistische Prosa. Wer so auftritt wie er, sollte auch im Stil etwas bieten und nicht so laut & effekthascherisch zu Werke gehen…

    1. Dass diese Kolumne (vom 1.5.) so auffällig früh aus dem Meedia-Schaufenster verschwunden ist, könnte daran liegen, dass die Redaktion ein ähnliches Gefühl wie Sie beschlichen hat und sie womöglich ihren Autor vor zu viel Aufmerksamkeit schützen möchte. Ob er seine eigenen Texte mit der nötigen Kühle und Distanz zu redigieren vermag, weiß man als Leser naturgemäß nicht. Ob es die Redaktion kann (und will!), ist ebenfalls kaum zu beurteilen. Ihre eigenen Artikel sind jedenfalls auch nicht immer makellos.

      1. Vielleicht geht ja die große Angst um, einige senile, sensible oder kontaminierte Hirne könnten den Stoff, den Lesestoff nicht vertragen. Hoffentlich ist das nicht so.

        Abgesehen davon, früher war das mal so, dass Kolumnisten ihre eigene Meinung, Fachmeinung, persönliche Meinung, also ihren ureigenen Käse u Topfen geschrieben haben. Und keiner hat sich deshalb in die Hose gemacht. Es war auch früher mal so, dass man generell eine eigene Meinung haben konnte, ohne jemand anderen fragen zu müssen was man denken u sagen u fragen und nachforschen darf und ohne von jemand anderen blöd angstänkert u pausenlos terrorisiert worden zu sein, dass einem jegliche Lust an jeder Kommunikation endgültig vergeht.

      2. Da wäre ich mir nicht so sicher. Um überhaupt irgendwo Kolumnist zu werden, ist Kongruenz mit der jeweiligen Redaktionslinie schon ziemlich hilfreich. Ob dann auch wirklich jeder „ureigene Käse u Topfen” gedruckt wird, kann der Leser gar nicht wissen. Manches Bündnis zwischen Redaktion und externem Autor ist ganz schnell in die Brüche gegangen. Der Schriftsteller Pascal Mercier alias Peter Bieri etwa hat nach meiner Erinnerung einmal und nie wieder für das Zeit-magazin kolumnisiert.

      3. DwJ

        Jaja, der spezielle Gehorsam und die Unterwürfigkeit, eh klar.

        Eines ist sicher: was grad Geisteshaltung und generell politische Linie ist, schafft einer oder eine oder mehrere ganz oben an, die eben auf Chefinsein abgerichtet sind, so ist das in einer Diktatur, da hat man auch zu spuren und zu kuschen. Wehe einer muckt auf. Muckst du, Zähne spuckst du!
        Aber, aber solange man mit jemandem zb angeben u sich brüsten kann, solange geht es ja doch. Nur, wenn es mal knallhart wird u zum berechtigten Streit kommt, dann zeigt die Chefin, der Chef so gerne, wer am längeren Ast sitzt. Klar, Teamfähigkeit ist das allerletzte.
        Jedenfalls ist es pervers, wenn jemand eine Kolumne machen soll u das dann eh nicht von ihm ist, also nicht ureigenster Käse; dann sollen sich die Chefs u Räte der gestaltenden und die Welt kleinkrämerisch interpretierenden Leitmedien selber ihre Kolumnen schreiben.
        Das Problem des Journalismus ist, er ist nicht kritikfähig, muss er ja auch nicht, erwartet keiner, will keiner, braucht keiner, u er hält sich völlig zu Recht für heilig u unantastbar. Und der Journalist, die Journalistin plus Einflüsterer sagt mir, dir, uns, was gut ist, was schlecht ist, was geht, was nicht, die kauen für uns vor, sie verdauen es auch gleich für uns, wir brauchen nur jede Krot fressen. Sie sind unsere zeitgemäßen Götter, denen wir jedes Opfer bringen. Sie erklären uns auch tagtäglich wie dumm wir sind und zwar so gut, dass uns unsere Blödheit wirklich einleuchtet.

