Partner von:
Anzeige

Trotz Medien-Getöse um Datenskandale: Facebook-Nutzern scheint Privatsphäre egal zu sein – der Werbung auch

Screenshot: © CNBC
Bei aller Kritik und einer aufsehenerregenden Anhörung vor dem US-Kongress: Facebook verzeichnet keinen Nutzerschwund

In Sachen Datenskandal und Facebook waren sich Beobachter schnell einig. Das Social-Network steckt in einer heftigen “Krise” und kämpft mit einem “Image-Desaster”. Deshalb würden sich Nutzer und Werbe-Kunden schon bald “abwenden”. Angesichts der aktuellen Bilanz vom Mittwoch scheint klar: Von Krise keine Spur, kaum jemand wendet sich von Facebook ab. Werbeeinnahmen und Nutzerzahlen wachsen sogar.

Anzeige
Anzeige

Dieser Umstand wurde fast schon wieder etwas von den beeindruckenden Umsatz- und Gewinnzahlen verdeckt. Beim genaueren Blick auf die Quartalsbilanz zeigt sich jedoch:

  • Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer stieg bis Ende März gegenüber dem Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 2,2 Milliarden. 1,45 Milliarden Facebooker loggen sich inzwischen täglich in das Social Network ein (ebenfalls plus 13 Prozent).
  • Die Werbeeinnahmen lagen bei 11.966 Milliarden Dollar. Das sind zwei gut eine Milliarde weniger, als im Weihnachtsquartal, dass allerdings traditionell weit Umsatzstärker als das restliche Jahr ist. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beträgt das Plus über 2,5 Milliarden Euro.

Gänzlich ohne Effekt ist die Datenaffäre natürlich trotzdem nicht an Facebook vorbei gegangen. So erklärte die Operativchefin Sheryl Sandberg in der Telefonkonferenz zu den Bilanzzahlen, dass zwar keine Werbekunden abgesprungen wären, einige jedoch sehr wohl ihre Buchungen hätten ruhen lassen. Das wäre vor einem Monat gewesen, inzwischen seien sie aber wieder zurückgekehrt.

Anzeige

Trotz massiven medialen Drucks und gleich mehrerer Anhörungen in Washington scheint das Top-Management bei Facebook keinen Grund zu sehen, das eigene Geschäftsmodell zu überdenken. So erklärten Mark Zuckerberg und Sandberg im Analysten-Call noch einmal explizit, dass das auf werbung-basierende Geschäftsmodell, die beste Methode sein, einen kostenlosen Service anzubieten, der für Jedermann zugänglich sei.

Beredt verschwiegen wird dabei allerdings, dass die Mitglieder des Netzwerkes schon einen Preis zahlen. Sie tauschen noch immer ihre Daten gegen die freie Nutzung des Social-Networks. Einen unausgesprochenen Deal, in dem beispielsweise die deutschen Kartellbehörden offenbar eine Art von marktbeherrschender Stellung erkennen können. Gegenüber dem Handelsblatt erklärte der oberste deutsche Kartellwächter, Andreas Mundt, erst am gestrigen Mittwoch, dass die US-Amerikaner – zumindest hierzulande – möglicherweise etwas an ihrem Geschäftsmodell ändern müssten. Grundsätzlich sieht er jedoch kaum Chancen, gegen die großen Tech-Konzerne vorzugehen.

Nach der Vorlage der aktuellen Zahlen kann das US-Netzwerk zumindest diesen Disput wohl weit entspannter angehen. Immerhin belegen die Daten doch, dass die Menschen sich um ihre Online-Privatsphäre – trotz der dauernden kritischen Berichterstattung zahlreicher Medein – kaum ernsthaft Sorgen machen.

In seinem Social-Media-Briefing bringt es Martin Giesler, Betreiber des Social Media Wachtblogs, prägnant auf den Punkt: “Nutzern, so scheint es, ist ihre Privatsphäre ziemlich wumpe. Werbetreibende Unternehmen ist das Thema Privatsphäre auf jeden Fall schnurz.”

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Jetzt hatten die Linksaktivisten schon geglaubt, sie könnten facebook zukünftig ausnahmslos für eigene Zwecke einspannen und jetzt juckt es schon wieder keinen, wenn “russische Trolle” oder “reaktionäre Nazis” Putin, Erdogan, Trump, Oban, Weil, die AfD und all die anderen zum Wahlsieg verholfen haben.
    Mal schauen, was sich das weltweite Politproletariat und ihre Genossen gegen unliebsame Fakten und Meinungen sonst noch einfallen lässt.

    1. Ach, hochinteressant – ist man denn automatisch Linksaktivist, wenn man bei facebook und generell den sensiblen Umgang mit Nutzerdaten einfordert? Oder ist Datenschutz per se links? Finden Sie es persönlich okay, wenn alle Ihre Nutzerdaten uneingeschränkt für Marketing oder eventuell auch für politische Zwecke verwendet werden? Und gehören die aufgezählten “Wahlsieger” ausnahmslos zu ihren persönlichen Favoriten?

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia