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“Missbrauch christlicher Symbole”: Wie Markus Söder mit seiner Kreuz-Provokation für Erregung im Netz sorgt

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder weiß die sozialen Medien bestens für sich und seine Botschaften zu nutzen. Am Mittwoch provozierte er mit der Ankündigung, dass in staatlichen Einrichtungen in Bayern zukünftig ein Kreuz an der Wand hängen soll. Der Ärger war programmiert, was der Verbreitung von Söders Botschaft nur nutzte – mit Blick auf die Landtagswahlen im Oktober geht Söders Provokationsstrategie aber (noch) nicht auf.

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Mit einem Kreuz in der Hand steht er im Eingangsbereich seiner Staatskanzlei vor einer weißen Wand, die den Schatten seiner Silhouette noch einmal einfängt. Ein kurzer Schnappschuss dieser Pose reichte aus, um am gestrigen Dienstag das politische Thema Nummer 1 in den sozialen Netzwerken zu werden.

“Klares Bekenntnis zu unserer bayerischen Identität und christlichen Werten”, schrieb Bayerns Ministerpräsident Markus Söder dazu. “Haben heute im Kabinett beschlossen, dass in jeder staatlichen Behörde ab dem 1. Juni ein Kreuz hängen soll. Habe direkt nach der Sitzung ein Kreuz im Eingangsbereich der Staatskanzlei aufgehängt.”

Klares Bekenntnis zu unserer bayerischen Identität und christlichen Werten. Haben heute im Kabinett beschlossen, dass in…

Gepostet von Markus Söder am Dienstag, 24. April 2018

Söder weiß die sozialen Medien für sich zu nutzen – am Ende des Tages sammelte er mehr als 10.000 Interaktionen bei Facebook, mehr als 1.300 kamen bei Twitter zusammen. Die Aufmerksamkeit war da, die Empörung auch. Sie war programmiert.

“Ich kann Ihnen garantieren, dass in meiner Amtstube kein Kreuz hängen wird. Ich nehme als bayerische Beamte die Trennung von Staat und Reigion sehr ernst. Im Gegensatz zu Ihnen ist mir der säkulare Staat durchaus ein Begriff. Auch in Bayern haben wir zum Glück keinen Gottesstaat. Lassen Sie Ihr Kreuz zuhause, Herr Söder”, lautete einer der beliebtesten Kommentare, der wiederum 3.000 Likes sammelte, mittlerweile aber entfernt ist.

Söders Aktion blieb auch in Berlin nicht unbeachtet. Unter anderem FDP-Chef Christian Lindner schoss scharf zurück: “Wie der @Markus_Soeder und die @CSU Religionen permanent für die Parteipolitik instrumentalisieren, das erinnert geradezu an #Erdogan. Das Grundgesetz hat keine Konfession! CL.” Und auch Grünen-Politiker Konstantin von Notz reagierte: “Die #CSU hat leider die Grundprinzipien unseres pluralen Rechtsstaats nicht verstanden. Zudem handelt es sich offenkundig um rein wahltaktisch motivierten Missbrauch christlicher Symbole. Was wohl #Jesus dazu sagen würde?” Lindners Tweet ging bei Twitter über Söders Ruf hinaus: Mit 2.500 Likes und Retweets holte er den erfolgreichsten Polit-Tweet des Tages.

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Die Kreuz-Provokation des Ministerpräsidenten ging über die Grenzen der sozialen Netzwerke hinaus. Unter anderem berichtete Spiegel Online. Mit 26.200 Facebook- und Twitter-Interaktionen auf Platz 1 der deutschsprachigen journalistischen Artikel des Tages.

Die Motive Söders, das meinen allen voran Kritiker, seien klar: Im Vorfeld der Landtagswahlen im Oktober will der Ministerpräsident auf Stimmenfang in konservativen Lagern gehen. Für die CSU geht es um den Erhalt der absoluten Mehrheit. Bislang scheint die Strategie aber nicht aufzugehen: Seit Februar hängt die CSU in Umfragen bei 42% bis 43% fest, hätte damit keine eigene Mehrheit mehr im bayerischen Landtag.

Dieser Artikel ist eine Ausweitung der Analyse des heutigen #trending-Newsletters, in dem MEEDIA werktäglich die erfolgreichsten Themen aus den sozialen Netzwerken zusammenfasst. Den Newsletter können Sie hier kostenlos abonnieren.

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Alle Kommentare

  1. Wer muslimische Fundamentalist_innen mit Kopftuch bzw. Islamist_innen als Schöffen, Beamte oder Angestellter des öffentlichen Rechts in Deutschland implementieren will, braucht hier gar nicht seine dümmliche Unkenntnis vom säkularen oder gar den pluralen Rechtstaat verbreiten, der durch christlich-religiöse Symbole plötzlich in Gefahr sein soll. Eben noch Toleranz, Vielfalt und Bereicherung und nun das Lied der muslimischen Extremisten flöten.

  2. Ist nun einmal Tatsache, daß unsere eigenen Werte von irgendwoher gekommen, durch irgendwas geprägt sein müssen.

    Es deutet sich an, daß unser derzeit womöglich vollziehende Untergang auch damit zu tun haben könnte, wonach wir auf keine eigenen Werte mehr verweisen, wir damit jede eigene Orientierung aufgegeben haben. Also schaffen wir zunächst unser Bildungssystem ab, welches offenbar nix taugte und auch deswegen ohnehin gerade kollabiert.

