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Digital-Duell bei “Markus Lanz”: Richard David Precht vs. OMR-Gründer Philipp Westermeyer

Digital-Diskussion bei “Markus Lanz”: Philosoph Richard David Precht, Sänger Sasha, Ex-SPD-Politikerin Christine Bergmann, OMR-Gründer Philip Westermeyer (v.l.)
Digital-Diskussion bei "Markus Lanz": Philosoph Richard David Precht, Sänger Sasha, Ex-SPD-Politikerin Christine Bergmann, OMR-Gründer Philip Westermeyer (v.l.)

Bei der jüngsten "Markus Lanz"-Sendung trafen mit dem Bestseller-Philosophen Richard David Precht und dem OMR-Macher Philipp Westermeyer ein Digital-Kritiker und ein Digital-Apologet aufeinander. Trotz Differenzen: Am Ende waren beide gar nicht so weit auseinander.

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Richard David Precht ist gern gesehener Gast in Talkshows und hatte bei Lanz mit “Jäger, Hirten, Kritiker – Eine Utopie für die digitale Gesellschaft” auch sein neues Buch quasi im Gepäck. Markus Lanz konfrontierte den Populär-Philosophen gleich zu Beginn mit seinem Zitat “Digitalisierung bedroht alles, was ist.”

“Wir erleben die Ruhe vor dem Sturm”, so Precht. Die Stimmung, dass da etwas komme, sei längst da bei den Leuten aber die Politik greife das nicht auf, weil sie den Menschen keine Angst machen wolle. Laut Precht stehen wir durch die Digitalisierung vor einer umfassenden und tiefgreifenden Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse. “Einige Millionen Menschen” würden ihre Nine-to-Five-Jobs verlieren. Alle gleichförmigen Dienstleistungsberufe würden “algorithmisiert”.

Das Silicon Valley, repräsentiert vor allem durch die Großkonzerne Facebook, Google, Apple und Amazon (das seinen Hauptsitz freilich nicht im Valley hat, sondern im US-Bundesstaat Washington) pflege ein “kybernetisches Menschenbild”. Der Mensch sei hier gleichsam eine “Ratte im Labor”. Dies, so Precht, unterscheide sich grundlegend vom Menschenbild der europäischen Aufklärung und gefährde letztlich die freiheitliche Demokratie.

Demgegenüber zeichnete Philipp Westermeyer, Digital-Unternehmer und Gründer der Online-Marketing-Rockstars (OMR), ein deutlich positiveres Bild. Bei manchen althergebrachten Berufen sei es gar nicht schade, dass diese verschwinden. Der im Ruhrgebiet aufgewachsene Westermeyer erinnert dabei stets an das Beispiel der hart malochenden Kohle-Kumpels. Aber auch eine Näherin aus Bangladesh halte vielleicht nur darum an ihrem Näherinnen-Job fest, weil sie keine Alternative sehe. In der Digitalisierung sieht Westermeyer hier eher die Chancen statt der Gefahren.

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Westermeyer zeigte außerdem Verständnis für die Googles und Facebooks dieser Welt. “Google, Facebook, Apple, Amazon bieten guten Service an. Ganz viele Menschen finden das cool und gut nutzbar, was da angeboten wird”, sagte der OMR-Gründer. Und meinte schlicht: “Wer solche coolen Produkte anbietet, ist erstmal nicht so schlecht.” Viele Menschen würden sich mehr sorgen als nötig: “Insgesamt sind wir – global gesehen – auf sehr gutem Weg. Wir verstellen uns die Sicht. Fundamental ist die Welt dabei, immer besser zu werden.”

Für die “verstellte Sicht” machte er indirekt auch Leute wie Precht verantwortlich, die negative Entwicklungen stets überbetonen würden. “Sie haben mein Buch nicht gelesen”, konterte der rhetorisch beschlagene Precht. Darin zeichne er durchaus eine positive Utopie, in der die Menschen weniger fremdbestimmt arbeiten würden und sich freier entfalten könnten. Aber: “Ein Punkt, bei dem ich pessimistisch bin ist, dass Digitalisierung einen wahnsinnigen Energieverbrauch hat, der durch fossile Energien geleistet wird. Das fördert Migration und Klimawandel. Digitalisierung muss mit Energiediskussion zusammen geführt werden.”

Da waren sich dann alle wieder einig. Wobei: Gar so positiv, wie Precht es in seiner Replik an Westermeyer darstelle, waren seine ersten Einlassungen in der Tat nicht gewesen. Ganz nebenbei erklärte Precht der ebenfalls anwesenden früheren SPD-Familienministerin Christine Bergmann, wie seiner Meinung nach ihre Partei zu retten wäre: in der digitalen Gesellschaft für soziale Absicherung sorgen; sich ums Grundeinkommen kümmern; von den blockierenden Gewerkschaften lösen. Bergmann bot Precht daraufhin an, doch gleich nach der Sendung in die SPD einzutreten, Mitgliedsanträge habe sie dabei. Gar soweit wollte Precht dann aber lieber doch nicht gehen.

 

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