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Neue Strukturen beim Spiegel: Geschäftsführer Hass will Online und Verlag als “Steuersubjekt” vereinen

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass, Änderung der Rechtsform als Schritt auf dem Weg zur Verschmelzung von Print und Online: “Neue äußere Struktur, die uns zukünftig alle Möglichkeiten gibt”
Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass, Änderung der Rechtsform als Schritt auf dem Weg zur Verschmelzung von Print und Online: "Neue äußere Struktur, die uns zukünftig alle Möglichkeiten gibt"

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass will bis August Spiegel Online und den Spiegel-Verlag verschmelzen, um beide Teile gemeinsam als "Steuersubjekt" vom Finanzamt veranschlagen zu lassen. Dies kündigte der Manager in einer internen Rede an. Am Beteiligungsmodell mit den Stillen Gesellschaftern wird jedoch vorerst nicht gerüttelt. Mit dem Umbau der Gruppe könnte auch eine neue Sparrunde folgen.

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Die geplante Zusammenlegung von Spiegel Online und dem gedruckten Spiegel nimmt Fahrt auf. Wie Verlagschef Thomas Hass vor Mitarbeitern des Unternehmens ankündigte, sollen Spiegel Online und der Spiegel Verlag zusammenrücken und vom Finanzamt künftig als ein „Steuersubjekt“ behandelt werden. Wörtlich: „Vorbehaltlich der Zustimmung der Gesellschafter, stellen wir bis Ende August eine tragfähige Konstruktion her, die zum Ziel hat, dass Spiegel Online und Spiegel-Verlag vom Finanzamt als ein Steuersubjekt betrachtet und veranlagt werden. Formal bleiben beide Gesellschaften aber unabhängig bestehen“, erklärt Hass. Damit wolle er die Voraussetzungen schaffen, um eine stärkere Integration der Redaktionen von Print und Online zu ermöglichen.

Hass betont aber, dass die neue gesellschaftsrechtliche Struktur keine Auswirkungen auf das Beteiligungsmodell der Mitarbeiter habe. „Wir schaffen eine gesellschaftsrechtliche äußere Struktur, die uns zukünftig alle Möglichkeiten gibt. Wir schaffen jedoch keine Tatsachen zu internen Strukturen oder Zuständigkeiten. Es ergeben sich mit diesem Schritt keine Veränderungen für Stille Gesellschafter, Mitarbeiter oder Betriebsräte“, betont er. Offen ist aber noch, wie die Redaktionen von Spiegel Online und Spiegel Print zusammenwachsen. „Die neue Struktur in einer möglichen gemeinsamen Redaktion ist noch nicht ausgearbeitet. Sie würde voraussichtlich auch von Ressort zu Ressort variieren. Aber klar ist: Auch in gemeinsamen Ressorts wird es unterschiedliche Aufgaben geben“, betont Hass in seiner mehrseitigen Rede.

Unklar lässt der Manager, wie die gemeinsame Redaktion künftig personell besetzt ist. So schließt der Geschäftsführer nicht aus, dass es zu einem Stellenabbau kommt. „Machen wir das Ganze, um die Redaktionen zu verkleinern? Nein! Unser Ziel ist ja nicht, eine möglichst kleine Redaktion zu bauen, sondern vielmehr eine möglichst gute. Aber kann ich ausschließen, dass wir die Redaktion verkleinern müssen? Auch nein! Denn wenn es aus dem neuen Zusammenspiel nicht gelingt, neue Erlöse zu erwirtschaften, dann werden wir auch hier über Einsparungen nachdenken müssen. Das gehört zu unserer Aufgabe, die Kostenstrukturen des gesamten Hauses laufend zu überprüfen”, so Hass.

Damit könnte die Spiegel-Gruppe in diesem Fall erneut Arbeitsplätze abbauen. Sie hatte bereits in der Vergangenheit knapp 150 Stellen gestrichen. Dies hatte im Verlag für große Unruhe gesorgt. Doch der Stellenabbau scheint programmiert. Denn die Rahmenbedingungen sind nicht leichter geworden. Der ehemalige Leiter der Vertriebsabteilung geht davon aus, dass die Gesamtauflagen und Reichweiten bei Zeitungen und Zeitschriften weiter zurückgingen. So betrage das Minus beim Absatz von Presseprodukten im Handel im 1. Quartal 2018 rund zehn Prozent. Das schlägt sich offenbar auch negativ in der Vermarktung der Spiegel-Gruppe nieder: „Während der Werbemarkt insgesamt wächst, fließt immer weniger Bruttovolumen in den Werbekanal Publikumszeitschriften. Der Digitalmarkt wächst weiter, allerdings nur noch mobil. Die stationären Werbeausgaben sind rückläufig, was in großen Teilen mit dem veränderten Nutzungsverhalten zu erklären ist“, betont Hass.

 

Hier die Rede von Thomas Hass im Wortlaut:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

was denken Sie: Was wäre Deutschland für ein Land ohne Medien wie den SPIEGEL? Worauf kommt es in diesen komplexen Zeiten an, in denen demokratische Werte, die wir für selbstverständlich erachten, gefährdet sind?