    Auch darauf bauen Medien und Politik, welche sich nicht nur unser Land unter den Nagel gerissen haben, indem sie dem eigentlichen Souverän sein Machtmittel aus der Hand geschlagen haben: die Abhaltung von Ergebnis-offenen Wahlen, denen eine Veränderung folgen kann.

    Offenbar verfolgen unsere Eliten eigenständige Zielsetzungen durch Abrede und Abstimmung gemeinsamer, aber nicht zur öffentlichen Diskussion gestellter Ziele, welche dann durch gezielte Aufbereitung von Information zur Lenkung der Öffentlichkeit verwendet wird. Zusätzlich wird die Möglichkeit einer Ergebnis-orientierten Veränderung durch demokratische Wahl mit sämtlichen gerade noch vertretbaren Diffamierungs-und Zersetzungs-Techniken in allen erreichbaren, gesellschafts-relevanten Bereichen unterbunden.

    An einer sich daraus ergebenden Orientierungs-Losigkeit beteiligen sich sogar höchste Kirchenvertreter beider Konfessionen.

    Ich glaube also nicht, daß es sich bei dieser Söder-Aktion um eine lediglich religiös orientierte Zielsetzung handeln dürfte. Es geht womöglich um den rührenden Versuch, unsere Gesellschaft zu Werten zurückzuführen, welche das Fundament unserer Gesellschaften bildeten.

    Kein Wunder, da dabei Geschrei aufkommt.

    Mit einem Versuch auf die Erhaltung von Werten dürfen sie schon garnicht einer offenbar geschulten Sozialistin (ev) entgegentreten, die sich gekonnt der gesellschaftlichen Reste nioch vorhandener Werte-Bindungen bedient, indem sie an die allgemeine Hilfsbereitschaft appelliert, diese für ihre Ziele instrumentalisiert und dabei das für eine Delegation von Handlungen im Rahmen der repräsentativen Demokratie notwendige Vertrauen der Menschen recht gut benützt.

    Ein zusätzliches machtloses, sowie ein inzwischen weitgehend entmachtetes Parlament stellt keine demokratisch notwendige Kontrolle dar, es handelt sich eher um die Aufrechterhaltung einer als notwendig erachteten Illusion, denn
    auch die dorthin entsandten Vertreter entsagen ihrerseits inzwischen jeder nennenswerten, oder gar wirksam werdenden Werte-Orientierung.

    Auch diese CSU wird viel zu spät wach, sofern man von dieser Söder- Aktion überhaupt Rückschlüsse auf eine Art Rückbesinnung der CSU ziehen sollte.

    Da der Islam ja bekanntlich zu Deutschland zu gehören scheint, gewähren wir als Ausdruck des uns verbliebenen Demokratie- Verständnisses dem Herrn Erdogan die Möglichkeit von Wahlkampfauftritten in Deutschland. Konsumieren wir TV- Produktionen, in denen uns geschildert wird, wie stark der Islam in der Vergangenheit bereits die Welt beflügelt hatte. (Jüngstes Beispiel: vielleicht die Förderung des Wertes Erdöl).

    Der Mensch ist ausnahmslos und unentrinnbar Werte-orientiert. Wer seine eigenen Werte nicht kennt und mithin nicht verteidigen kann, dem werden zwangsläufig andere Werte untergejubelt.

    Dies war der Wert der eigentlichen Erkenntnis aus dem Aufstieg und Niedergang des 3. Reichs. Wer aus seinen Fehlern nichts lernt, der wird sie wiederholen müssen.

    Man muss nicht Christ sein, um dies zu begreifen. Etwas Grips täte es auch.

    1. … und täglich grüßt das Murmeltier in Form eines Pamphlets aus der Feder eines E Ekat oder anderer AfD-naher Kommentatoren. Nur in aller Kürze dazu: Nein, unser Untergang steht nicht unmittelbar bevor. Und nein, die Söder-Aktion ist nicht religiös motiviert, sondern zutiefst populistisch, um am rechten Rand auf Stimmenfang zu gehen.
      Und ja, auch der Islam ist eine Religion, die in Deutschland in friedlicher Form gelebt werden darf, ohne ein Recht auf die Verbreitung ihrer Symbole in öffentlichen Gebäuden zu haben.
      Und ebenfalls ja, das Christentum hat einen großen Anteil an unseren Werten und kulturellen Wurzeln. Aus leidvoller Erfahrung wissen wir aber sehr, dass es schlauer ist, Staat und Kirche konsequent zu trennen. Wie es anders geht, beweißt zur Zeit ein Erdogan – und an dem wollen wir uns sicherlich kein Beispiel nehmen. Söder hat den Schuss aber noch nicht gehört, der mutiert gerade ein wenig zum “Södogan”

      1. persönlicher Angriff ist nicht mein Stil, Schwabenpfeil.

        Sachlich haben sie nichts vorgetragen, auf das zu antworten sich lohnt.

      2. Oh, worin liegt den genau der persönliche Angriff? Im Murmeltier oder im AfD-nah? Eine Beleidigung sollte es aber auf keinen Fall sein (dafür würde ich mich umgehend entschuldigen), sondern lediglich eine Einschätzung ihrer unermüdlichen Einträge in diesem Forum. Dass diese Widerspruch hervorrufen, versteht sich von selbst, da sie meiner Meinung nach auf einer völlig schrägen Wahrnehmung unserer Politik, unserer Medien und unserer Gesellschaft allgemein beruhen.

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