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“Lasst die Blase platzen”: Tech-Konferenz re:publica 2018 in Zeiten der großen Web-Ernüchterung

Eine Blase, die platzen soll:  “Pop the Bubble” lautet das Motto in diesem Jahr
Eine Blase, die platzen soll: "Pop the Bubble" lautet das Motto in diesem Jahr © re:publica

Bereits zum zwölften Mal versammelt sich die Webszene diese Woche in Berlin zur re:publica. Nachdem Teilnehmer im vergangenen Jahr bereits feststellen mussten, dass es "dem Internet schon mal besser ging", folgte in den vergangenen Monaten, symbolisiert durch die Facebook-Krise, der große Knall. Der Umgang mit dem Netz muss neu gedacht werden – das größte Internet-Event Europas lädt dazu ein.

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Der Slogan klingt hypiger als er gemeint ist: “Pop the Bubble”, lautet das Motto der zwölften Auflage der re:publica, lasst die Blase platzen. Was man auch gerne über Internet-Hypes sagt, die sich vermeintlich in der Filterblase befinden: an der Börse oder in der Aufmerksamkeitsökonomie.

Während die Veranstalter tatsächlich den Menschen im digitalen Zeitalter in den Vordergrund rücken wollen (nicht umsonst lautet das Motto-Hashtag in diesem Jahr #PoP als Abkürzung für Power of People), ist in den vergangenen Monaten doch etwas anderes geplatzt: das Vertrauen in das Internet selbst, wie es noch der versprengte Haufen von 700 Digital Natives kannte, die sich 2007 auf Betreiben von Johnny Haeusler und Markus Beckedahl zur ersten Auflage der re:publica als netzpolitische Konferenz noch in der Kalkscheune trafen.

re:publica in Zeiten der großen Internet-Ernüchterung

Für zwei Jahrzehnte war das Internet ein Fortschrittsmedium, das am Ende auch eine bessere, weil vernetztere Gesellschaft  versprach. Doch irgendwann stieß das Wachstum an seine Grenzen, das Netz verwandelte sich vom heißen Scheiß mit immer neuen Apps zum Mainstream, dessen kommerzielle Auswüchse immer mehr die Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft prägten – schließlich wurde die viel zitierte “Digitalisierung” sogar gefühlte eineinhalb Jahrzehnte zu spät zum Wahlkampfthema.

Doch mit der Trump-Präsidentschaft und dem Brexit kam eine neue Erkenntnis: Man konnte mit dem Lieblingsspielzeug auch böse Dinge anstellen. Facebook bekam in den vergangenen Monaten, symbolisch durch den Cambridge Analytica-Datenskandal, die geballte Abreibung, die Big Tech in der Gesamtheit betrifft.

#rp18: Aufräumarbeiten nach der großen Web-Verwüstung

Weitaus mehr noch als im Vorjahr, als der Schock über die Trump-Wahl und den ersten Teil der Fake News-Debatte wie ein Schatten über der größten Internet-Konferenz Europas lag, hat sich zwölf Monate später die Ernüchterung breitgemacht: Dieses Internet ist kaputt. Unausgesprochen dürfte nicht wenige der geschätzt 9.000 bis 10.000 re:publica-Teilnehmer in diesem Jahr die Frage beschäftigen, ob und wie man das Netz nun repariert bekommt?

Entsprechend stehen die auf den ersten Blick spannendsten Sessions der zwölften Auflage der re:publica, die wieder in Kooperation mit der Media Convention Berlin (MCB) stattfindet, unter dem Eindruck von Aufräumarbeiten und einer Neuvermessung nach der großen Web-Verwüstung, die vor allem vom inoffiziellen Klassensprecher der Netzgemeinde, Sascha Lobo, in der Keynote am Ende des ersten Tages thematisiert werden dürfte.

Sollten Facebook, Google & Co. stärker reguliert werden?
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Nachdem die Kritik an den sozialen Medien seit Jahresbeginn fast wöchentlich ein neues Hoch erreicht hat, wird unterdessen die Frage nach einer Regulierung immer lauter.

Unter dem Motto „Smart Regulation. Medienvielfalt und digitale Öffentlichkeit erhalten!“ diskutieren am Auftakttag etwa Digitalexperte Richard Gutjahr mit Jan Kottmann (Google Deutschland), Anja Zimmer (Medienanstalt Berlin-Brandenburg) und Sophie Burkhardt (funk) über die Frage, ob und wie die Plattform-Giganten Google und Facebook, die potenziell Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung haben, reguliert werden könnten.

Journalismus im Netz: Zwischen Fakten, Fake, Haltung und Hate

Auch der Journalismus hat wegen Facebook & Co. unruhige Zeiten hinter sich. Für viele Journalisten ist das Internet zum Minenfeld geworden – vor allem in den sozialen Netzwerken, in denen gewinnt, wer zugespitzt und meinungsstark formuliert.

Im Panel “Journalismus im Netz: Zwischen Fakten, Fake, Haltung und Hate” diskutieren Dunja Hayali (ZDF), Kai Gniffke (Tagesschau), Georg Restle (WDR) und Autorin Silke Burmester über das Für und Wider eines neutralen Auftritts von Journalisten in den sozialen Medien.

Öffentlich-rechtliche Sendeanstalten sahen sich zuletzt auf mehreren Schauplätzen scharfer Kritik ausgesetzt: zu altbacken, zu langsam, zu aufgebläht, zu teuer und zu staatsnah sei das Angebot. ZDF-Intendant Thomas Bellut diskutiert im Panel “Journalismus in der digitalen Zukunft – Brauchen wir das ZDF noch?” über die Zukunft des ZDF im Zeitalter der immer flexibleren Streaming-Konkurrenz von Netflix, Amazon,  YouTube & Co.

Chelsea Manning erwartet

Einen echten Popstar-Auftritt, wie ihn etwa Netflix-CEO Reed Hastings  2015 geliefert hat, gibt es in diesem Jahr auch zu sehen. Bereits am ersten Konferenztag spricht die im vergangenen Jahr freigelassene Whistleblowerin Chelsea Manning im Rahmen eines Fireside Chats über ihr neues Leben als freier Mensch, zivilen Ungehorsam, radikale Politik und die Folgen einer unkontrollierbaren Staatsmacht.

Insgesamt werden von Mittwochvormittag bis Freitagabend 600 Speaker in über 300 Sessions auf 20 Bühnen erwartet. MEEDIA ist vor Ort und berichtet umfassend über die wichtigsten Sessions und Erkenntnisse.

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