Ich vermute, wir alle hier im Atrium geben dieselbe Antwort auf diese Fragen: Auf die Pressefreiheit kommt es an, auf unabhängige Medien, auf Journalisten, die ausschließlich der Wahrheit verpflichtet sind. Ohne sie gibt es keine freie Gesellschaft. Wir brauchen Journalisten, die mit sorgfältiger Recherche, Dokumentation, kritischer Distanz und am Ende gut erzählten Geschichten den Dingen auf den Grund gehen und den Menschen Aufklärung und Orientierung geben.

Und ich möchte diesen Gedanken noch um einen Aspekt ergänzen: Neben den Menschen kommt es auch auf Medienmarken an, denen die Menschen vertrauen. Bei denen sie wissen, dass journalistische Standards ein- und hochgehalten werden, dass Sorgfalt im Zweifel mehr zählt als die schnelle Headline, dass Vielfalt und nicht Einfalt zu besseren Ergebnissen führt und dass Unabhängigkeit wichtiger ist als Gefälligkeit. Diese auf Vertrauen basierenden Medienmarken sind heute wichtiger denn je.

Aus diesem Grund ist erstklassiger Journalismus auch an anderer Stelle wieder gefragt, nämlich bei unseren Werbekunden. Die achten mehr und mehr darauf, in welchen Umfeldern sie die Werbung für ihre Marken platzieren. Das Thema Brand Safety in hochwertigen journalistischen Umfeldern wie dem SPIEGEL bekommt große Aufmerksamkeit.

Was guter Journalismus kann und was vertrauenswürdige Medienmarken ausmacht, beweist die SPIEGEL-Gruppe in diesen Wochen auch immer dann, wenn journalistische Auszeichnungen zu vergeben sind: Redakteurinnen und Redakteure unseres Hauses waren in drei Kategorien für den Nannen Preis nominiert, die beste Reportage des Jahres kommt aus unserem Haus, ebenso die Chefredakteurin des Jahres, der Journalist des Jahres und der Kulturjournalist des Jahres; der renommierte Grimme Online Award ging diesmal an uns, hier arbeiten preisgekrönte Datenjournalismus-und Multimedia-Teams ebenso wie die besten Wirtschaftsjournalisten.

Wir alle haben unverändert ein gemeinsames Ziel: Wir wollen die SPIEGEL-Gruppe als Heimat des unabhängigen, investigativen Journalismus stärken und sie gleichzeitig zu einem innovativen multimedialen Unternehmen weiterentwickeln. Und dabei ist klar:

Unabhängigen SPIEGEL-Journalismus wird es nur mit einer starken, unabhängigen Redaktion und einem starken, wirtschaftlich stabilen Verlag geben. Dafür haben wir in den vergangenen zwei Jahren die Voraussetzungen geschaffen. Als ich Ihnen im Dezember 2015 die SPIEGEL-Agenda vorgestellt habe, habe ich Ihnen ein Programm aus Wachsen und Sparen angekündigt und Sie vorbereitet auf einen Entwicklungs- und Veränderungsprozess. Die ersten Etappen haben wir erfolgreich absolviert. Weitere Teile der Wegstrecke liegen noch vor uns. Ich will Ihnen heute berichten, wo wir stehen: Das Ziel, die Kosten im SPIEGEL-Verlag ab 2019 um dauerhaft 15 Millionen Euro zu senken, werden wir erreichen. Wir sind sogar ein wenig schneller als geplant. Bis zur Jahresmitte werden wir auch die großen Outsourcing-Projekte in Vermarktung und Vertrieb größtenteils abgeschlossen haben. Dieser Erfolg verschafft uns Zeit und den mentalen wie finanziellen Freiraum, um den Veränderungsprozess weiter zu gestalten.

Wir haben damit begonnen, Strukturen und Prozesse vor allem in den Verlagsbereichen zu verändern. Wir sind mitten in der Transformation und stehen nun vor der Herausforderung, diesen Prozess auf das gesamte Haus auszudehnen. Dazu gleich mehr.

Auch bei unseren Wachstumsprojekten kommen wir sehr gut voran. In allen Bereichen der SPIEGEL-Gruppe entwickeln wir neue Produkte. Sie werden später einige davon kennen lernen können. Hier ein paar Schlaglichter:

• Unser seit über 20 Jahren größtes Wachstumsprojekt ist SPIEGEL ONLINE. Reichweite, Erlöse und Gewinn steigen kontinuierlich. Im Projekt mit dem Arbeitstitel NextGen arbeiten interdisziplinäre Teams an der Zukunft unserer Nachrichten-Website. Dazu gleich mehr von Jesper Doub.

• Wir investieren weiter in unser Erfolgsprojekt Bento und bauen die Website personell und redaktionell weiter aus.

• Wir experimentieren weiter mit spannenden und wirtschaftlich erfolgreichen neuen Formaten wie SPON@Snapchat. Wir erhalten so Zugang zu jungen und weiblichen Zielgruppen, die wir mit unseren klassischen Angeboten sonst nicht erreichen.

• Wir haben zahlreiche neue Audioformate und Podcasts entwickelt und auf den Markt gebracht. Sie sind frei verfügbar auf SPIEGEL ONLINE – exklusiv für den Download-Dienst Audible produzieren wir den Podcast „Sagen, was ist.“

• Wir starten mit SPIEGEL EXPEDITION in Kürze ein neues Magazin.

• Gemeinsam mit der SRH Fernhochschule haben wir die SPIEGEL AKADEMIE ins Leben gerufen, ein erfolgreiches neues E-Learning-Angebot im Bereich digitaler Berufsfelder.

• In der Anzeigenvermarktung entwickelt sich das im vergangenen Jahr gestartete S-Magazin hervorragend und ermöglicht auch den Zugang zu neuen Kunden im Lifestyle-Segment.

• Bei SPIEGEL TV arbeiten die Kollegen an einer Neufassung ihres wichtigsten journalistischen Formats, dem SPIEGEL TV „Magazin“.

• Unser intensivstes Entwicklungsfeld ist sicherlich die digitale Bezahlwelt – sowohl beim SPIEGEL als auch beim manager magazin feilen wir an neuen Angeboten. An ihrem Erfolg wird sich zeigen, wie gut es uns gelingt, unsere Inhalte für unsere Zielgruppen so attraktiv zu gestalten, dass sie bereit sind, dafür zu zahlen.

Viele von Ihnen fragen danach, wie es mit SPIEGEL DAILY weitergeht. Darauf werden Sie heute Antworten bekommen. Von mir schon so viel: Aus den verschiedenen Szenarien, die wir mit SPIEGEL DAILY bisher umgesetzt und getestet haben, lernen wir eine Menge. Das sind wertvolle Erfahrungen, die wir beim Ausbau unserer Bezahlwelt nutzen werden.

Ähnliches gilt für SPIEGEL+, dem kostenpflichtigen Premiumbereich auf SPIEGEL ONLINE. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an dessen Neuausrichtung. Wir feilen am redaktionellen Konzept und an der Positionierung ebenso wie an den kaufmännischen Workflows und der technischen Ausstattung. Eine ganzheitliche, vor allem verlegerische Perspektive auf SPIEGEL+ wollen wir Ihnen heute öffnen. Sie werden gleich, noch lange vor dem Launch, von Stefan Plöchinger einen fundierten Einblick in das Projekt erhalten.

Eines ist klar: Nicht nur für den SPIEGEL, sondern für alle Medienhäuser, die mit großem Aufwand hochwertigen Journalismus produzieren, sind die Herausforderungen anhaltend groß. Die Mediennutzung verändert sich rasant, und die rückläufige Umsatzentwicklung auch im SPIEGEL-Verlag geht weiter – dieser Trend wird sich aus heutiger Sicht nicht mehr umkehren. Denn im Vertriebs- wie im Anzeigengeschäft können wir uns nicht von den strukturellen Rückgängen im Gesamtmarkt entkoppeln. Oder sagen wir: nicht ganz entkoppeln! Denn immer wieder schaffen wir es ja doch noch, mit besonders starken Titeln die Verkaufskurve nach oben zu ziehen. Diese Kraft sollten wir nicht unterschätzen!

Und dennoch: Die Gesamtauflagen und Reichweiten bei Zeitungen und Zeitschriften gehen weiter zurück. Das Minus mit dem Absatz von Presseprodukten im Handel beträgt im 1. Quartal 2018 etwa 10 Prozent. Das beeinflusst selbstverständlich auch die Anzeigenvermarktung unserer Titel: Während der Werbemarkt insgesamt wächst, fließt immer weniger Bruttovolumen in den Werbekanal Publikumszeitschriften. Der Digitalmarkt wächst weiter, allerdings nur noch mobil. Die stationären Werbeausgaben sind rückläufig, was in großen Teilen mit dem veränderten Nutzungsverhalten zu erklären ist. Es kommt für uns darauf an, wie wir es schaffen, klug und kreativ mit diesen äußeren Entwicklungen umzugehen und dabei unsere Stärken auszuspielen. Und wir tun schon jetzt eine Menge. Dazu gehört etwa, dass wir uns in bestimmten Bereichen, wie zum Beispiel dem Vermarktungsgeschäft, starke Partner suchen. Wie Sie wissen, sind wir vor kurzem der Ad Alliance beigetreten, der Vermarkter-Allianz von RTL und Gruner + Jahr. Dieser Schritt ist Teil der Strategie der SPIEGEL-Gruppe, dort Partnerschaften mit anderen Medienhäusern einzugehen, wo es sinnvoll ist. Für die Vermarktung heißt das: Wir bleiben eigenständig, können unter dem Dach der Ad Alliance aber die Relevanz unserer Angebote für Kunden und Agenturen weiter steigern.

Lichtblicke gibt es – auch im Vertrieb – im Digitalgeschäft. Die Erfolge von Netflix und Co. zeigen, dass moderne Abo-Modelle durchaus beliebt sind, auch bei jüngeren Zielgruppen. Nationale und internationale Medienmarken belegen, dass inzwischen mit Paid Content die Rückgänge in Print kompensiert werden können. Damit wir hier punkten können, benötigen wir relevante Inhalte, smarte Bestellprozesse und datengetriebenes Marketing.

Das Geschäftsjahr 2017 ist zwar noch nicht offiziell abgeschlossen, eine Prognose für die Entwicklung in der SPIEGEL-Gruppe möchte ich Ihnen aber schon heute geben. Im Vergleich zum Vorjahr werden wir im SPIEGEL-Verlag erneut deutlich an Erlösen verlieren, wir haben bei Anzeigen und Vertrieb insgesamt rund 11 Millionen Euro Umsatz weniger erwirtschaftet als im Jahr 2016. Wir werden das Geschäftsjahr 2017 im Verlag dennoch mit einem Ergebnis abschließen, das über unseren Erwartungen liegt.

Das liegt zum einen daran, dass die Erlösrückgänge im Vertrieb niedriger ausfallen werden als erwartet, zum anderen aber auch daran, dass wir unsere Kosten wie eingangs beschrieben erheblich senken konnten. Die Agenda-Maßnahmen wirken sich mehr und mehr aus. Es gibt aber auch Sondereffekte, zum Beispiel sind die Kosten für Druck und Papier deutlich geringer ausgefallen als befürchtet.

Wie sieht es im Konzern, also in der SPIEGEL-Gruppe gesamt aus? Erfreulicherweise konnten wir hier unsere Umsätze nahezu stabilisieren. Mit insgesamt 269 Millionen Euro Umsatz liegen wir 2017 um nur eine Million niedriger als im Jahr 2016. Ich kann Ihnen heute ankündigen, dass auch das Betriebsergebnis für den Konzern positiv und über unseren Erwartungen ausfallen wird. Das liegt vor allem daran, dass sich das Geschäft von SPIEGEL ONLINE ausgesprochen erfolgreich entwickelt. Die Online-Vermarktungs-Erlöse waren 2017 erstmals höher als die im Printgeschäft. Dazu gleich mehr von Jesper Doub.

Zur Modernisierung der SPIEGEL-Gruppe gehört auch unser Bestreben, die Unternehmenskultur zu verändern. Es ist unser gemeinsames Ziel, eine Kultur von gegenseitigem Respekt, Offenheit und Kreativität sicherzustellen. Chancengleichheit sowie Freiheit von jeder sexuellen Belästigung sollen Selbstverständlichkeiten beim SPIEGEL sein. Wir wünschen uns das für ein faires Miteinander – und wir brauchen das für langfristigen journalistischen und wirtschaftlichen Erfolg.

Wie Sie wissen, hat die #MeToo-Kommission, die sich aus 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen der SPIEGEL-Gruppe zusammensetzt, ihre Arbeit beendet. Der Abschlussbericht, den wir Mitte März im Intranet veröffentlicht haben, fasst die Ergebnisse zusammen. Die Vorschläge der Kommission sind klug, mutig und wertvoll für die notwendigen Veränderungen – kurz: sie passen zu uns. Wie geht es nun weiter?

• Die Empfehlung, ein externes, professionelles ad hoc-Gesprächsangebot für Betroffene oder Ratsuchende zu schaffen, haben wir bereits umgesetzt. Sie finden dazu alle Informationen im Intranet.

• Ich habe die Personalabteilung beauftragt, mit den Betriebsräten Gespräche über Betriebsvereinbarungen gegen sexuelle Belästigung aufzunehmen. Auch eine Befragung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird zurzeit gemeinsam mit den Betriebsräten gestaltet.

• Über weitere Themen sind wir im Gespräch. Ich werde darüber hinaus eine kleinere Gruppe aus der Kommission und dem Haus einladen, den Prozess der nächsten Monate als sachkundige Beratung zu begleiten; und ich werde Sie selbstverständlich über die Aktivitäten auf dem Laufenden halten.

Im weiteren Sinne geht es bei dieser Debatte auch um Vielfalt. Die brauchen wir in der SPIEGEL-Gruppe. Vielfalt von Perspektiven, Meinungen, Sozialisationen und Lebenshintergründen unserer Kolleginnen und Kollegen. Vielfalt als Voraussetzung dafür, dass wir die unterschiedlichen Menschen in diesem Land auch in Zukunft verstehen und glaubwürdig über sie und ihr Leben berichten können.

Und nicht zuletzt ist Vielfalt in jeder Organisation eine Bedingung für Innovation. Dort, wo unterschiedliche Hintergründe und Perspektiven aufeinandertreffen, ist die Chance höher, dass etwas Neues entsteht. An dieser Stelle ein Blick auf ein Thema, das mir besonders wichtig ist: die Innovationskraft der SPIEGEL-Gruppe. Innovation ist nichts, was von oben verordnet werden kann – es ist vielmehr eine Aufgabe für uns alle – im Verlag und in den Redaktionen –, eine Kulturfrage, die sich etwa im Bewusstsein darüber ausdrückt, dass neue Ideen natürlich auch scheitern können und dass sie es dann trotzdem Wert waren, verfolgt zu werden. Um eine solche Innovationskultur zu stärken, entwickeln wir gerade Maßnahmen, mit denen wir das Thema auf allen Ebenen fester in die laufenden Prozesse und unseren Arbeitsalltag einbauen können.

Sie wissen und hören das über den informellen Flurfunk, dass wir über einen nächsten, großen Schritt nachdenken, der das gesamte Haus weiter verändern wird: eine gemeinsame Redaktion von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE.

Zusammen mit den Chefredaktionen diskutieren wir in der Geschäftsführung über zentrale Fragen: Was ist unsere Vision? Wo verorten wir den SPIEGEL-Journalismus publizistisch und die SPIEGEL-Gruppe unternehmerisch in der Zukunft? Wo wollen wir gemeinsam hin?

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Dabei sollte uns vor allem eine Gewissheit leiten: SPIEGEL ist eine starke Marke – vor allem aber sind wir ein SPIEGEL, mit verschiedenen Ausprägungen in unterschiedlichen Mediengattungen. Das ist in einer Zeit veränderter Mediennutzung nicht zu unterschätzen: Unsere Leser unterscheiden immer weniger zwischen Print und Online, sie hören, schauen, kommen über Facebook und Twitter zu uns und sie erwarten SPIEGEL-Inhalte, wo SPIEGEL draufsteht.

Für mich steht außer Frage: Unsere gesamte Stärke können wir nur gemeinsam ausspielen. Wir sind in allen Medienkanälen vertreten und haben dort die deutschlandweit besten Journalisten. Durch das richtige Zusammenspiel können wir unsere Inhalte bestmöglich verbreiten.

Noch sind viele Fragen offen, die wir in den nächsten Monaten klären werden. Wir sind aber schon jetzt überzeugt: Die stärkere Integration von Print und Online ist der konsequente nächste Schritt beim Umbau und der Modernisierung der SPIEGELGruppe. Lassen Sie mich kurz erläutern, warum eine gemeinsame Redaktion für den SPIEGEL richtig ist:

Durch die erfolgreiche Reorganisation und Weiterentwicklung des SPIEGEL-Verlags gewinnen wir den Gestaltungsspielraum, um neue Produkte und Geschäftsfelder für den SPIEGEL entwickeln zu können. Wir gehen nicht nur mit der Zeit, sondern wir schaffen uns auch den finanziellen Rahmen, der nötig ist, um Neues zu schaffen.

Und noch wichtiger: Wenn unser Anspruch in einer sich drastisch verändernden Medien- und Kommunikationswelt auch in Zukunft gleich – und das heißt: gleich hoch – bleiben soll, dann müssen wir jetzt die Rahmenbedingungen dafür schaffen.

Eine gemeinsame SPIEGEL-Redaktion bietet uns bisher ungenutzte Chancen, die bestehenden Produkte zu verbessern, innovative neue Angebote zu entwickeln, neue Erlöse zu erwirtschaften und somit insgesamt unternehmerisch erfolgreich zu sein. So sichern wir die Zukunft des SPIEGEL, denn nur wenn wir wirtschaftlich unabhängig sind, können wir es auch journalistisch bleiben. Und umgekehrt stimmt die Gleichung ebenso: Nur wenn wir journalistisch exzellent bleiben, werden wir auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein.

Wir halten es für richtig und wichtig, zukünftig in Strukturen zu arbeiten, die es möglich machen, SPIEGEL-Journalismus in allen Darreichungsformen anzubieten und über alle Medienkanäle zu veröffentlichen, wo unsere Leser und Nutzer ihn erwarten.

Die dafür notwendige zentrale Steuerung von Recherchen, Inhalten und Produkten ist nur möglich in und mit einer gemeinsamen Redaktion. Eine SPIEGEL-Redaktion, die ihre Themen gemeinsam plant und ihr Personal gemeinsam einsetzt, kann ihre Stärken im Wettbewerb mit anderen Medien deutlich besser ausspielen. Auch deshalb, weil sie von den Fähigkeiten der jeweils anderen profitiert. Schreiberische Qualität, Recherchetiefe und Vernetzung sind ebenso wie schnelles Themengespür, eine modernere Unternehmenskultur und Technik-Affinität Qualitäten, die in Zukunft alle Teile dieses Hauses gleichsam bestimmen sollen.

Und dabei geht es nicht um Gleichmacherei, sondern um Vielfalt als Stärke: Die in einer gemeinsamen SPIEGEL-Redaktion versammelten Menschen und Talente können eine Vielfalt von journalistischer Kompetenz abdecken, die wohl kaum eine andere Redaktion in Deutschland aufweisen kann.

Wir sehen das so: Das neue Ganze kann entscheidend mehr sein als nur die Summe seiner Teile. Oder sagen wir es andersrum: Im Moment verschwenden wir unsere Energie manchmal mit internen Konflikten, ausgelöst durch Doppelstrukturen, unklare Zuständigkeiten und konträre Geschäftsinteressen, statt den SPIEGEL-Journalismus insgesamt und unsere Produkte besser und zeitgemäßer zu machen. Wir sind noch längst nicht so gut, wie wir es sein könnten.

Und eine Sache sollten wir uns auch bewusstmachen: Die nationale und internationale Medien- und Verlagswelt wird genau darauf schauen, wie wir diesen Veränderungsprozess gestalten und meistern. Ob wir es wollen oder nicht: Ein Haus wie das unsere, ein Haus mit so starken journalistischen Marken ist immer Gradmesser, es ist Vorbild, Vorreiter und Blaupause für andere.

Wir können Ihnen heute noch kein fertiges Konzept präsentieren. Wir haben noch nicht alle Antworten und noch ist nichts entschieden. Gemeinsam mit den Chefredaktionen arbeiten wir an der Gesamtkonzeption. Dennoch möchten wir Sie früh an unseren Ideen und den aktuellen Planungen teilhaben lassen. Sie sollen wissen, wo wir stehen. Und da wo wir hinwollen, brauchen wir Ihre Expertise, Ihre Professionalität und Ihre Leidenschaft.

Auf mehreren Ebenen klären wir gerade wichtige Fragen und schaffen damit quasi die Voraussetzungen, um überhaupt Entscheidungen über eine mögliche Zusammenführung der Redaktionen treffen zu können. Über den Prozess in dieser Planungsphase will ich Sie im Folgenden ein wenig näher informieren.

(1) Wir klären wichtige steuer- und gesellschaftsrechtliche Fragen: Vorbehaltlich der Zustimmung der Gesellschafter, stellen wir bis Ende August eine tragfähige Konstruktion her, die zum Ziel hat, dass SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL-Verlag vom Finanzamt als ein Steuersubjekt betrachtet und veranlagt werden. Formal bleiben beide Gesellschaften aber unabhängig bestehen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen, die wir brauchen, um für eine stärkere Integration der Redaktionen von Print und Online handlungsfähig zu sein.

Das heißt konkret:

• Wir schaffen eine notwendige Grundlage, um gemeinsam als DER SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE Produkte besser anbieten zu können.

• Wir bauen Hürden ab, die einer möglichen weitergehenden Zusammenarbeit der Redaktionen Print und Online im Weg stehen würden.

• Wir schaffen eine gesellschaftsrechtliche äußere Struktur, die uns zukünftig alle Möglichkeiten gibt. Wir schaffen jedoch keine Tatsachen zu internen Strukturen oder Zuständigkeiten.

• Es ergeben sich mit diesem Schritt keine Veränderungen für Stille Gesellschafter, Mitarbeiter oder Betriebsräte.

(2) Wir arbeiten an einem neuen Markenleitbild und schärfen unsere Markenarchitektur: Ich habe vorhin über die Relevanz von starken Marken gesprochen. Wir verlieren manchmal den Blick dafür, was die eigene Marke ausmacht: Wie wir selbst die Marke sehen und sehen wollen, und wie unsere Leser sie wahrnehmen. Wir haben deshalb einen Prozess gestartet, in dessen Verlauf wir ein neues Leitbild für die Marke SPIEGEL erarbeiten werden. In diesem Prozess stellen wir uns den Fragen nach unserer Vision – also wo wir die Marke in der Zukunft verorten –, unserer DNA und unserem Markenversprechen.

Dabei betrachten wir die Marke nicht nur von innen, sondern vor allem von außen. Dafür führen wir derzeit eine umfangreiche Imageanalyse durch, bei der wir unsere Leser und Nutzer zu Wort kommen lassen. Das mag für die eine oder den anderen unter Ihnen im Moment noch etwas abstrakt klingen. Ich bin mir aber sicher: Wenn wir im Herbst die Ergebnisse aus dem Markenprozess haben und sie Ihnen vorstellen, dann wird sich zeigen, dass ein starkes und klares Markenbild Orientierung für viele Bereiche bietet: für unsere zukünftige Produktentwicklung und für unsere Markenarchitektur, für Kommunikation und Marketing, aber auch für die Weiterentwicklung unseres unternehmerischen und des publizistischen Leitbildes.

(3) Wir arbeiten intensiv an unserem neuen Bezahlangebot SPIEGEL+, ein Produkt, das nur dann gelingen kann, wenn wir interdisziplinär, über alle Bereiche des Hauses hinweg, zusammenarbeiten. Dazu gleich mehr von Stefan Plöchinger.

(4) Zu dem skizzierten Prozess sind natürlich schon Fragen an uns herangetragen worden. Auf die wichtigsten von diesen will ich Ihnen heute erste Antworten geben: Wenn doch noch kein fertiges Konzept für eine gemeinsame Redaktion aus Print und Online vorliegt: Auf welcher Grundlage kann die Geschäftsführung denn schon jetzt eine Zusammenlegung befürworten?

Die Vision, wo wir die SPIEGEL-Gruppe in der Zukunft verorten wollen, setzt sich zusammen aus einer publizistischen und einer unternehmerischen Vision. An beiden Aufgaben arbeiten wir gemeinsam mit den Chefredaktionen. Und es ist richtig: wir können heute noch nicht alle offenen Fragen beantworten. Das ändert aber nichts an unserer Grundüberzeugung: Eine Organisation wie die unsere darf nicht im Stillstand verharren. Wir müssen in der Lage und willens sein, Antworten zu finden auf eine sich rasant verändernde Medienumwelt, auf technologische Entwicklungen und auf neue Nutzungsverhalten und -kulturen. Das heißt nicht, dass wir unsere Haltung, unser Versprechen über Bord werfen – im Gegenteil: Wir wollen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dieses Versprechen in die Zukunft zu transportieren.

Wollen auch die Gesellschafter die Zusammenlegung der Redaktionen? Ja, alle drei Gesellschafter haben ihren Willen und ihre Unterstützung bekundet.

Gibt es schon eine Beschlusslage? Nein, es gibt noch keinen Beschluss. Derzeit werden aber – wie beschrieben – viele grundlegende Fragen geklärt, zum Beispiel in Sachen Steuer- und Gesellschaftsrecht. So schaffen wir zunächst die Voraussetzungen dafür, dass Entscheidungen für eine stärkere Integration der Redaktionen getroffen werden können.

Wer kümmert sich um diese komplexen Fragestellungen rund ums Steuer- und Gesellschaftsrecht? Und wie sieht dafür der Zeitplan aus? Die rechtlichen Voraussetzungen, um für eine stärkere Integration der Redaktionen von Print und Online handlungsfähig zu sein, sind vorbehaltlich der Zustimmung aller Gesellschafter ab Ende August 2018 gegeben. Ein Konzept dafür hat die Geschäftsführung vorgelegt.

Was bedeutet das für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Die momentane Klärung der steuer- und gesellschaftsrechtlichen Fragen ist in keiner Weise präjudizierend für die Zusammenlegung der Redaktionen. Wir hoffen aber, dass sich in den nächsten Jahren Ungleichheiten ändern und auflösen und alle, die hier im Haus arbeiten, das unter gleichen Bedingungen tun. Das ist unser Wunsch und unser Anspruch.

Bedeutet eine gemeinsame Redaktion, dass alle das Gleiche machen müssen? Die neue Struktur in einer möglichen gemeinsamen Redaktion ist noch nicht ausgearbeitet. Sie würde voraussichtlich auch von Ressort zu Ressort variieren. Aber klar ist: Auch in gemeinsamen Ressorts wird es unterschiedliche Aufgaben geben.

Wie stellt sich die Geschäftsführung die Steuerung einer gemeinsamen Redaktion vor? Nicht nur das publizistische Konzept, sondern auch die Organisationsstruktur einer integrierten Redaktion muss noch ausgearbeitet werden.

Wie groß soll die zukünftige gemeinsame Redaktion sein? Plant die Geschäftsführung mit der bestehenden Mannschaft? Die Größe einer zukünftigen gemeinsamen SPIEGEL-Redaktion hängt auch vom publizistischen Konzept und den daraus folgenden Plänen in der Produktentwicklung ab. Daran wird gearbeitet. Wir können diese Frage tatsächlich nicht seriös beantworten, ohne die Strukturen für die zukünftige Zusammenarbeit zu kennen.

Machen wir das Ganze, um die Redaktionen zu verkleinern? Nein! Unser Ziel ist ja nicht, eine möglichst kleine Redaktion zu bauen, sondern vielmehr eine möglichst gute.

Aber kann ich ausschließen, dass wir die Redaktion verkleinern müssen? Auch nein! Denn wenn es aus dem neuen Zusammenspiel nicht gelingt, neue Erlöse zu erwirtschaften, dann werden wir auch hier über Einsparungen nachdenken müssen. Das gehört zu unserer Aufgabe, die Kostenstrukturen des gesamten Hauses laufend zu überprüfen.

Wie wird die Rolle der Dokumentation sowie die Nutzung von deren Ressourcen durch eine gemeinsame Redaktion zukünftig aussehen? Das hängt auch vom publizistischen Konzept und den daraus folgenden Plänen in der Produktentwicklung ab. Es gibt aber schon jetzt Initiativen in der Dokumentation, die sich unter anderem mit den Auswirkungen einer engeren Verzahnung von Print und Online beschäftigen. Wir werden diese Fragen in aller Ruhe mit den Chefredaktionen sowie den Führungskräften in Redaktion und Dokumentation beraten.

Welche Rolle spielt SPIEGEL TV bei den Überlegungen zur Zusammenlegung der Redaktionen von Print und Online? Welchen Stellenwert soll SPTV bei der redaktionellen Zusammenarbeit haben? Es gibt medienrechtliche Restriktionen, die wir für eine strukturelle Verzahnung mit der TV-Redaktion beachten müssen. Inhaltlich dagegen stehen uns alle Türen offen, und selbstverständlich wollen wir unsere Kompetenzen im Fernsehbereich so eng wie möglich mit denen der Print- und Online-Redaktion vernetzen. Wir tun das ja schon heute erfolgreich, aktuell zum Beispiel bei der Planung von neuen Podcasts.

Wie stellt sich die Geschäftsführung insgesamt die Zielorganisation nach der Integration vor? Und wie beschreibt sie den Weg dorthin? Sie kennen das Vorgehen bereits aus der SPIEGEL-Agenda 2018. Wir arbeiten gemeinsam mit den Chefredaktionen am Konzept, von dem eine neue Redaktionsstruktur entscheidend abhängt. Mit einer neuen Zielorganisation werden sich dann zunächst die Gesellschafter und auch die Betriebsräte befassen. Erst danach werden wir einen Veränderungsprozess aufsetzen, den wir sehr sorgfältig gemeinsam mit den Führungskräften vorbereiten, kommunikativ begleiten und umsetzen werden.

Ist die Zusammenlegung ein verstecktes Sparprogramm? Nein, für uns ist die Integration von Print und Online der konsequente nächste Schritt beim Umbau und der Modernisierung der SPIEGEL-Gruppe. Innovative Produkte, neue Erlöse, unternehmerischen Erfolg – all das erwarten wir. All das brauchen wir, um die Zukunft des SPIEGEL zu sichern. Selbstverständlich werden wir weiterhin sehr auf unsere Kosten achten, im ersten Schritt wird die Integration aber erstmal Geld kosten. Ein Projekt also, in das wir investieren. Dennoch erwarten wir, dass sich die Synergien mittelfristig auch auszahlen.

Wenn die Integration von Print und Online Geld kostet: Sind denn alle erforderlichen Maßnahmen getroffen worden, um den Kostensteigerungen zu begegnen, die sich aus diesem Schritt ergeben? Durch die erfolgreiche Restrukturierung des SPIEGEL-Verlags haben wir Gestaltungsspielraum für den weiteren Umbau unseres Hauses bekommen. Wir haben nicht nur Zeit gewonnen, sondern uns auch einen finanziellen Rahmen geschaffen, der nötig ist, um Neues zu entwickeln. Wir brauchen diese Ausstattung, um auch zukünftig in die personelle und organisatorische Ausstattung von Projekten investieren zu können.

Was bedeutet die Verschmelzung von Print und Online für die Markenarchitektur des SPIEGEL? Wird es zukünftig nur noch eine Marke geben, unter der SPIEGEL-Produkte auf allen Kanälen ausgespielt werden? Unabhängig von einer Verschmelzung der Redaktionen haben wir vor kurzem einen Prozess gestartet, in dessen Verlauf wir ein neues Leitbild für die Marke SPIEGEL erarbeiten werden. Ich habe das bereits angesprochen. In diesem Prozess werden wir die Marke nicht nur von innen betrachten, sondern auch von außen, indem wir unsere Leser und Nutzer zu Wort kommen lassen. Die Begleitung durch professionelle Marktforschung und eine sorgfältige Imageanalyse spielen eine große Rolle. Die Ergebnisse aus dem Markenprozess erwarten wir im Herbst, sie werden Input liefern sowohl für unsere zukünftige Produktentwicklung als auch für Kommunikation und Marketing. Außerdem können sie Impulse geben für die Entwicklung des unternehmerischen und des publizistischen Leitbildes.

Sind wir technisch überhaupt in der Lage, die beiden Redaktionen zu verzahnen und Produkte aus einer Hand zu führen und anzubieten? Muss nicht auch in die zukünftige technische Infrastruktur noch kräftig investiert werden?Wir wollen und müssen auch weiterhin in die technische Infrastruktur des Unternehmens investieren, wir planen dafür mehrere Millionen Euro ein. Alte Anwendungen werden schrittweise modernisiert und vereinheitlicht, und wir schaffen, wie mit dem neuen Intranet, neue Plattformen für die Kommunikation und die tägliche Arbeit. Und selbstverständlich werden wir am Ende mit einem gemeinsamen Redaktionssystem arbeiten.

Die Umsetzung der SPIEGEL-Agenda 2018 ist kommunikativ – intern wie extern – intensiv begleitet worden. Ist das auch für den Integrationsprozess sichergestellt? Eine Entscheidung über die Verschmelzung von Print und Online ist ja noch nicht getroffen, deshalb können wir auch noch nicht den Prozess dahin beschreiben. Wir werden aber selbstverständlich dafür sorgen, dass der Veränderungsprozess so gut wie möglich vorbereitet und umgesetzt wird. Dazu gehören auch Transparenz, Information und Austausch.

Erlauben Sie mir noch einmal den Blick zurück zum Anfang meiner Rede: Es steht außer Frage, dass der SPIEGEL in diesem Land schmerzlich vermisst würde, wenn es ihn nicht mehr gäbe. Das kann und sollte uns stolz machen, das geht aber auch mit einer großen Verantwortung einher. Eine Verantwortung dafür, SPIEGEL-Journalismus und seine weitestmögliche Verbreitung auch für die Zukunft sicher zu stellen. Dafür müssen wir jetzt gemeinsam die Weichen stellen. Ich bin überzeugt, dass uns das gelingen wird. Weil ich weiß, dass uns allen der Erfolg des SPIEGEL am Herzen liegt. Und weil ich weiß, was wir gemeinsam in den vergangenen zwei Jahren bereits geschafft haben. Für dieses Engagement und für diese Energie danke ich Ihnen sehr. Bis hierhin. Und weiterhin.

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Alle Kommentare

  1. Das hätte man vor 10 Jahren schon machen können – aus einer Position der Stärke heraus. Jetzt riecht es eher nach Verzweiflungstat. Und Stellenabbau hat die deutsche Medienlandschaft ja zu dem gemacht, was sie heute ist, hehe…

    Aber hey, man kann ja immer noch ein paar Dutzend Studenten mit “Pflichtpraktika” einstellen, für die kein Mindestlohn gilt, und dem Leser weiter umgeschriebene Meldungen liefern, die er schon selber im eigenen Facebook-Feed gesehen hat… und sich wundern, warum Werbekunden ihr Geld lieber nach Irland überweisen.

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