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Zoff bei der Echo-Verleihung: Rapper Kollegah und Farid Bang gewinnen trotz Auschwitz-Textpassage

Gewannen den Echo trotz Passage über “Auschwitz-Insassen”: Farid Bang (l) und Kollegah
Gewannen den Echo trotz Passage über "Auschwitz-Insassen": Farid Bang (l) und Kollegah

Trotz des Wirbels um möglicherweise antisemitische und gewaltverherrlichende Textpassagen haben die beiden Rapper Farid Bang und Kollegah den Echo gewonnen. Die Kritik an dieser Entscheidung ist enorm: Campino nutzte seinen Auftritt bei dem Musikpreis für ein engagiertes Statement gegen den Battle Rap, und die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden nennt die Auszeichnung "verheerend".

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Die beiden Gangster-Rapper Kollegah und Farid Bang gewannen am Donnerstagabend in der Kategorie Hip-Hop/Urban National den Echo für ihr gemeinsames Album. „Jung, brutal, gutaussehend 3“. Darauf finden sich zwei Bonus-Tracks mit den Zeilen: „Mit dem Sprengstoffgürtel auf das Splash-Gelände“, „Nach einem Schlag denkst du, dich hätt ein Lkw überfahr’n. Als wärst du aufm Weihnachtsmarkt“ und „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen.“ Vor allem die letztere Passage sorgte nach Bekanntwerden der Nominierung für Wirbel. In der Bild-Zeitung melden sich Auschwitz-Überlebende entsetzt zu Wort und protestierten, die Ethik-Kommission prüfte den Fall – und entschied schlussendlich jedoch für die beiden Rapper. Während der Verleihung durften sie den umstrittenen Song “0815” außerdem performen. In der betreffenden Zeile ersetzten sie dabei das Wort “Auschwitz-Insassen” durch “Kunstfreiheit”.

Noch bevor der Sieger in der Kategorie Hip-Hop/Urban National verkündet wurde, nutzte der Frontman der “Toten Hosen”, Campino, seinen Auftritt, um harsche Kritik an der Jury-Entscheidung zu äußern. “Das Stück, über das sich alle streiten, kommt aus dem Battle Rap, wo es darum geht, sich gegenseitig zu toppen”, so der Preisträger in der Kategorie “Rock national”. Provokation sei zwar ein wichtiges Stilmittel und könne viel Gutes bewirken. Doch seine persönliche Grenze sei überschritten, wenn die Provokation eine frauenfeindliche, homophobe, rechtsextreme oder antisemitische Form habe. “Wir sollten keinen tieferen Sinn suchen, wo es keinen Sinn gibt”, so Campino weiter.

Kollegah und Farid Bang wollten auf die Worte des “Toten Hosen”-Sängers zunächst nicht antworten und wiegelten die Aufforderung, sich zu äußern, mit den Worten ab: “Ich will hier keine Politikdebatte daraus machen“. Doch als die beiden dann auf die Bühne traten, um ihren Preis entgegen zu nehmen, holten sie zum Gegenschlag aus: Kollegah hielt ein selbstgezeichnetes Bild in die Luft, das Campino mit Heiligenschein zeigte. Der Sänger habe sich “als moralische Instanz” aufgespielt, so Kollegah. “Uns an den Pranger zu stellen ist stillos, und gebührt so einem großen Künstler wie Campino nicht.” Als Zeichen des Friedens habe er die Zeit genutzt und ein Portrait gezeichnet, das er zu einem guten Zweck versteigern wolle, kündigte der Rapper an. Die Reaktion des Publikums: Buhrufe.

Campino ist jedoch nicht der Einzige, der die Auszeichnung der beiden Rapper scharf kritisiert. Auch die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zeigte sich entsetzt. Gegenüber der Welt erklärte Knobloch, es sei „ein verheerendes Zeichen“, den wichtigsten deutschen Musikpreis an „vermeintliche Künstler“ zu verleihen, die ein gesellschaftliches Klima bedienen, in dem Antisemitismus offenbar wieder normal sei. Kollegah und Farid Bang würden „mit ihren menschenverachtenden Botschaften Millionen, meist junge Menschen“ erreichen. Als besonders schwierig bewertet es Knobloch, dass der Preis ausgerechnet am jüdischen Holocaustgedenktag verliehen wurde. Da dürfe sich niemand wundern, dass „Jude“ in Klassenzimmern wieder Schimpfwort sei und jüdische Menschen alltäglich Opfer von Diffamierung und Aggression würden.

Auch in den sozialen Netzwerken äußern sich zahlreiche Kritiker zu Wort, um ihrer Wut über die Jury-Entscheidung Ausdruck zu verleihen:

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Doch auch die Veranstaltung an sich wird kritisiert. So sei es “frustrierend”, dass sich einzig Campino zu der Debatte um Kollegah und Farid Bang äußerte, schreibt Andreas Borcholte bei Spiegel Online. “Vor allem die jüngeren Künstler, darunter die populären Preisträger Mark Forster, Wincent Weiss oder die Lochis, die jeweils auch als Laudatoren agierten, ergingen sich im üblich-seichten Blabla aus Danksagungen und Geil-hier-voll-super-Einerlei. Selbst Kritikerpreisträgerin Hayiti, die selbst als Rapperin nicht zimperlich ist, gab sich ungewohnt schüchtern und verdruckst”, schreibt der Autor und weiter: “Besonders bestürzend aber war das Schweigen von Helene Fischer. Die vielleicht zurzeit relevanteste deutsche Pop-Künstlerin trat zwar gleich zweimal als Sängerin auf und bekam einen Preis überreicht, dankte aber lieber ausgiebig ihrem “scharfen Team” und ihren Bossen von Universal Music, statt ihre Autorität als heimliche Echo-Queen mit einem gesellschaftlichen Statement zu untermauern.”