      4. ja, wer weiß es?
        Vor allem: Was ist das “Nötige” an der nötigen Distanz? Und wer mag es wohl bestimmen?
        Und vor wem müsste man wohl den beschützen, der das Nötige verfehlt?
        Das alles wird man nicht herausfinden, wenn er es denn nicht verfehlt: Ganz knapp, gelegentlich, distanzlos.
        tf

    2. @Michael Füting
      Der Herr Fischer möge als (Fach-)Jurist, Richtender, Experte, Autor, Publizist, Kolumnist, Denker, Gesellschaftskritiker, Schriftsteller, Satiriker, Polemiker, Ironiker, Essayist, Lyriker, Poetiker, Humorist alles schreiben was er und wie er es will.

      Es ist ganz bestimmt für die ganz normale Leserin, und vor allem jene, die Debatten anregende Literatur schätzen und wünschen, viel von Meinungsfreiheit und lebendiger Diskussion halten und ebenso für einigermaßen belesene, denkende und relativ gern streitbar lebende u somit sich selbst mitteilende Hirne aushaltbar, wenn er in seinen schriftlichen Werken seine juristisch fachliche und persönliche Meinung zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen kundtut u vielfach auf massive Missstände hinweist.

      Dummschwätzer und intellektuell Minderbegabte, die nicht mal den Sinn und Zweck, die Intention von diversen Gesprächen u Auseinandersetzungen verstehen, gibt es ohnehin in allmöglichen Redaktionsstuben und sonstwo mehr als genug, da braucht es ein lautes und wortgewaltiges Gegengewicht, das realistisch denken kann.

      Der Hinweis auf Heinrich Heine ist eine sehr gute Idee von Ihnen.
      Ich bin dafür, dass TF den HeinrichHeinePreis erhält.

      “Die Landeshauptstadt Düsseldorf vergibt im Zwei-Jahres-Turnus den Heine-Preis für Persönlichkeiten,
      “die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen oder politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten”.”

    3. Ja, da haben Sie Recht.
      Jedenfalls ein bisschen.
      Zweimal lesen ist kein Argument: Das hat noch nie geschadet.

      Redigieren-Lassen: Da kennen Sie aber unsere RedigierInnen schlecht.
      (Nähderes bei Gelegenheit)

      Gelegentlich daneben: Ja, stimmt. Entschuldigung!
      Aber ist das eigentlich wirklich verboten? Und wenn ja: von wem? und warum? Ich bin ja gern bereit zu diskutieren: Wenn man mir sagt, worüber. Die bloße Form kann es wohl nicht sein. Es ist mir schlicht egal, wie man auf der Terrasse in Wiesbaden an einem Sommernachmittag den Apfelkuchen zu essen pflegt. Ich bin 65 Jahre alt und habe viele Krümel dieser Welt gesehen. Was denken Sie: Vor wem sollte ich mich fürchten?
      tf

  9. Ein Geniestreich, Herr Fischer, preisverdächtig, sitze leider (noch?) in keiner Jury.

    Bitte an meedia: chronologische Suchfunktion zu den Autoren.

  10. Wo bleibt denn bittesehr die versprochene und angekündigte Kolumne?
    Es ist nämlich schon längere Zeit nächste Woche und diese kulturspezifische geistige Nahrung fehlt.

    PS: FrauSCZ, wechselt jetzt das noch lebende und nicht eliminierte Zeitpersonal hierher? Gut so.

    1. Liebe Frau Werauchimmer,

      ich wechsle nicht, meedia oder andere Presse sind mir nicht fremd, warum auch.
      Obiger Artikel hat mich besonders angesprochen, deshalb mein Applaus in Form eines Kommentars, das wars schon.
      Bei SPON gefällt mir die Kommentarfunktion nicht besonders, ZON hat für mich das funktionell und in punkto Übersichtlichkeit beste Forum, wäre noch um einige Funktionen erweiterbar, aber gut.

      1. Liebe Frau Sonstwer,

        die Debatten- und Streitkultur ist in dem von Ihnen genannten Forum Weltspitze. Das sagen alle. Ausnahmslos.

  11. Es ist wohlfeil, sich über den Kitsch eines MMW zu gerieren.

    Aber er und Campino haben etwas beim Namen genannt, was die feigen Herren der Plattenindustrie unter den Teppich kehren wollten.

    Das ist schon richtig so und verdient Respekt.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia