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Ende des Monopols? 75 Prozent der Branchenexperten glauben an baldige Ablösung von Facebook nach Datenskandal

Wird Facebook bald von einem anderen Player abgelöst?
Wird Facebook bald von einem anderen Player abgelöst?

Die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica hat Berichten zufolge bis zu 87 Millionen Datensätze bei Facebook abgreifen können. Messbare und vor allem finanzielle Konsequenzen hatte der Datenskandal für das weltweit größte soziale Netzwerk bislang keine. Eine Umfrage unter Experten aus der Werbebranche zeigt nun allerdings: Die Mehrheit der Befragten rechnet mit einem Ende von Facebooks Quasi-Monopol.

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Der Fall Cambridge Analytica ist ein guter Anlass, darüber zu diskutieren, wie das  Machtgefüge in der Adtech-Branche aufgebrochen werden kann und wie künftig mit Nutzerdaten umzugehen ist. Wie hoch ist der Bedarf nach Regulierung? Wie hoch ist die Nutzertoleranz?

Eine aktuelle Adhoc-Umfrage unter Branchenexperten von der PR-Agentur Frau Wenk ergab, dass sich 75 Prozent der Befragten in einem Punkt sicher sind: Das Ende von Facebook wurde mit dem Datenleck eingeläutet, und ein neuer Player wird das soziale Netzwerk ablösen. Zwei Drittel glaubt, dass es zwar eine Strafzahlung geben wird, Langzeitauswirkungen jedoch illusorisch sind. Die Hälfte aller Befragten nimmt an, dass die USA regulativ eingreifen und den Datenschutz enger definieren werden. Dass die User ab sofort deutlicher hinsehen werden, wenn es um die Freigabe ihrer Daten geht, denken 54 Prozent der Experten. Immerhin knapp 46 Prozent bewerten den Skandal als die Chance auf Gleichheit europäischer Unternehmen in der nächsten Phase des Webs.

Kein Facebook-Verzicht bei Werbetreibenden

Zumindest Werbungtreibende bleiben Facebook treu, so lange man dort User trifft. So meinen 63 Prozent der Experten, dass Unternehmen ihre Investitionen zwar abziehen werden, allerdings nur solange bis der Skandal vom Tisch ist. Ähnliche Ergebnisse liefert eine Umfrage von Business Insider. Dort gaben zwölf von 18 Dax-Unternehmen an, dass sie an ihren Facebook-Kanälen festhalten wollen. Zu den befragten Firmen gehören unter anderem die Deutsche Bank, BASF, BMW, Adidas, Henkel, Bayer, Lufthansa, ThyssenKrupp und die Commerzbank. Die Commerzbank setzt derzeit jedoch vorerst alle Kampagnen auf Facebook aus. Einige Verlage haben indes bereits Konsequenzen gezogen: So hat das US-Magazin Playboy seinen Account deaktiviert. Unter dem Hashtag #deletefacebook hatte außerdem der WhatsApp-Mitgründer Brian Acton seine Follower dazu aufgerufen, ihre Facebook-Accounts zu löschen. Auch Tesla-Chef Elon Musk, ein steter Kritiker Zuckerbergs, entfernte die Seiten von Tesla und Space X von Facebook. Eine Analyse der Marketing-Suite Semrush ergab zudem, dass die Suchanfragen bei Google nach „how to delete facebook” von Februar auf März 2018 weltweit um 397 Prozent gestiegen ist.

Tatsächlich gelöscht haben nur die wenigsten ihr Account. Denn wie man in der aktuellen Bilanz des Social-Networks nachlesen kann, sind die Nutzerzahlen innerhalb der ersten drei Monate des Jahres sogar gestiegen. Auch ihre Zurückhaltung gaben die Werbekunden mittlerweile wieder auf.

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Für Befürworter einer engeren Auslegung der am 25. Mai in Kraft tretenden Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) kommt Facebooks Debakel gerade recht. Denn gemeinsam mit der eventuell noch folgenden E-Privacy-Verordnung soll die DSGVO die Spielwiese der Adtech-Branche nun gezielt aufräumen.

Zuckerberg möchte Rechte “im Geiste” der DSGVO

Bislang hatte der Datenskandal rund um Cambridge Analytica und Facebook kaum Folgen für das weltweit größte Social Network. Genauso wenig wie die Kongress-Anhörung. Den Politikern gelang es in der zweitägigen Befragung nicht, Zuckerberg ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Der 33-jährige schaffte es mit einer Mischung aus Demut und dem Ausweichen unbequemer Fragen zwar die Börse, nicht aber die Senatoren zu beruhigen. Diese verloren zunehmend die Geduld mit den Floskeln, hinter denen sich Zuckerberg versteckte. Ob Facebook im Interesse der User ihre individuelle Privatsphäre schützen würde, wollte ein Senator beispielsweise wissen. Zuckerberg antwortet wie so oft: „Ich bin mir nicht sicher, was das heißt.“ Zwar führte seine Aussage, dass Facebook keine Monopolstellung innerhalb Branche einnehme, zu Gelächter im Saal, doch das störte Zuckerberg wenig. Denn immer wieder nutzte er die Unkenntnis einzelner Senatoren zu seinem Vorteil. So musste er einem Senator erklären, dass Facebook eben keine Daten vermarkte, sondern als Filter auf der eigenen Plattform einsetze. Für die Werbung, die man stattdessen vermarkte.

Laut eigenen Angaben unterstütze Mark Zuckerberg eine stärkere gesetzliche Regulierung seiner Branche und lobte sogar die Einführung der DSGVO. In einem Interview sagte er, er sei „im Geist” für die in der DSGVO definierten Rechte. EU-Justizkommissarin Vera Jourova freut sich über Zuckerbergs Lob. Sie habe „wirklich verzweifelt“ über die „bestmögliche Werbekampagne“ für die am 25. Mai in Kraft tretende DSGVO nachgedacht, sagte Jourova. Nach den Äußerungen Zuckerbergs sei dies nun „gut erledigt. So, danke, Herr Zuckerberg“. Die Frage, die zu klären bleibt, ist also nicht ob, sondern wie der Facebook-Datenskandal und die angedrohte Regulierung durch den US-Senat die Spielregeln für das Web ändern werden.

 

Details zur Adhoc-Umfrage: Die PR-Agentur Frau Wenk befragte im Rahmen einer Adhoc-Umfrage per Mail vom 11. bis 12. April 2018 insgesamt 30 Experten aus der Adtech-Branche zu Facebooks Datenskandal und dessen Auswirkungen auf Unternehmen, Nutzer und das Internet.

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