Auch Leonie Feuerbach findet in der FAZ deutliche Worte zu dem Gala-Abend: “Der Echo hatte also kaum etwas zu verlieren. Und dass die Musikbranche mit ihrem Kommerzpreis gerne um jeden Preis Schlagzeilen macht, hat sie schon bewiesen, als sie letztes Jahr Xavier Naidoo moderieren ließ, der in einem seiner Lieder in Anspielung auf die jüdische Bankiersfamilie Rothschild von ‘Baron Totschild’ schwadroniert. Und als sie im Jahr davor der Band Frei.Wild einen Echo verlieh, die sie noch ein paar Jahre zuvor wegen ihrer nationalistischen Texte ausgeschlossen hatte.”

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Alle Kommentare

  1. ECHO und RTL-Vox werden sich von heute an nachsagen lassen müssen, dass sie Antisemitismus nicht nur verbreiten, sondern auch noch belobigen und mit Preisen bedenken – am Holocaust-Gedenktag. Wir sind bei 1933 angelangt. Und die Meute jubelt wie beim Porgrom 1938. Kunst? Nein: übelste Hetze.

    1. Klatscht der Antideutsche Campino nicht immer in die Hände, wenn die Merkel Truppe die nächste Million Migranten, aus Gebieten nach Deutschland lässt, in denen praktisch jeder ein Judenhasser ist ?

      1. Versteh ich nicht, wieso sollten Sachsen und Bayern in Deutschland Migranten sein?

  2. Das wirklich schlimme an den Textzeilen, sie sind aus der Zeit gefallener Vergleiche-Rap auf schlechtem Niveau (Nicht weil sie geschmacklos sind, das ist Stilmittel)

    Kollegah hat alle schön übers Stöckchen springen lassen und seine Agenda gepusht.

    Was aber bei der intellektuellen Qualität der Medienfuzzis auch einfach ist, Frau Hayali beweist ja in ihrem Tweet, sie ist offenbar genauso dämlich wie Farid aussieht.

  3. Sie haben nicht 0815 performed… Ihr Flachpfeifen!!! Das war ein neuer Song, den sie extra für ihren Echo-Auftritt geschrieben haben.

  4. Den Beteiligten geht es um Marketing in eigener Sache. Der kalkulierte Skandal als win-win-win-Situation. Und auf dem Trittbrett Frau Hayali, nur einen tweet entfernt.

  5. Der Westen unterstützt ja auch den übelsten Dreck an Dschihadisten in Syrien…..also ganz cool bleiben!

    (massive-white-helmets-photos)

  6. In einer Landschaft, in der es Geschäftsmodell noch jeder Partei geworden ist, mit Unmenschlichkeit durch rechtes Überholen der Unmenschen Wahlen gewinnen zu wollen, wird sich künstlich echauffiert über zwei Deppen, die es für Kunst ausgeben wollen, mit wohl kalkulierter Unmenschlichkeit den großen Reibach zu machen? Pfui, Deibel, welch Bigotterie! Echolog, ick hör dir klicken…

  7. Köstlich wie der mittlerweile 55 Jahre alte Campino mit einem Stapel DIN A4 Blätter die Bühne betrat und einen Text ablas und dafür besser seine Brille hätte mitnehmen sollen. Dabei erinnerte mich Campino an die ehemalige NDR-Landesfunkhaus in Hannover, Lea Rosh, 81 Jahre alt, SPD Mitglied, Merkel Bewunderin

    “Wir brauchen dringend Frau Merkel.”

    und heute mit Fernsehgebühren finanzierte Pensions-Großverdienerin, wie die 2016 in Maischberger’s 500. Sendung plötzlich eine Umhängetasche hervor holte und eine größere lose Blatt Sammlung heraus krampte. Zum Vorlesen kam es nicht.

    meedia.de schrieb dazu:

    “Frau Rosh waren die Fragen der Gastgeberin offensichtlich egal und so sagte sie, mit Zettel bewaffnet – schlecht vorbereitet -, Beatrix von Storch zuerst einmal alles, was sie ihr offenbar schon immer mal in einer Talkshow sagen wollte, aber bisher keine Gelegenheit dazu hatte. U.a. konfrontierte sie die Storch’sche mit einem falschen Zitat, für dass sich schon Michel Friedman eine juristische Klatsche eingefangen hatte.”

    Ansonsten:

    Antisemitismus ist in Deutschland nicht verboten. Von daher ist doch alles OK! Einige verwechseln das gerne mit der Leugnung des Holocaust. Und nein, ich habe mir die Liedtexte der beiden Rapper nicht durchgelesen.

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