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“Mitarbeiter-Kulturrat” statt Betriebsrat: Condé Nast-Chef macht Front gegen offizielle Arbeitnehmervertretung

Condé-Nast-Deutschlandchef Moritz von Laffert
Condé-Nast-Deutschlandchef Moritz von Laffert

Im Zeitschriftenhaus Condé Nast bahnt sich eine Konfrontation zwischen der Belegschaft und Geschäftsführer Moritz von Laffert an. Der Grund: Der Manager sperrt sich gegen die Gründung eines Betriebsrats und regt stattdessen die Bildung eines „Mitarbeiter-Kulturrats“ an, der „die Mitarbeiter-Interessen ohne unnötige Bürokratie anstelle eines Betriebsrats“ vertreten solle. Letztere lähmten die Innovationskraft des Unternehmens.

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Eigentlich steckt Manager Moritz von Laffert voll in Umzugsvorbereitungen. In den nächsten Monaten will er die Deutschland-Zentrale des rund 380 Mitarbeiter starken Münchener Zeitschriftenhauses Conde Nast (Vogue, Glamour, GQ) in das ehemalige Hauptquartier des Technologiekonzerns Siemens verlegen. Ein nobles Bürogebäude mit glatter Fassade aus weißen Metallflächen, unterbrochen durch Glasbänder soll die neue Heimat für die Mitarbeiter werden. Münchener kennen das Areal besser unter dem Namen „Oskar“.

Den Umzug will von Laffert nutzen, um auch das Betriebsklima in der Belegschaft zu verbessern. Die Mitarbeiter sollen künftig selbstbestimmter ihrer Arbeit nachgehen. Dazu beabsichtigt der Manager, eine „Flex-Work-Policy“ einzuführen. Doch die Arbeitnehmer haben ganz andere Vorstellungen. Zumindest einige wollen offenbar einen Betriebsrat gründen, der ihre Rechte gegenüber der Geschäftsführung vertritt. Zwar haben dies die Mitarbeiter nicht offen gegenüber der Führungsspitze kommuniziert. Stattdessen zirkulierte vor wenigen Tagen ein anonym verfasstes Schreiben an die Belegschaft der deutschen Tochter des US-Mediengiganten Advance Publications. Darin startet der Absender den Aufruf, einen Betriebsrat zu gründen.

Verärgert setzt Verlagslenker von Laffert zur Konter an und wandte sich in einem eigenen Schreiben an die die “lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter”. Darin macht der Manager klipp und klar deutlich, dass er keinen Betriebsrat im Haus wünscht. Er plädiert stattdessen dafür, eine geplante Vertrauensstelle, die bei Mobbing oder anderen Konflikten vermitteln soll, zu einem dauerhaften „Mitarbeiter-Kulturrat“ auszubauen. Dieser soll laut Laffert die „Mitarbeiter-Interessen ohne unnötige Bürokratie eines Betriebsrats“ vertreten und „in zentralen Entscheidungs- und Informationsprozessen“ einbezogen werden. Als Beispiel für eine derartige Konstruktion nennt er die Startup-Szene. Sie hätte mit „solchen alternativen, agilen Formen der Mitarbeitervertretung bereits gute Erfahrungen“ gemacht, so von Laffert.

Auf Anfrage von MEEDIA macht eine Sprecherin von Condé Nast deutlich, dass sich von Laffert nicht der Gründung eines Betriebsrats verweigert – was er übrigens angesichts der Firmengröße auch aus rechtlichen Gründen gar nicht könnte. Die Sprecherin: “Es gab einen Aufruf zur Gründung eines Betriebsrats einer anonymen Person. Dem ist Moritz von Laffert mit einem Angebot zum offenen Austausch an alle Mitarbeiter und dem Vorschlag begegnet, als unbürokratische Form der Mitarbeitervertretung einen von Mitarbeitern gewählten Kulturrat zu gründen, der die Mitarbeiterinteressen gegenüber der Geschäftsführung vertritt und in zentrale Entscheidungs- und Informationsprozesse einbezogen ist”, so eine Verlagssprecherin.

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Dass sich die Condé Nast-Mitarbeiter offenbar nach einer größeren Mitsprache im Unternehmen sehnen, ist nachvollziehbar. Das Magazinhaus aus München ging in der letzten Zeit durch eine turbulente Phase. Negative Nachrichten aus der Zentrale des US-Mutterkonzerns über einen Abbau von 80 Stellen sowie der Einstellung der gedruckten Teen Vogue haben die deutsche Belegschaft aufgeschreckt. Zudem sorgte von Laffert im vergangenen Jahr selbst mit diversen Maßnahmen für Unruhe im Betrieb. So verschlankte der Deutschland-Chef die Vermarktung, indem er alle Außenbüros schloss. Und auch die Schlussredaktion lagerte der Geschäftsführer an einen externen Dienstleister aus.

Zusätzlich verunsicherte der Condé Nast-Manager die Belegschaft durch den Verkauf der Zeitschrift myself. Trotz eindeutiger Dementis veräußerte von Laffert den Titel überraschend an die Essener Funke-Mediengruppe. Der Deal erfolgt dabei im Rahmen eines Betriebsübergangs. Soll heißen: Alle myself-Mitarbeiter wechseln zur Funke-Gruppe, die eine andere Unternehmenskultur besitzt. Zwar hätte ein Betriebsrat bei Condé Nast den Verkauf kaum verhindern können. Doch die Arbeitnehmervertreter hätten zumindest mit der Geschäftsführung über Alternativen nachdenken können.

Dass sich die Mitarbeiter mehr Mitspracherechte wünschen, hat möglicherweise auch einen weiteren Grund. Sie sorgen sich, dass der Verlag langfristig auf die Kostenbremse drückt. Denn die Absatzzahlen der Condé Nast-Flaggschiffe gehen in Deutschland weiter deutlich zurück. Vor allem die verkaufte Auflage von GQ gab im 1. Quartal 2018 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat um mehr als 15 Prozent auf 74.635 Exemplare nach. Auch das traditionsreiche Frauen-Magazin Vogue findet immer weniger Abnehmer. Die Auflage sank in diesem Berichtszeitraum um mehr als zwölf Prozent auf 95.887 Exemplare. Auch Glamour (1. Quartal 2018 vs. Vorjahresquartal: minus 9,9 Prozent) und AD Architectural Digest (minus 8,9 Prozent) haben Auflage verloren. Ob sich die Vorzeichen im diesem hart umkämpften Wettbewerbsfeld schnell drehen, ist eher zu bezweifeln.

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Alle Kommentare

  1. Interessant wäre dieser Artikel erst, wenn man mehr über die politische Vergangenheit von Moritz von Laffert erführe.
    So muß man sich dessen Beweggründe zusammenreimen.
    Ich vermute mal, daß er hier ein Zeichen gegen “links” setzen möchte.
    Der allgemeine Journalismus ist in der Beziehung ja völlig abgedreht und hat sich in eine Sackgasse manövriert.

    Gender, Feminismus und andere Minderheitenverbände, deren Interessen gerade durch stalinistisch angehauchte Organisationen wie “Verdi” durchgepeitscht werden, haben in der Entscheidungsebene einer Unternehmensführung nichts verloren.

    Von daher ein guter Schritt von Moritz von Laffert.

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