Partner von:
Anzeige

Wochenrückblick: Ob sie sich bei Gruner + Jahr über diese speziellen Twitter-Fans freuen, ist fraglich

T-Shirts nach Maß, Werbung von der Stange; zweite Ausgabe JWD.; Stefan Plöchinger, freche G+J-Twitter “Fans”
T-Shirts nach Maß, Werbung von der Stange; zweite Ausgabe JWD.; Stefan Plöchinger, freche G+J-Twitter "Fans"

Werbung im Look redaktioneller Texte ohne deutliche Abgrenzung war noch nie eine gute Idee. Bei Facebook gilt das besonders, wie am Beispiel GQ zu sehen ist. Der Spiegel berappelt sich in Sachen Paid Content. Joko Winterscheidts Druckerzeugnis legt einen soliden Start hin. Und bei Twitter treiben anonyme G+J "Fans" ihr Unwesen. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne

Anzeige

Diese Woche bin ich doch tatsächlich auf Schleichwerbung reingefallen. Also, vermutlich war das keine Schleichwerbung im juristischen Sinne. Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass alles, was die Tiptop-Männer-Marke GQ in diesem, unserem Web so anstellt höchst legal ist. Es handelte sich um eine Facebook-Werbung der dänischen T-Shirt-Marke Son of a Tailor, die mit einem Zitat aus der GQ für sich warb: “GQ: ‘Ich hole das T-Shirt vorsichtig aus seinem hellblauen Karton und merke sofort den Unterschied …'” Verlinkt war ein Artikel auf der GQ-Website, der selbst für die Männer-Lifestyle-Presse ein bisschen arg schwärmerisch geraten war. Bei genauerer Suche mit der Werbe-Lupe fand ich dann auch irgendwo das kleine Wörtchen “Anzeige”. Die Dänen lügen ja bekanntlich nicht, aber so ein bisschen schummeln tun sie schon, wenn so getan wird, als sei diese Anpreisung ein redaktioneller GQ-Text und in Wirklichkeit handelt es sich um eine Anzeige in redaktioneller Total-Verkleidung. Bei solchen Geschichten verlieren bei mir persönlich sowohl das beworbene Produkt als auch das Medium, in dem die Werbung steht.

Son of a Schleichwerber

+++

Der Spiegel berappelt sich in Sachen Paid Content. Das neue digitale Bezahlkonzept, das Produktchef Stefan Plöchinger diese Woche vorgestellt hat, ergibt endlich einmal Sinn und macht Schluss mit bisherigen digitalen Bezahl-Wirrwarr beim Nachrichtenmagazin. Nur noch ein Zugang für Alles für 19,99 Euro. Eine Rabattstufe für Unter-30-Jährige und ein Zuschlag für alle, die das Heft auch als Print-Version wollen. Das ist modern und nachvollziehbar. Nun wird es spannend zu beobachten, wie das Konzept bei den Lesern ankommt, wenn es im Sommer losgeht. Sehr viel schwieriger noch dürfte die von Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass verkündete Verschmelzung von Print- und Online-Redaktion werden. Das ist eine Aufgabe, an der sich bisher noch jeder Spiegel-Manager oder -Chefredakteur die Zähne ausgebissen hat. Darüber ist so ein bisschen in den Hintergrund gerückt, ob es eine totale Verschmelzung überhaupt braucht. Die Zeit z.B. fährt sehr gut mit der Trennung von Print- und Online-Redaktion. Bitte nicht falsch verstehen: Natürlich sollte den Onlinern die gleiche Wertschätzung entgegengebracht werden, wie den Print-Leuten. Stichwort: Mitarbeiter KG. Aber die Arbeitsweisen und Geschwindigkeiten bei einem Wochenmagazin werden zwischen Print und Online wohl immer sehr unterschiedlich sein. Von Chefredakteur Klaus Brinkbäumer ist bei den ganzen Zukunftsdebatte rund um den Spiegel derzeit übrigens erstaunlich wenig zu hören.

+++

Hörbares Durchschnaufen bei Gruner + Jahr. Die Verkaufszahlen für die erste Ausgabe des Joko-Hefterls JWD. waren dann doch sehr ordentlich. 70.000 Exemplare seien abgesetzt worden, teilte der Hamburger Verlag mit. Das reicht im eher schmalbrüstigen Männer-Lifestyle-Segment sogar für die Spitzenposition. Von der ersten Ausgabe des Frauenmagazins Barbara mit Barbara Schöneberger brachten die Gruners weiland 250.000 Exemplare unter die Leute. Aber das Frauen-Segment ist nun auch wirklich ein viel größerer Teich. Für die Leute vom Baumwall, die gerade drei Titel in Folge zu Grabe tragen mussten (Neon, Deli, Cord), war die Meldung der JWD.-Zahlen eine willkommene Good News, zumal der Joko-Verkauf nicht durch Dumping-Preis-Aktionen künstlich angeheizt wurde. Schaun mer mal, wie’s weiter läuft.

+++

Die Tatsache, dass von dem JWD.-Erstling allerdings 200.000 Exemplare gedruckt wurden, war dem Twitter-Account G+J-Fans(official) eine hämische kleine Bemerkung wert:

Anzeige

Der Twitter-Account unbekannter Zeitgenossen macht sich mal mehr mal weniger böse über G+J lustig. U.a. auch mit solchen Tweets:

Nicht über die anonymen Twitterer ärgern, liebe Leute bei G+J, stattdessen dran denken: Kritik ist Liebe!

In diesem Sinne: kritische Grüße zum Wochenende!

PS: In der neuen Folge des Podcasts “Die Medien-Woche” sprechen mein Kollege Christian Meier von der Welt und ich über das Aus für den Musikpreis Echo, die Medienberichte über Andrea Nahles und Markus Söder, den Axel Springer Award für Jeff Bezos und auch über das neue Spiegel-Bezahlkonzept. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia