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Viele Skills, wenig Ambitionen: Weshalb Amazons Alexa für Verlage vielleicht sexy ist, sie aber arm machen könnte

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Medienhäuser haben den Trend so genannter Smart Speaker als potentiell reichweitenstarke Vertriebskanäle erkannt, lassen sich aber zu wenig auf die Spezifikationen der neuen Plattformen ein. So lautet das Fazit von Matthias Bannert, der für MEEDIA die Audio-Aktivitäten analysiert hat. Stefan Bergmann, Chefredakteur der Emder Zeitung, widerspricht. Ohne Monetarisierungsmöglichkeit lohnt sich der Aufwand oft nicht.

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Von Stefan Bergmann, Chefredakteur Emder Zeitung

Verlage beschäftigen sich mit „Alexa“ nur halbherzig, so lautet das Fazit von Matthias Bannert in einem MEEDIA-Gastbeitrag. Selbst renommierte und ansonsten experimentierfreudige Blätter ließen nur nachrichtenarme Headlines aus einem RSS-Feed vorlesen. “Alexa würde angesichts solcher Sachen die Hände über den Kopf zusammenschlagen”, sagt Bannert. Er schließt daraus, dass die deutschen Verlage gerade einen neuen Vertriebskanal verpennen.

Das kann man so sehen, wenn man im Marketing tätig ist, und Geld damit verdienen möchte, Redaktionen zu sagen, was sie alles gerade schlecht machen.

Ob Amazons Alexa, der sprachgesteuerte Lautsprecher fürs eigene Heim, wirklich eine Chance für Verlage ist, wird die Zukunft zeigen. Bisher sieht es nicht so aus, es sei denn, Amazon entwickelt die Plattform weiter. Das zentrale Gegenargument liefert Bannert ganz am Ende seines Lamentos, allerdings in einem klitzekleinen Neben-Neben-Satz: „…fehlende Monetarisierungsmöglichkeiten…“.

Als kleinste Vollzeitung Deutschlands hat die Emder Zeitung relativ früh einen Skill für Alexa programmiert. Das führte nicht nur zu Entwicklungskosten, sondern auch dazu, dass die Redaktion den Stil der Headlines auf der Website hinterfragen musste. Denn mehr als einen vertonten RSS-Feed können und wollen sich kleine Redaktionen nicht leisten. Also ging die Tendenz weg von feuilletonistisch-angehauchten Wortspielereien und zurück zu den Wurzeln jeglichen Journalismus’: Nachricht. 6 W-Fragen. Und das alles in drei bis vier Sätzen. Das war nicht nur für Alexa gut, sondern auch für den Leser der Website. Er erfährt jetzt schneller den Kern der Nachricht. Hätten wir auch früher drauf kommen können.

Und hier, aber auch nur hier, hat Bannert Recht: Wenigstens diesen Aufwand sollte ein Medienhaus schon leisten. Wenn schon Alexa, dann sexy. Und bitte so, dass dem Hörer nicht die Ohren abfallen und er sich nach der täglichen Nachrichtenübersicht nur sagt: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…“

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Und spätestens jetzt gelangt man zu der Frage: Was bringt einem Medienhaus eigentlich die Präsenz auf „Alexa“? Genauso könnte man fragen: Warum produzieren Medienhäuser für Snapchat? Wieso gibt es Inhalte auf Instagram, Facebook, Twitter und wie sie alle heißen? Die Antwort ist so einfach, dass man sie in diesem Fachforum eigentlich gar nicht groß ausführen muss: Es gibt Social-Media-Kanäle, die rentieren sich „über Bande“, indem sie für traffic auf den verlagseigenen Seiten sorgen, der dann wiederum monetarisierbar ist, insbesondere bei Reichweiten-getriebenen Portalen. Doch noch nicht einmal das bietet Alexa, und kann es auch nicht bieten ohne Medienbruch.

Alexa (und auch Snapchat) sind wenigstens bisher reine Image-Angelegenheiten. Und man kann als Berater fordern, Abertausende Euros in einen imagebildenden Skill zu investieren. Aber ist es sinnvoll? Verlage müssen aufhören, sich immer neue Wege zu suchen, ihre wertvollen Inhalte zu verschenken. Und wenn sie es doch tun, weil man early adopter sein will, dann sollten sie sich genau fragen, wieviel sie verschenken und zu welchem Preis. Vor diesem Hintergrund ist es zurzeit noch sinnlos, mehr Geld in einen Alexa-Skill zu investieren als unbedingt nötig.

Die Zurückhaltung vieler Verlage bei „Alexa“ ist vermutlich auch eine Lehre aus den Zeiten, in denen man mit vermeintlich schicken und gewinnbringenden neuen Tools viel Geld verbrannt hat, weil man viel zu lange vom „Prinzip Hoffnung“ lebte und vorher nicht sauber Kosten und möglichen Nutzen abgewogen hat. Und natürlich, weil es kaum einsehbar ist, dass Amazon sich die Gewinne einstreicht, und die Verlage kostenlos die Premium-Inhalte liefern. Das kennt man ja schon von Facebook & Co.

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