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“Wer etwas Innovatives macht, muss bereit sein, missverstanden zu werden”: Axel-Springer-Award für Jeff Bezos

Unter dem Motto “An Evening for Jeff Bezos” feierte Axel Springer (CEO Mathias Döpfner) den Amazon-Grunder
Unter dem Motto "An Evening for Jeff Bezos" feierte Axel Springer (CEO Mathias Döpfner) den Amazon-Grunder

Es ist ein ungewöhnliches Bild. Während im 19. Stock des Axel Springer-Hochhauses in Berlin der Amazon-Gründer Jeff Bezos für „visionäres Unternehmertum“ geehrt wird, protestierten vor dem Verlagshaus Mitarbeiter der deutschen Amazon-Logistiksparte für Lohnerhöhungen. Das Who-is-Who der Medien- und Wirtschaftswelt beeindruckte das nicht – der E-Commerce-Guru wurde drinnen gehyped wie ein Popstar.

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Für den Amazon-Chef gab sich der Verlag wieder die allergrößte Mühe, einen besonderen Abend zu organisieren. Wie bereits vor zwei Jahren bei Facebook-Chef Mark Zuckerberg stand das gesamte Event unter den Motto „An Evening for…“. Es war nur auf den Star-Gründer ausgerichtet.

Für die Ego-Revue des Facebook-Gründers hatte Springer damals seinen Journalistenclub und einen angrenzenden großen Konferenzraum in eine Dachterrasse im Palo-Alto-Stil verwandelt. Die Set-Designerin Pia Maria Mackert verlegte extra 135 Quadratmeter Rollrasen, fällte persönlich 24 Birken im Berlin-Pankow, ließ 100 Spiegel aufhängen und 81 Sitzkissen und 23 Sessel im Raum verteilen.

Die Laudatio auf Zuckerberg hielt sein früher Investor und Trump-Unterstützer Peter Thiel. Zuständig für die Bezos-Laudatio in diesem Jahr war John Elkann, Verwaltungsratspräsident des Fiat-Konzerns.

Im direkten Vergleich zum überbordenden Setting des Zuckerberg-Events war die Bühne, die Springer dem Amazon-Gründer bot, geradezu dezent. Highlight waren zwei Boxen, in denen in Miniaturen wichtige Stationen aus dem Leben des Unternehmers nachgebaut worden waren.

Zum Start ähnelte die Preisverleihung mehr einer Kinovorführung. Erst wurde in einem aufwändigen Film das Leben des Amazon-Gründers rekapituliert, dann kamen Weggefährten und Freunde in kurzen Video-Botschaften zu Wort, unter anderem von Steven Spielberg und Bill Gates. Seine Gratulationen persönlich überbrachte dagegen Sir Martin Sorrell, der gerade erst als Vorstand von WPP zurücktreten musste. Zudem umfasste die Gästeliste fast die halbe deutsche Regierungsmannschaft: Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Gesundheitsminister Jens Spahn, Andreas Scheuer (Verkehr und digitale Infrastruktur) sowie die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Bereits im Vorfeld hatte Springer-CEO Mathias Döpfner gelobt, dass Bezos vor fast einem viertel Jahrhundert als Erster das Potenzial des Warenhandels im Internet erkannte und mit Amazon ein globales Unternehmen erfunden und zu einzigartigem wirtschaftlichen Erfolg geführt hätte. „Mit dem Erwerb der Zeitung ‚The Washington Post’ 2013 schaffte er die Voraussetzungen, um die Innovationskraft und Experimentierlust einer angeschlagenen Traditionsmarke wiederzubeleben und einer verunsicherten Branche neuen Mut zu geben. Und auch seine ambitionierten Raumfahrtprojekte beweisen, dass er die Zukunft mit Leidenschaft mitgestalten will.“

Seinen stärksten Moment hatte der Abend, als Bezos – geschätztes Privatvermögen aktuell 127 Milliarden Dollar – im Gespräch mit Springer-CEO Mathias Döpfner von den Sommern erzählte, die er als Kind auf der Ranch seiner Großeltern verbrachte, auf der er lernte, alles zu reparieren und immer eine Lösung mit möglichst wenigen Ressourcen zu finden. Aus dieser Zeit zieht der Unternehmer noch immer einen großen Teil seiner Motivation und Attitüde.

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Tatsächlich schlummert in Bezos ein begnadeter Entertainer. Mit seinen kleinen Schwänken und Anekdoten aus den Anfangstagen des Web- und Tech-Giganten unterhielt er die 100 geladenen Gäste mehr als alle multimedialen Knalleffekte und Miniaturboxen.

