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Börsengang als “bevorzugter Ausstieg”: Stefan von Holtzbrinck plant Zukunft von Springer Nature ohne BC Partners

Wollen Springer Nature an die Börse bringen: Ewald Walgenbach und Stefan von Holtzbrinck
Wollen Springer Nature an die Börse bringen: Ewald Walgenbach und Stefan von Holtzbrinck

Für viele Medienunternehmen sind Fachverlage Teil des wirtschaftlichen Fundaments – einer der weltweit bekanntesten heißt Springer Nature und gehört mehrheitlich dem Verleger Stefan von Holtzbrinck. Er und sein Geschäftspartner, der Finanzinvestor BC Partners, wollen das Joint-Venture an die Börse bringen. Im Interview mit dem Handelsblatt erklären beide ihre Strategie, die den langfristigen Ausstieg eines der Partner vorsieht.

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Der IPO sei der “bevorzugte Ausstiegsweg”, und die Planung dafür habe bereits vor drei Jahren gestanden, erklärt Ewald Walgenbach. Damals haben er, der Deutschland-Chef des Finanzinvestors BC Partners, und Verleger Stefan von Holtzbrinck ihre Unternehmen Springer Science und Macmillan Science fusioniert. Entstanden ist Springer Nature, dessen Eigentümerverhältnisse sich bald erneut ändern sollen. “Und jetzt”, sagt Walgenbach, “ist ein guter Zeitpunkt dafür: Die Unternehmenszahlen stimmen, die Integration ist nahezu abgeschlossen, und wir haben ein großartiges Führungsteam”.

Springer Nature ist einer der weltweit führenden Fachverlage mit namhaften Marken wie Springer Gabler, die Nature Publishing Group oder Macmillan Education. Mit Nature hat das Unternehmen zudem eines der renommiertesten Wissenschaftsmagazine der Welt im Portfolio.

Die Eigentümerverhältnisse der zuvor getrennten Unternehmen erwiesen sich in den vergangenen Jahren allerdings als volatil. BC Partners war der dritte Finanzinvestor von Macmillan Education. Mit Holtzbrinck, so Walgenbach, habe das Joint Venture nun “einen stabilen und langfristigen Ankerinvestor”. Dieser bekräftigt: “Durch die Kapitalerhöhung verwässert unser Anteil erst einmal. Wir haben aber nicht die Absicht, Aktien zu verkaufen. Weder jetzt noch in der Zukunft.”

Der Ausstieg von BC soll langfristig erfolgen. “Aus heutiger Sicht über einen Zeitraum von circa zwei Jahren”, erklärt Walgenbach. Mit dem Einsammeln frischen Geldes am Kapitalmarkt wollen die Investoren zunächst Schulden verringern. “Unternehmen im Besitz von Finanzinvestoren haben im Schnitt höhere Schulden bei einem entsprechend niedrigeren Eigenkapital. Durch den Börsengang können wir Letzteres stärken und die Verbindlichkeiten von Springer Nature weiter reduzieren”, sagt von Holtzbrinck. Attraktivität für Geldgeber wolle man  durch stabiles Wachstum, weitere Investitionen und höhere Dividenden erlangen. Zukünftig wolle Springer Nature “die Hälfte des bereinigten Jahresüberschusses” an Aktionäre ausschütten, wirbt Holtzbrinck.

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Weiteres Wachstum erzielen soll Springer Nature in erster Linie durch eine höhere Taktung der Veröffentlichungen, so Walgenbach weiter. “Die Qualität eines Artikels zu prüfen dauert heute ein paar Monate. Diesen Zeitraum wollen wir verkürzen.” Damit wollen die Eigentümer direkt die DNA des Wissenschaftsverlages optimieren. Mit 3.000 Mitarbeitern kümmere sich bereits ein Drittel der Belegschaft um die Qualitätskontrolle der Fachbeiträge, 90 Prozent der Vorschläge für Nature würden abgelehnt, so von Holtzbrinck.

Wie genau die Optimierungen – ob möglicherweise durch die Unterstützung von Künstlicher Intelligenz oder weiteren Mitarbeitern – vorgenommen werden sollen, darüber sprechen die Manager im Interview nicht. Nur so viel: “Die Digitalisierung an sich haben wir schon weitgehend abgeschlossen”, sagt Walgenbach mit Blick auf die Geschäftszahlen. “Wir bezeichnen zwar unsere Publikationen immer noch als Journale und Zeitschriften, de facto ist das aber alles überwiegend elektronisch.” Mehr als 90 Prozent des Umsatzes entfielen auf Journale, die Hälfte der Buch-Umsätze werde digital erwirtschaftet, so der Manager.

Auf die Frage, ob von Holtzbrinck plane, auch den Rest seines Geschäfts für den Kapitalmarkt zu öffnen, gibt es eine deutliche Antwort: “Das ist ausgeschlossen”, so der Verleger. “Wir haben uns damals bewusst dafür entschieden, die Sparte Wissenschaft und Bildung, welche im globalen Wettbewerb agiert und sehr viel Geld in Technologie investiert, in eine größere Einheit einzubringen. Die andere Hälfte unserer Gruppe, also die Buchsparte, der Collegeverlag in den USA, Holtzbrinck Digital und die Wochenzeitung Die Zeit bleiben privat.”

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