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Produktchef Plöchinger über das neue Pay-Modell Spiegel+: “Schaffen uns ein zusätzliches Standbein und hacken kein altes ab”

Produkt-Chef Stefan Plöchinger , Logo-Entwürfe für das neue Spiegel+: endlich ein schlüssiges Konzept
Produkt-Chef Stefan Plöchinger , Logo-Entwürfe für das neue Spiegel+: endlich ein schlüssiges Konzept

Der Spiegel-Produktchef Stefan Plöchinger sendet ein deutliches Lebenszeichen mit dem neuen Paid-Content-Konzept Spiegel+. Unter Plöchinger werden die drei bestehenden digitalen Pay-Angebote des Spiegel zu einem Flatrate-Modell vereinfacht. Dahinter versteckt sich eine clevere Preis-Strategie und Print- und Online-Redaktion werden gezwungenermaßen enger zusammenzuarbeiten müssen als bisher.

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Der Graben zwischen Print und Online im Hause Spiegel ist legendär. Trotz zahlreicher Versuche verschiedener Chefredakteure und Geschäftsführungen ist er auch noch immer da. Die Online sind keine Mitglieder in der Mitarbeiter KG und haben daher per Definition weniger zu melden als die Print-Leute. Beide Redaktionen sind auch nach wie vor geprägt von einem unterschiedlichen Selbstverständnis, unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Arbeitsweisen.

Möglich, dass sich mit der Einführung des neuen Spiegel+-Bezahlmodells daran künftig etwas ändert. Bzw.: Es muss sich eigentlich etwas ändern, sonst kann Spiegel+ nicht wie gedacht funktionieren. „Für das Zusammenrücken von Print- und Online-Redaktion ist ein gemeinsames Geschäftsmodell eine notwendige Voraussetzung. Es gibt künftig praktisch nur noch ein Gefäß, in das alle gemeinsam hineinarbeiten können”, so Stefan Plöchinger gegenüber MEEDIA.

Auch die Entbündelung des Print-Magazins wird mit dem neuen Konzept vorangetrieben. Plöchinger: “Die Entbündelung von Magazin-Inhalten geschieht schon heute. Was sich vielleicht ändert, ist, dass die Fixierung auf die Magazin-Deadline nicht mehr zwingend ist. Das wird aber auch niemand im Haus schlimm finden, denn das Digital-Abo zahlt ja auch auf die IVW-Auflage ein, und der Preispunkt ist ähnlich wie bei Print. Es gibt also praktisch keine Nachteile.”

Bisher wurden Magazin-Texte erst nach der Print-Veröffentlichung als Spiegel-Plus-Inhalte zum digitalen Kauf angeboten. Künftig kann es geschehen, dass eine Spiegel-Print-Story schon dem Heft als Pay-Inhalte bei Spiegel-Online erscheint. Eventuell auch als eine Art Vor-Version, die für das Heft dann nochmals ergänzt oder aktualisiert wird. Der Spiegel eröffnet sich hier einige neue Möglichkeiten. Ob die Bedenken konservativerer Teile der Print-Redaktion (die soll es gerüchteweise noch geben) gegen eine solche Vorgehensweise tatsächlich so zerstreut sind, wie der neue Produkt-Chef des Hauses das sagt, wird sich zeigen.

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Was den heiklen Punkt des Pricings betrifft, geht der Spiegel einen mutigen Schritt. 19,99 Euro pro Monat soll das Standard-Digitalabo des Spiegel künftig im Regelpreis kosten. Damit liege man unter dem Niveau einiger Konkurrenten wie SZPlus und FAZ+ (beides immerhin Tageszeitungen, was im Digitalen freilich de facto bedeutungslos ist). Allerdings verbirgt sich hinter dem neuen Preisgefüge auch eine geringfügige Erhöhung gegenüber den bisherigen Digitalpreisen des Spiegel. Man habe versucht, hier einen attraktiven und logisch nachvollziehbaren Preispunkt unabhängig vom bestehenden Preisschema zu finden, argumentiert Plöchinger. Zumal der Spiegel mit dem 11,99 Euro teuren Unter-30-Abo ein sehr attraktives Angebot für junge Leser bereithält. Die bisherige Magazin-App wird bei Einführung des neuen Modells übrigens keiner neuen Spiegel+-App weichen muss. Spiegel+ sei das Angebot, nicht das Produkt, so Plöchinger. Will heißen: Die Produkte Spiegel Online und Der Spiegel stehen weiterhin nebeneinander. Mit dem Spiegel+-Abo bekommt der Leser Zugang zu allen Inhalten beider Produkte.

Nicht nur die Print-Leute werden sich womöglich etwas umgewöhnen müssen, sondern auch die Onliner. Von einer neuen Reichweitenlogik ist die Rede, die sich auf loyale Leser konzentriert. Das soll freilich nicht bedeuten, dass Reichweite künftig an Bedeutung verliert. Plöchinger: “Das Pay-Modell verändert die Perspektive. Man muss sich fragen: Wie geht Nutzerzufriedenheit? Wie müssen die Texte beschaffen sein, wenn man dafür Geld nimmt? Das ersetzt natürlich nicht die Reichweite. Wir schaffen uns ein zusätzliches Standbein und hacken kein altes ab.”

Nach langer Zeit des Herumexperimentierens und -lavierens – u.a. mit dem Rohrkrepierer Spiegel Daily – legt der Spiegel endlich ein in sich schlüssiges, digitales Pay-Konzept vor. Man darf gespannt sein, wie es sich entwickelt.

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