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Vorwürfe der sexuellen Belästigung beim WDR: Tom Buhrow macht Monika Wulf-Mathies zur Sonderermittlerin

WDR-Intendant Tom Buhrow (l.) und Sonderermittlerin Monika Wulf-Mathies wollen die Vorwürfe gegen Mitarbeiter und Sender aufarbeiten

Der Westdeutsche Rundfunk kommt seit Wochen nicht mehr zur Ruhe. Mittlerweile sind eine Vielzahl von Fällen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung durch WDR-Mitarbeiter bekannt geworden. In seiner Kommunikation wirkte der Sender dabei bislang wenig souverän. Jetzt reagiert Intendant Tom Buhrow und ernennt die ehemalige EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies zur Sonderermittlerin. Details sollen am Mittag in Köln bekanntgeben werden.

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Für ihre unabhängige Prüfung soll die SPD-Politikerin und ehemalige Gewerkschaftsvorsitzende (ÖTV) “uneingeschränkten Zugang zu allen Informationen, Vorgängen sowie Gesprächspartnern” erhalten, wie der WDR in einer ersten Stellungnahme dazu erklärt. Die Ergebnisse sollen nach Abschluss der Untersuchung dann veröffentlicht werden. Die 76-Jährige hatte zuletzt als Leiterin des Zentralbereichs Politik und Nachhaltigkeit bei der Deutschen Post / DHL von 2001 bis 2008 fungiert.
„Ich bin bereit, diese Aufgabe zu übernehmen und zur Aufklärung dieses schwierigen Kapitels beizutragen. Denn gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte in Gleichstellungsfragen eine Vorbildfunktion wahrnehmen”, kommentiert Wulf-Mathies. “Ich finde es richtig, dass die Sensibilität für Fragen sexueller Belästigung in der Gesellschaft gewachsen ist und dass Frauen heute nicht mehr gezwungen sind, anzügliche Bemerkungen und Handlungen einfach hinzunehmen oder berufliche Nachteile zu erleiden. Um dies zu gewährleisten, bedarf es der Bereitschaft, das eigene Führungsverhalten und vorhandene Prozessabläufe zu hinterfragen.“
Allein wird die Politikerin den Job allerdings nicht erledigen. Sie soll, wie es seitens des Senders heißt, einer “Anwaltskanzlei ihres Vertrauens” dabei unterstützt werden. Eine zweite Kanzlei wurde vom Westdeutschen Rundfunk bereits beauftragt aktuellen Hinweisen auf weitere mögliche Fälle sexueller Belästigung nachzugehen. „Wir stellen uns auf den Prüfstand, denn wir haben nichts zu verbergen”, erklärt Intendant Tom Buhrow. “Ich bin dankbar, dass Frau Wulf-Mathies diese Aufgabe angenommen hat. Mir ist wichtig, dass sie unabhängig und rückhaltlos prüft, wie der WDR mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung umgegangen ist und umgeht“, betont Intendant Tom Buhrow.
In den vergangenen Wochen berichteten sowohl Correctiv und der stern, wie auch der Spiegel von mehreren Fällen mutmaßlicher sexueller Belästigungen beim Sender. Das Nachrichtenmagazin hatte gerade erst von drei weiteren Fällen gesprochen. Betroffen sein sollen ein prominenter TV-Kollege, der mittlerweile im Ruhestand ist, ein Hörfunk-Journalist, der wegen Stalkings bereits aktenkundig sein soll, aber bis heute beim WDR arbeitet; und ein Mitarbeiter der Abteilung Revision.
Im Bezug auf die Medienberichte stellt der WDR am heutigen Donnerstag fest:

In den vergangenen Tagen wurden -– nicht nur in der öffentlichen Berichterstattung, sondern auch in den sozialen Medien – Behauptungen aufgestellt, vage und konkrete Verdächtigungen ausgesprochen sowie Äußerungen der WDR-Spitze zum Teil aus dem Zusammenhang gerissen. Fakt ist derzeit, dass es im WDR nachgewiesen einen Fall sexueller Belästigung gab, der auch arbeitsrechtliche Konsequenzen hatte und nun nochmals überprüft wird. Zudem wird allen anderen Hinweisen auf weitere mögliche Fälle mit aller Sorgfalt nachgegangen.

Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz um 14.00 Uhr will Buhrow weitere Details zur Zusammenarbeit mit Wulf-Mathies bekanntgeben.

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