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Die Rolle als “politische Symbolfigur”: Mit Kendrick Lamar gewinnt erstmalig ein Rapper den Pulitzer-Preis

“Virtuose Liedersammlung”:
Kendrick Lamar wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet
"Virtuose Liedersammlung": Kendrick Lamar wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet

Kendrick Lamar war die größte Überraschung in einer der nicht-journalistischen Kategorien bei der diesjährigen Verleihung des Pulitzer-Preises. Er ist der erste Rapper, der den Preis erhält, und der erste Musiker, der nicht aus dem Jazz oder der Klassik kommt. Mit seinem Album "DAMN." fange er, so die Begründung der Jury, "die Komplexität des modernen afroamerikanischen Lebens" ein.

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Sein Album “DAMN.” hatte ziemlich genau vor einem Jahr die Feuilletonisten der hiesigen Zeitungen begeistert. An Karfreitag hatte Kendrick Lamar damals sein viertes Studioalbum veröffentlicht. “Das bestmögliche Rap-Album zur schlimmstmöglichen Zeit”, schrieb SZ-Online. Das Musikblatt “Rolling Stone” sprach in seiner Rezension vom “aufregendsten HipHop-Album des Jahres”und ein Redakteur der Welt erkannte in Lamar gar den “Erlöser des Raps”. Der Liebling der Kritiker erreichte mit seinem Album jedoch auch die Massen. Das Portal HipHop.de vermeldete im Juli vorigen Jahres, dass Lamar laut der Recording Industry Association of America den Doppelplatin-Status erlangt hat. Bei den diesjährigen Grammy Awards gewann er mit der Platte und den darauf enthaltenen Songs in fünf Kategorien.

Der 30-Jährige wurde für sein Album “DAMN.” nun mit einem Pulitzer-Preis in der Kategorie Musik ausgezeichnet. Dieser war bislang ausnahmslos Künstlern aus den Genres Jazz und Klassik vorbehalten. Dana Canedy, Vorsitzende der Pulitzer-Verwaltung, beschrieb Lamars Werk als “virtuose Liedersammlung, vereint von seiner umgangssprachlichen Authentizität und rhythmischen Dynamik”. Es biete “eindringliche Momentaufnahmen, die die Komplexität des modernen afroamerikanischen Lebens einfangen.”

Dass Kendrick Lamar nicht irgendein Rapper ist, liegt an der politischen Färbung seiner Musik. Spiegel Online beobachtete, dass er “mit spiritueller Wucht und brillanter Pop-Klarheit” erzählt und damit aufzeigt, “wie der Superstar sich in seine Rolle als politische Symbolfigur einfindet”.  Schon mit seinem gesellschaftskritischen dritten Album “To Pimp A Butterfly” hatte sich Lamar nach Ansicht vieler Beobachter zu einer Art Symbolfigur aufgeschwungen. Darin behandelte er die Selbstermächtigung und den Selbsthass vor dem Hintergrund rassistischer Staatsgewalt in den USA.

Er war zu einer einflussreichen öffentlichen Person “für ein neues Bewusstsein in der schwarzen Popkultur angesichts wachsender Rassenspannungen und Polizeigewalt in den USA geworden”, schrieb Andreas Borcholte bei Spiegel Online. Auch ein Auftritt Lamars beim Grammy 2016 bekam weltweit viel Beachtung. In diesem Jahr erhielt er dort zudem vier Auszeichnungen, zum Beispiel für das beste Rap-Album und den besten Rap-Song (das Video zeigt einen Auftritt des Musikers bei den MTV Video Music Awards im Jahr 2017).

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Der 1987 in Kalifornien geborene Musiker gilt bei vielen als Stimme Amerikas, ein Erzähler der afroamerikanischen Community, spätestens seit seinem jüngsten Album. Das Hip-Hop-Magazin Juice zum Beispiel spricht bei “DAMN.” deshalb von einem großen Wurf, weil Lamar komplexe Erzählungen mit rappender Gelassenheit kombiniere.

Auf dem nun ausgezeichneten Album geht es thematisch um Lamars Heimat Compton, den bekannten Vorort von Los Angeles, seine Freunde, Cousins und auch seinen Vater. Doch nicht nur die Community steht inhaltlich im Fokus. “Natürlich geht es auf Damn. auch um Trump und dessen Programm für ein weißeres Amerika, um die Polizei, regierungsnahe Medien, die Organe des neuen Staats”, erklärte Daniel Gerhardt von Zeit Online das Album in seiner Kritik.

Die Lieder wirken durch ihre Titel wie ein Statement, jedes für sich ein abgeschlossenes Kapitel. “DUCKWORTH.”, “FEAR.”, “LUST.”, “HUMBLE.” und “BLOOD.” und “DNA.” heißen einige der insgesamt 14 Songs auf der Platte. Im zuletzt genannten Titel rappt Lamar über das Bild von schwarzen Vierteln, das US-Medien wie Fox News und auch Teile der weißen US-Gesellschaft davon zeichnen.

Jan Kedves von der Süddeutschen Zeitung charakterisierte den Künstler Lamar wie folgt: “Einerseits behandelt er die Probleme der afroamerikanischen Community und rappt über den Schock, dass Donald Trump Präsident geworden ist. Nicht wenige werden ihn deswegen weiter für das musikalische Sprachrohr der “Black Lives Matter”-Bewegung halten.” Andererseits komme an keiner Stelle ein Zweifel auf, “dass es hier eben nur um den Ausdruck und die Erfahrung eines einzelnen schwarzen Mannes in den USA geht. Eines Mannes, der sich nicht zum Politiker aufschwingt, auch wenn es manchmal vielleicht so aussieht.”

Die Pulitzer-Preise wurden in diesem Jahr zum 102. Mal vergeben. In 14 der 21 Kategorien werden journalistische Arbeiten prämiert. Die restlichen Kategorien decken Literatur, Musik und Theater ab. Die Preisträger bestimmt eine Jury. Sie besteht aus Professoren verschiedener Fachrichtungen und renommierten Journalisten. Der Preis geht zurück auf den ungarisch-amerikanischen Zeitungsverleger Joseph Pulitzer (1847-1911).

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