Bezos betonte, die einzige Verwendung für seinen Reichtum – “den Lottogewinn mit Amazon” – sehe er in Weltraumreisen. “Blue Origin ist teuer genug, um dieses Vermögen aufzubrauchen”, sagte er zu lachenden Zuschauern im Publikum. Bezos bekräftigte, dass er dafür jährlich Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar verkaufe – und damit auch fortfahren wolle.

Der Frage nach Attacken von US-Präsident Donald Trump, der Amazon und der ihm kritisch gegenüberstehenden Washington Post Steuertricks vorwirft, wich Bezos aus. Zugleich betonte er, dass er die aktuelle grundsätzliche Skepsis gegenüber Internet-Unternehmen verstehe. Die Firmen seien inzwischen so groß geworden, dass dies eine stärkere Aufsicht rechtfertige – und die Branche müsse einsehen, “dass das nicht persönlich gemeint ist”. Auch wenn es für die Unternehmer selbst vielleicht schwer nachzuvollziehen sei – für ihn selbst sei schließlich immer noch frisch in Erinnerung, wie Amazon so klein gewesen sei, dass er Pakete zur Post brachte.

Während Döpfner sich mit Bezos unterhielt, protestierten vor dem Verlagsgebäude einige Gewerkschaftler. Hintergrund der Demo ist der anhaltende Kampf zwischen Ver.di und dem Web-Giganten. Seit mehr als vier Jahren fordert die Gewerkschaft die Aufnahme von Tarifverhandlungen. Das US-Unternehmen verweigert sich dem allerdings beharrlich. Also kündigte Ver.di an, dass gut hundert streikende Mitarbeiter mit zwei Bussen von Leipzig nach Berlin fahren würden.

“Wir wollen gegen diese Preisverleihung demonstrieren. Nicht Jeff Bezos, sondern den Beschäftigten gebührt der Preis”, erklärte der Streikleiter der Gewerkschaft Thomas Schneider im Vorfeld.

Nicht nur Ver.di nutzte die Aufmerksamkeit des Awards, um sich kritisch zu Amazon zu äußern. Auch die Otto-Brenner-Stiftung stellte in Zusammenarbeit mit Attac eine neue Studie vor. Diese kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Web-Giganten wie Amazon, Google & Co. eine weltweite Monopolbildung in der Digitalökonomie betreiben würden, mit ihrer Steuervermeidungsstrategie allerdings für massive Einnahmeverluste der öffentlichen Hand führen würden. Die Untersuchung kommt deshalb zu dem Schluss: „Diese extreme Monopolisierung der Geschäftswelt ist eine Gefahr für die Demokratie. Die Preisvergabe an Jeff Bezos ist daher eine Provokation“.

Nur kurz streiften Döpfner und Bezos das Thema Arbeitsbedingungen, während vor dem Verlagsgebäude noch demonstriert wurde. Der Amazon-Chef ist davon überzeugt, dass er stets am oberen Rand der jeweiligen Tarifklassen zahlt. Er sieht sich als guter Arbeitgeber und die Gewerkschaften als von Eigeninteressen getrieben. Fast schon schulterzuckend merkte er dazu an: „Immer wenn man etwas Innovatives oder was Neues macht, muss man bereit sein, missverstanden zu werden.

Mit Material von dpa

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Alle Kommentare

  1. Interessantes Foto: früher liessen die Springer-Bosse solche Demonstranten vom Gelände räumen, heute lässt ASV-CEO-Döpfner sie zu . . .

  2. Schämt Euch!
    “Der Axel Springer Award zeichnet herausragende Persönlichkeiten aus, …, die Kultur prägen und sich gleichzeitig ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen.”
    Jeff Bezos verdient bestenfalls eine Urkunde für den “Weltmeister der Steuervermeidung und skrupelloser Arbeitgeber”.
    Das soll unsere neue Kultur sein?
    Das ist die neue gesellschaftliche Verantwortung?
    Dafür, daß er in Deutschland lediglich Gewinne macht und keine Steuern dafür zahlt, wird er jetzt hofiert?
    Bekommen wir alle eine Auszeichnung, wenn wir alle uns weigern, Steuern zu zahlen?
    Grüße eines empörten Bürgers.

  3. Taylorismus…….ist primitivstes Mittelalter….aber eine neoliberale Presse feiert sowas!

    Die Medien gehören halt ekelhaften Gestalten……die auch für mich nichts poitives darstellen….keine echten Unternehmer die noch für ihre Mitarbeiter da wahren.

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